Was tut die Bundesregierung gegen Hunger und Armut in der Welt?

Welternährungstag - Fragen und Antworten Was tut die Bundesregierung gegen Hunger und Armut in der Welt?

Auch heute noch leiden Millionen von Menschen auf der Welt unter extremer Armut und Hunger. Mit ihrem Bekenntnis zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 möchte die Bundesregierung dazu beitragen, allen Menschen ein Leben in Würde und Sicherheit zu ermöglichen. Sehen Sie hier einen Überblick über das Engagement Deutschlands.

Frauenhand mit Weizenkörnern

Ernährungssicherheit schaffen, Hunger bekämpfen - eines der 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung.

Foto: Getty Images/Corbis/Eric Lafforgue

Wie steht Deutschland zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen?

Im Oktober 2020 begehen die Vereinten Nationen ihren 75. Jahrestag. Aus diesem Anlass betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Bekenntnis Deutschlands zu den 17 Zielen nachhaltiger Entwicklung (SDGs). Die Bundesrepublik werde weiter an deren Erreichung arbeiten - "für eine lebenswerte Welt für alle Menschen".

Keine Armut (SDG 1) und Kein Hunger (SDG 2) - diese Ziele stehen bei der Agenda 2030 der Vereinten Nationen ganz zu Beginn. Zugleich sind sie wesentliche Ziele der Entwicklungspolitik der Bundesregierung. Sie sind ambitionierte Herausforderungen, die die gesamte Menschheit betreffen: "Die Weltgemeinschaft hat sich mit der 2030-Agenda für die kommenden 15 Jahre viel vorgenommen", erklärte Kanzlerin Merkel bereits 2015, als die Agenda von den Vereinten Nationen beschlossen wurde. In diesem Jahr mahnte Merkel, die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele sei "beim jetzigen Tempo nicht zu schaffen". "Deshalb müssen die Staaten der Welt ihre Anstrengungen noch verstärken", so die Kanzlerin. 

Mit der Agenda 2030 will die Weltgemeinschaft weltweit ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und dabei gleichsam die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft bewahren. Dies umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Alle Staaten sind aufgefordert, ihr Tun und Handeln danach auszurichten. Deutschland hat sich bereits früh zu einer ambitionierten Umsetzung bekannt.
Auf der Seite "Die Glorreichen 17" können Sie sich über die Ziele für nachhaltige Entwicklung informieren. 

Der deutsche Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 ist die Weiterentwicklung und Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS). Kanzlerin Merkel hat alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich bis Ende Oktober an der Online-Konsultation zur Weiterentwicklung der DNS zu beteiligen. Dann wird die Bundesregierung auf Grundlage der Dialog-Ergebnisse den vorliegenden Entwurf überarbeiten und die neue Strategie im ersten Halbjahr 2021 beschließen.

Wie steht es um das Ziel, die Armut zu bekämpfen? 

Bis 2030 extreme Armut vollständig zu beseitigen - das ist Inhalt des ersten Zieles für nachhaltige Entwicklung (SDG 1). Im Jahr 2015 lebten weltweit nach Schätzungen der Weltbank 700 Millionen Menschen in extremer Armut. Als Folge der Corona-Pandemie könnten zudem allein im Jahr 2020 bis zu 100 Millionen Menschen zusätzlich in extreme Armut fallen. 

In extremer Armut lebt ein Mensch nach der Definition der Weltbank, wenn ihm pro Tag weniger als 1,90 US-Dollar zur Verfügung steht. Betrachtet man neben Einkommen weitere Aspekte wie Bildung, Gesundheit und Lebensstandards, sind nach dem Global Multidimensional Poverty Index 2019 weltweit mehr als 1,3 Milliarden Menschen von sogenannter multidimensionaler Armut betroffen.

Was tut die Bundesregierung, um Armut zu bekämpfen?

Armutsbekämpfung steht für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit an oberster Stelle. Deutschland setzt sich dabei zum Beispiel für

  • faire Arbeitsbedigungen,
  • existenzsichernde Mindestlöhne und
  • die Verantwortung deutscher Unternehmen in Partnerländern

ein. Dies geschieht konkret etwa durch die Förderung von Initiativen wie dem "Bündnis für nachhaltige Textilien" oder dem "Forum Nachhaltiger Kakao".

Einsatz für Sozialstandards

Deutschland fördert auch Sozialstandards in weiteren globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten, etwa bei Kaffee oder Cashew, damit die Menschen am Ende der Lieferkette von ihrer Arbeit leben und Bildung für ihre Kinder ermöglichen können. Auch im Rahmen der G7/G20 setzt sich Deutschland für gute Arbeit, Gleichstellung von Männern und Frauen und eine faire Ausgestaltung des technologischen Wandels ein. 

Grundbedürfnisse decken, Risiken absichern

Deutschland unterstützt soziale Sicherungssysteme in den Partnerländern, um besonders arme oder benachteiligte Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Grundbedürfnisse zu decken und sich gegen Risiken abzusichern. Beispiele:

  • In Indien werden seit 2018 rund 500 Millionen Menschen durch eine staatlich finanzierte, kostenfreie Krankenversicherung abgesichert, die mit deutscher Beratung aufgebaut wurde.
  • Die malawische Regierung wird bei der Finanzierung und Umsetzung von "Social Cash Transfers" für nahezu 600.000 Menschen unterstützt.
  • In Burkina Faso tragen mit deutscher Unterstützung ab 2020 Cash Transfers dazu bei, die Ernährungssicherung von Frauen und Kindern zu verbessern.

