Große Welle der Hilfsbereitschaft

Bundeskanzlerin würdigt Engagement Große Welle der Hilfsbereitschaft

Die Welle der hilfesuchenden Flüchtlinge in Deutschland trifft auf eine nicht minder große Welle deutscher Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft: Ob Freiwillige oder Beschäftigte im öffentlichen Dienst, sie alle kümmern sich um Flüchtlinge, die an Bahnhöfen stranden oder langfristig Unterkünfte benötigen.

Die Zahl der Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, steigt weiter. In einer beispiellosen Aktion hat Deutschland angesichts der dramatischen Zustände in Ungarn jüngst Tausende Flüchtlinge aufgenommen. Allein am Wochenende kamen via Bayern fast 20.000 Menschen in Deutschland an. Bundeskanzlerin Angela Merkel hob in einem Pressestatement am Montag (7. September) das große Engagement vieler Organisationen, des öffentlichen Dienstes und von vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern hervor, die sich gerade am vergangenen "bewegenden, atemberaubenden" Wochenende um ankommende Flüchtlinge gekümmert hätten.

Wasser, Nahrungsmittel und Applaus

In unermüdlichen Einsätzen wie in München verteilten Freiwillige Wasserflaschen, Nahrungsmittel, Kleidungsstücke und Spielzeug. Die gestrandeten Menschen wurden in mehreren Sprachen begrüßt.

In Dortmund empfingen Helferinnen und Helfer am Sonntag mehr als 1.000 Flüchtlinge mit Applaus und Willkommens-Paketen. Dabei ließen sie sich auch nicht von einer Demonstration gegen die Flüchtlinge in der Nacht zuvor einschüchtern. Auch in Hamburg applaudierten Hunderte für die ankommenden Flüchtlinge, am Bahnhof in Saalfeld (Thüringen) sangen Menschen auf Englisch "Flüchtlinge sind hier willkommen", klatschten und winkten, in Lüchow (Niedersachsen) hatten Anwohner Absperrungen mit Luftballons und Sonnenblumen dekoriert.

Bund finanziert zusätzliche Stellen

Um die Herausforderung der wachsenden Flüchtlingszahlen meistern zu können, hat die Koalition inzwischen ein Maßnahmenpaket geschnürt. Der Bund unterstützt Länder und Kommunen mit weiteren drei Milliarden Euro. Zudem soll der Bundesfreiwilligendienst um bis zu 10.000 neue Stellen aufgestockt werden.

Bei der Bundespolizei sollen 3.000 zusätzliche Stellen für die kommenden drei Jahre geschaffen werden. Die Bundespolizei hilft auch dabei, ankommende Flüchtlinge zu erfassen und an die zuständigen Stellen zu vermitteln. So zum Beispiel am vergangenen Wochenende in Stuttgart: 219 Asylsuchende, die mit dem Zug aus München gekommen waren, hatten keine Papiere, die ihren Aufenthalt legitimierten. Deshalb verteilten Bundespolizisten Bescheinigungen für eine Erstaufnahmestelle in Karlsruhe.

Plätze in Notunterkünften schaffen

In Notunterkünften wie in Ahlen (Nordrhein-Westfalen) hatte der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB ) gemeinsam mit Ehrenamtlichen, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) in den vergangenen Tagen zusätzliche Schlafplätze hergerichtet, um in der Bodelschwinghschule weitere Flüchtlinge schnellstmöglich aufnehmen zu können. In Organisationen wie dem THW dem ASB, aber auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Caritas oder dem Deutschen Roten Kreuz (DRK ) arbeiten deutschlandweit Menschen, um den Bundesfreiwilligendienst zu leisten.

Keine Ghettos entstehen lassen

Bundesinnenminister de Maizière hatte bereits vergangene Woche appelliert, die aktuelle Hilfsbereitschaft in eine Willkommenskultur münden zu lassen, von der ganz Deutschland künftig profitieren könne: "Und da müssen wir, und da appelliere ich an alle Beteiligten, von Anfang an aufpassen, dass keine Ghettos, keine neuen sozialen Probleme entstehen, die wir in zehn Jahren bitter bereuen. Um das hinzukriegen, müssen wir sehr groß und ganz neu denken. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass sich unser Land verändert", sagte de Maizière in einem ZEIT-Interview (3. September).

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