„Für Frieden und Versöhnung einsetzen“

Gedenken an Flucht und Vertreibung „Für Frieden und Versöhnung einsetzen“

Seit 2015 gedenkt die Bundesregierung jährlich am 20. Juni der Opfer von Flucht und Vertreibung weltweit sowie der deutschen Vertriebenen. Mit diesem Datum knüpft sie an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen an. Der Krieg und die aktuellen Ereignisse in der Ukraine nahmen bei der diesjährigen Veranstaltung einen breiten Raum ein.

Bundesministerin Klara Geywitz bei ihrer Rede bei der Veranstaltung im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung am 20. Juni 2022.

„Geflüchtete in Europa sind wieder so sichtbar, wie am Ende des Zweiten Weltkriegs“, erklärte Bundesministerin Klara Geywitz.

Foto: picture alliance/dpa/Jörg Carstensen

„Gerade in diesem Jahr erinnert uns dieser Tag daran, wie wichtig es ist, sich stets für Frieden und Versöhnung einsetzen“, bekräftigte Bundesbauministerin, Klara Geywitz auf der Gedenkstunde der Bundesregierung zum nationalen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Vertreibungen, ethnische Säuberungen und Deportationen seien immer auch eine Waffe, die durch Staaten eingesetzt bzw. billigend in Kauf genommen würden. „Deswegen ist das Gedenken der Opfer eine wichtige staatliche Aufgabe.“

Die Ministerin ging auf die Folgen des Zweiten Weltkrieges genauso ein, wie auf den Angriffskrieg des russischen Präsidenten gegen die Ukraine. Dieser markiere einen der dunkelsten Tage in der europäischen Nachkriegszeit. „Geflüchtete in Europa sind wieder so sichtbar wie am Ende des Zweiten Weltkriegs“, so Geywitz.

Der Krieg habe die größte Fluchtbewegung in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Acht Millionen Menschen, so die Ministerin, wurden innerhalb des Landes vertrieben, mehr als 6 Millionen Menschen seien geflohen.

Zeitzeugen sprechen

„Flüchten zu müssen, vertrieben worden zu sein – das sind Erfahrungen, die sehr persönlich sind“, so Geywitz. Daher dankte sie den beiden Zeitzeuginnen, Helgard Rohrmoser und Diana Liebert für ihre Schilderungen ganz besonders. Beide Frauen sprachen stellvertretend für ihre Generationen über ihre Erlebnisse: Helgard Rohrmoser als Zeitzeugin über Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg und Diana Liebert über den Ukraine-Krieg. Beide schilderten sehr eindringlich und sichtlich bewegt ihre Eindrücke.

Weltweit mehr als 100 Millionen auf der Flucht

Weltweit werden immer mehr Menschen in die Flucht getrieben. Kriege, Konflikte und Krisen verschärfen die Flüchtlingskrise. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) geht aktuell von mehr als 100 Millionen Menschen aus, die sich auf der Flucht befinden. Das sind so viele wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Organisation spricht von einem „dramatischen Meilenstein“.

Erkennbare Parallelen

„Heute binden wir Fäden zusammen, die im Alltag oft lose bleiben und nicht zusammengedacht werden,“ ergänzte Bernd Fabritius, Präsident des Bundes der Vertriebenen. In seinen abschließenden Worten beklagte er „das gezielte Zerstören von Heimat“. Dabei sei Heimat für jede Gemeinschaft die Luft zum Atmen. „Dieses Phänomen der Sehnsucht nach Heimat, die man verlassen musste, begegnet uns heute unter den Geflüchteten aus der Ukraine und ist genauso ausgeprägt, wie damals.“

Gedenken in Berlin

Die Veranstaltung fand in diesem Jahr im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin statt. Träger ist die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, die im Dezember 2008 als überparteiliche, unselbständige Stiftung des öffentlichen Rechts vom Deutschen Bundestag gegründet wurde.

Der 20. Juni ist seit 2015 der Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung. Mit diesem Datum knüpft die Bundesregierung an den Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen an und erweitert das Flüchtlingsgedenken um das Schicksal der Vertriebenen.

Zur angemessenen öffentlichen Wahrnehmung werden an diesem Tag bundesweit die obersten Bundesbehörden und ihre Geschäftsbereiche sowie die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, beflaggt.

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