„Wer früh mitbestimmen kann, fühlt sich als Teil der Gesellschaft“

  • Bundesregierung ⏐ Startseite
  • Schwerpunkte

  • Themen  

  • Bundeskanzler

  • Bundesregierung

  • Aktuelles

  • Mediathek

  • Service

Interview zum Internationalen Kindertag „Wer früh mitbestimmen kann, fühlt sich als Teil der Gesellschaft“

Ob Theaterstück, Sportturnier oder Musikfestival: mit vielen Ideen beteiligen sich Kinder und Jugendliche am „Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit“. Die Bundesinitiative hat das Ziel, jungen Leuten Raum für Teilhabe und Engagement zu geben. Eine Expertin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung stellt einzelne Projekte vor  – und erklärt, warum das Engagement der Kinder so wichtig ist.         

5 Min. Lesedauer

Kindertag

Engagement der Jüngsten unserer Gesellschaft ist ein wichtiger Grundstein für Demokratie und Partizipation in der Zukunft.

Foto: mauritius images / Stockbroker RF

Das „Zukunftspaket für Bewegung, Kultur und Gesundheit“ ist ein Programm des Bundesfamilienministeriums. Es möchte die Beteiligungsmöglichkeiten und -kompetenzen von Kindern und Jugendlichen stärken. Junge Menschen können im Rahmen des Programms eigene Projektideen umsetzen oder sich in Projekte einbringen. In diesem Jahr stehen dafür 40 Millionen Euro zur Verfügung. An dem Programm beteiligt sind die Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung, die Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walter May“ – und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung  (DKJS). Peggy Eckert ist DKJS-Expertin für Demokratiebildung, Kinder- und Jugendbeteiligung und Engagementförderung.   

Wie ist die Resonanz von Kindern und Jugendlichen auf das Zukunftspaket?
Peggy Eckert: Das Zukunftspaket trifft auf sehr großes Interesse bei den Kindern und Jugendlichen selbst. Seit dem Start im Januar hat unser Team schon rund 1.000 Beratungsgespräche mit Kinder- und Jugendgruppen zu ihren Projektideen geführt. Wir freuen uns sehr über das große Interesse und zu hören, dass sich Kinder und Jugendliche bei uns in der Beratung gut aufgehoben fühlen und es sie stolz macht, dass sie eigenständig ein Projekt für sich und andere in ihrem Alter umsetzen können. Gerade jetzt wo der Sommer vor der Tür steht, steigen die Anfragen nochmal an.

Welche konkreten Projekte von Kindern gibt es?
Peggy Eckert: Die Projekte sind sehr vielseitig und wirklich spannend. Viele Kinder setzten sich mit ihren Projekten für mehr Gerechtigkeit und ihr eigenes Wohlbefinden ein. Mit dem Theaterprojekt „Schönheitssalon“ in Hamburg setzen sich Kinder kritisch mit Schönheitsidealen auseinander und der Frage, was es so schwer macht, sich schön zu fühlen. Mit dem Wasserlilien-Health-Projekt tauschen sich Jugendliche darüber aus, was ihnen hilft, wenn sie sich nicht gut fühlen und zum Beispiel Angst haben oder traurig sind. Durch Gespräche, gemeinsame Erlebnisse in der Natur oder Ausflüge lernen sie, wie sie ihre mentale Gesundheit stärken können.Und natürlich wollen sich viele Kinder für die Umwelt und das Klima engagieren. Eines der ersten Projekte, die eingereicht wurden, war eine Gruppe, die ein Bienenhotel bauen und sich gemeinsam für den Erhalt der Biodiversität einsetzen will. Viele weitere Projekte sind auf der Projektlandkarte zu finden.

Inwieweit haben Sie mit dem großen Engagement gerechnet?
Peggy Eckert: Wir als Deutsche Kinder- und Jugendstiftung wissen aus unserer Arbeit, dass Kinder und Jugendliche sich engagieren möchten, etwas bewegen wollen und Lust haben unsere Gesellschaft mitzugestalten. Das war während der Einschränkungen durch Corona lange nicht möglich. Auch wurden junge Menschen viel zu wenig nach ihrer Sicht und ihrer Meinung gefragt. Mit diesem Wissen haben wir das Zukunftspaket gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium, den Partnerinnen und Partnern konzipiert und freuen uns sehr über das riesige Interesse. Es ist toll, dass Kindern und Jugendlichen das Mitgestalten so wichtig ist und sie sich in ihrer Freizeit Zeit nehmen und sich engagieren.

