Individuelle Förderung durch Ganztagsbetreuung 

Ganztagsausbau für Grundschulen - Fragen und Antworten Individuelle Förderung durch Ganztagsbetreuung 

Ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote sollen zukünftig Grundschulkinder stärken und Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen. Der Bund treibt deshalb den Ausbau der Ganztagsbetreuung in der Grundschule rasch voran. Schon in diesem Jahr sollen die ersten 750 Millionen Euro von insgesamt 3,5 Milliarden Euro fließen.

Foto zeigt Grundschulkinder mit einer Lehrerin.

Im Koalitionsvertrag ist ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab 2025 vereinbart.

Foto: imago/Westend61

Warum ist die Ganztagsbetreuung wichtig und was hat die Bundesregierung konkret vor?

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung in der Grundschule ist der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen. Die ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote ermöglichen eine individuellere Förderung von Grundschülerinnen und -schülern und tragen zu mehr Teilhabechancen für Kinder aus sozial schwachen Familien bei. Zudem kann für Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreicht werden. Somit schafft der Bund mit dem Ganztagsausbau gute Rahmenbedingungen für junge Familien.

Im Koalitionsvertrag ist ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab 2025 vereinbart. Zur Vorbereitung muss der Ausbau der entsprechenden Infrastruktur jetzt vor Ort zügig vorangetrieben werden.

Laut Bundesfamilienministerin Franziska Giffey wurden im letzten Jahr innerhalb der Bundesregierung vier große Parameter der Ganztagsbetreuung ausgearbeitet und definiert. Ziel ist es, fünf Tage die Woche jeweils eine achtstündige Ganztagsbetreuung anzubieten, einschließlich eines verlässlichen Mittagsangebots und der Möglichkeit der Ferienbetreuung (bis auf vier Wochen Schließzeit).

Grafik zeigt wie die Bundesregierung den Ausbau der Ganztagsbetreuung beschleunigen will. Bis 2025 soll es einen Rechtsanspruch geben. 2020 werden 750 Millionen Euro in den Ganztagsausbau investiert. Insagesamt stehen 3,5 Milliarden Euro bereit.

Die Länder können die ersten 750 Millionen Euro bereits in diesem Jahr für Planungs- und Ausbaukosten für den Ganztag verwenden.

Foto: Bundesregierung

Wie wird der Ausbau finanziert?

Die Bundesregierung hat am 3. Juni 2020 beschlossen, zusätzlich zu den im Koalitionsvertrag für den Ganztagsausbau bereits vorgesehenen zwei Milliarden Euro weitere 1,5 Milliarden Euro an Investitionsmitteln zu finanzieren. Davon stellt die Bundesregierung den Ländern in einem ersten Schritt 750 Millionen Euro für den beschleunigten Ganztagsausbau in diesem Jahr zur Verfügung. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die entsprechenden Mittel in seiner Sitzung am 1. Juli 2020 freigegeben.

Die Bundesregierung fördert den Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen mit insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Zwei Milliarden Euro sollen mit einem zu einrichtenden Sondervermögen finanziert werden. Das entsprechende Gesetz befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren und soll voraussichtlich nach der Sommerpause verabschiedet werden.

Wann können die Länder erste Gelder abrufen?

Die Details werden in den nächsten Wochen gemeinsam mit den Ländern festgelegt. Dazu werden mit jedem Bundesland entsprechende Verwaltungsvereinbarungen geschlossen. Der Bund arbeitet nun mit Hochdruck daran, diese in den nächsten drei bis vier Wochen mit den zuständigen Landesministerien abzuschließen, sodass Kommunen voraussichtlich ab August dieses Jahres die ersten Mittel für den Ganztagsausbau abrufen können.

Wie hoch ist der Bedarf an Ganztagsbetreuung in Deutschland?

Etwa die Hälfte aller Grundschulkinder nutzt bereits ein Ganztagsangebot. Die Bundesfamilienministerin geht aber von einem deutlich höheren Bedarf aus - dieser wird auf etwa 75 bis 80 Prozent geschätzt. Diese Bedarfslücke muss nun geschlossen werden. Laut Giffey ist gerade während der Corona-Pandemie deutlich geworden, wie wichtig Betreuungsangebote auch am Nachmittag sind. Sowohl Mütter als auch Väter haben einen Anspruch darauf, Beruf und Familie vereinbaren zu können. Die Anforderungen müssen deshalb auch durch den Staat gewährleistet werden.

Wofür können die Finanzmittel verwendet werden?

Die Länder können die ersten 750 Millionen Euro bereits in diesem Jahr für Planungs- und Ausbaukosten für den Ganztag verwenden. Möglich sind aber auch Investitionen in Hygienemaßnahmen oder die Ausstattung mit Spiel- und Sportgeräten.

Das Vorhaben soll die Schaffung von zusätzlichen Ganztagsplätzen beschleunigen. Denn schon heute ist die Nachfrage vielfach höher als das Angebot. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek: "Wichtig ist mir, dass es nicht nur um eine größere Zahl an Plätzen geht, sondern auch um ein qualitativ attraktives Angebot und individuelle Förderung im Ganztag."

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