Schutz vor klimabedingten Risiken

Unter der deutschen G7-Präsidentschaft wurde die sogenannte "InsuResilience Global Partnership" angestoßen - eine globale Initiative zum Ausbau von Klimarisikofinanzierungen und -versicherungen. Das Ziel ist der wichtiger werdende Schutz vor klimabedingten Risiken für arme und vulnerable Menschen. Bis 2025 sollen 500 Millionen Personen in Entwicklungsländern gegen Katastrophen- und Klimaschocks abgesichert werden. 

Mit dem "Sahel Adaptive Social Protection Program" werden die G5-Sahelstaaten und Senegal unterstützt, ihre sozialen Sicherungssysteme aufzubauen und weiterzuentwickeln, um auch in klimabedingten Krisensituationen anpassungs- und handlungsfähig zu bleiben. Deutschland beteiligt sich seit 2018 an diesem Programm. Eine Aufstockung des Programms 2020 mit deutschen Mitteln unterstützt die Sahelstaaten
dabei, die sozio-ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie durch soziale Sicherungsmaßnahmen zu mildern.

Wie steht es um das Ziel, den Hunger zu bekämpfen? 

Derzeit leiden schätzungsweise etwas mehr als zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung, von denen etwa 821 Millionen Menschen von Hunger und chronischer Unterernährung betroffen sind. Die Zahl chronisch unterernährter Kinder unter fünf Jahren lag 2019 bei 144 Millionen. Mehr als zwei Milliarden Menschen sind übergewichtig oder gar adipös - und das zunehmend auch in sich entwickelnden Ländern. Die Hälfte der Bevölkerung weltweit ist somit nicht angemessen ernährt. Die Folgen der Corona-Pandemie haben den Druck auf die weltweite Ernährungssituation weiter erhöht. Die Zahl der Menschen, die akut von Ernährungsgunsicherheit betroffen sind, könnte sich laut Welternährungsprogramm bis Ende 2020 auf 265 Millionen verdoppeln.

Bundeskanzlerin Merkel betonte im Oktober 2020, dass es "uns nicht ruhen lassen" könne, dass "trotz des erklärten Ziels der Weltgemeinschaft, den Hunger der Welt bis 2030 besiegen zu wollen, und dem großen Einsatz des Welternährungsprogramms derzeit mit mehr als 820 Millionen Menschen eine unfassbar große Zahl an Menschen Hunger leiden muss". Die Anstrengungen der Weltgemeinschaft müssten ausgebaut werden. Den Hunger in der Welt werden man - wie viele andere große Herausforderungen unserer Zeit - "nur gemeinsam in den Griff bekommen". 

Was tut die Bundesregierung, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen? 

Aus Mitteln der deutschen Entwicklungszusammenarbeit fließen jährlich insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro in die Ernährungssicherung, die Landwirtschaftsförderung und die ländliche Entwicklung in Entwicklungsländern. Mit seiner 2014 geschaffenen Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) diese Bereiche zu entwicklungspolitischen Prioritäten erklärt. 

Hunger und Mangelernährung überwinden

Ziel ist es, Hunger und Mangelernährung in Entwicklungsländern zu überwinden und Voraussetzungen zu schaffen, damit sich auch in Zukunft die weiter wachsende Weltbevölkerung ausreichend und ausgewogen ernähren kann. "EINEWELT ohne Hunger" fokussiert sich auf besonders betroffene Länder und finanziert aktuell mehr als 300 Projekte. Dabei setzt sie auf Partnerschaften mit der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft, um alle Kräfte im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung sowie Armut als deren Hauptursache zu mobilisieren.    

Unterstützung der Welternährungsorganisation

Seit 2002 fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durch einen Bilateralen Treuhandfonds (BTF) Projekte der FAO zur Überwindung von Hunger und Unterernährung. Ziel der Projekte ist es, Staaten bei der Sicherung einer qualitativ und quantitativ ausgewogenen Ernährung zu unterstützen. Gemeinsam mit der FAO, den Partnern in den Ländern und weiteren internationalen Organisationen soll damit die Umsetzung des Rechts auf Nahrung sowohl auf politischer Ebene als auch bei den Menschen vor Ort vorangebracht werden. 

Forschung nutzen und vernetzen

Das BMEL startete 2013 das Förderprogramm  "Internationale Forschungskooperationen zur Welternährung". Das Ziel: Das Wissen der deutschen Agrar- und Ernährungsforschung soll noch stärker genutzt werden, um die Welternährungssituation zu verbessern. Auch soll die deutsche Forschung in diesem Bereich stärker international vernetzt werden. Im Fokus der durch das Programm geförderten Maßnahmen stehen die Landwirtschaft und Ernährung in Subsahara Afrika und Südostasien.

Forschung vor Ort fördern 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im südlichen und westlichen Afrika Kompetenzzentren zu Klimawandel und nachhaltigem Landmanagement aufgebaut. Mit elf Partnerländern im Westen und fünf im Süden werden akademische Ausbildung, Kapazitätsaufbau, Klimadienste und auf die Regionen abgestimmte Forschungsprogramme gefördert. Diese Kooperation erfolgt mit enger Anbindung deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen.

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