Können sich Kinder und Jugendliche noch bewerben und was müssen sie dabei beachten?
Peggy Eckert: Kinder und Jugendliche können noch bis zum 15. September einen Förderantrag stellen. Sie können sich bei uns melden, wenn sie etwas für sich und andere machen möchten. Das muss noch gar keine konkrete Idee sein. Wir helfen dann, die Projektideen zu entwickeln, Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden, den Förderantrag zu stellen und beantworten Fragen rund um „Das Zukunftspaket“. Alle Kontaktmöglichkeiten finden Kinder und Jugendliche auf unserer Website .

Werden Kinder heute mit Blick auf ihre eigenen Interessen von der Gesellschaft ernster genommen als früher?
Peggy Eckert:
Natürlich hat sich viel getan. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, bei denen Kinder und Jugendliche ihre Meinung sagen können, an Entscheidungen beteiligt werden und ihre Ideen umsetzen können, zum Beispiel in Jugendparlamenten. Aber es gibt noch lange nicht genug Beteiligungsformate, die Kinder und Jugendlichen in ganz verschiedenen Lebenssituationen erreichen. Immer mehr Erwachsene erkennen, welchen Mehrwert es für unsere Gesellschaft hat, jungen Menschen zuzuhören und sie ernsthaft an der Gestaltung unserer Zukunft zu beteiligen.

Dem gegenüber steht eine immer älter werdende Gesellschaft, in der die Interessen der älteren Menschen, schon rein von der Anzahl mehr Gewicht haben und die immensen Herausforderungen durch die Pandemie, den Krieg in der Ukraine, die steigenden Kosten oder die Klimakrise lenken den Fokus weg von den Bedarfen der Jüngsten in unserer Gesellschaft. Hier dürfen wir Kinder und Jugendliche auf keinen Fall vergessen, sondern müssen ins Gespräch kommen und gemeinsam Lösungen finden. Denn wir sind überzeugt davon, wer früh aktiv mitbestimmen kann, fühlt sich als Teil der Gesellschaft und lernt Eigeninitiative und demokratische Mitsprache.

Ihre Stiftung engagiert sich in vielfältiger Weise. Was sind weitere Beispiele Ihrer Arbeit?
Peggy Eckert: Als Deutsche Kinder- und Jugendstiftung setzen wir uns für mehr Bildungsgerechtigkeit und die Teilhabe aller jungen Menschen in Deutschland ein. Das tun wir an unterschiedlichen Stellen. So haben wir im Programm „Demokratie in Kinderhand“ zum Beispiel die Stadt Thalheim im Erzgebirge dabei unterstützt, das Amt der Kinderbürgermeisterinnen und -bürgermeister einzuführen. Ein anderes Mal haben wir über 400 Kinder der Gemeinde Moritzburg zu ihren Ideen und Wünschen für ein Ortsentwicklungskonzept befragt.

Wir arbeiten auch an Bildungsorten mit Fachkräften aus Kindertagesstätten und Schulen – zum Beispiel daran, wie Übergänge besser gestaltet werden können. Wir beraten Kommunen zum Thema Bildung, stärken Zukunftskompetenzen – etwa die digitale Kompetenz bei jungen Menschen. Und natürlich wollen wir auf allen Ebenen Beteilung und Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche ermöglichen.

Drei Beispiele zeigen das Engagement des Bundes für die Belange von Kindern:  

Kitas: Das Kita-Qualitätsgesetz will die Qualität der Kindertagesbetreuung weiter verbessern. Der Bund unterstützt die Länder hierbei bis 2024 mit insgesamt vier Milliarden Euro.
Ganztagsausbau: Mit dem „Investitionsprogramm Ganztagsbetreuung“ fördert die Bundesregierung den Ausbau der Ganztagsbildung in der Grundschule  - und zwar bis 2027 mit etwa drei Milliarden Euro. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule wird schrittweise ab 1. August 2026 eingeführt.
Beteiligung: Die Bundesregierung möchte die kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie die bundesweite Vernetzung und Qualifizierung stärken. Um dies zu erreichen, fördert der Bund die Initiative „Starke Kinder- und Jugendparlamente“ . Sie ist Teil der Jugendstrategie der Bundesregierung.