Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab 2026

Grafik zum Ganztagsausbau an Grundschulen (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

Es braucht mehr gute Betreuungsmöglichkeiten für Grundschulkinder - auch über den Mittag hinaus.

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Foto: Bundesregierung

Was hat die Bundesregierung konkret in Sachen Ganztagsbetreuung vor?

Die Bundesregierung hat einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter ab 2026 auf den Weg gebracht. Damit setzt sie ein wichtiges Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag um. Dem entsprechenden Gesetzentwurf hat der Bundestag heute zugestimmt. Nun muss der Bundesrat noch abschließend grünes Licht geben. Der Rechtsanspruch soll zum 1. August 2026 in Kraft treten. 

Er gilt zunächst für Grundschulkinder der ersten Klassenstufe und wird in den Folgejahren um je eine Klassenstufe ausgeweitet. Damit hat ab dem 1. August 2029 jedes Grundschulkind der Klassenstufen eins bis vier einen Anspruch auf ganztägige Betreuung. Dieser umfasst eine Förderung von acht Stunden täglich an fünf Tagen in der Woche. Die Unterrichtszeit wird auf diesen Anspruch angerechnet. Eine Pflicht, das Angebot wahrzunehmen, gibt es selbstverständlich nicht.

Wie wird der Ausbau der Ganztagsbetreuung finanziert?

Insgesamt stellt der Bund den Ländern für den Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen bis zu 3,5 Milliarden Euro bereit. Ursprünglich hatte der Bund vorgesehen, für den Ausbau verlässlicher und bedarfsgerechter Bildungs- und Betreuungsangebote den Ländern zunächst zwei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Bei der Erarbeitung des Konjunkturpaktes zur Bewältigung der Corona-Pandemie entschied der Bund kurzfristig, seine Mittel nochmals um 1,5 Milliarden Euro aufzustocken. 

Darüber hinaus beteiligt sich der Bund auch an den zusätzlichen Kosten der Länder für den laufenden Betrieb. Dies geschieht durch eine Änderung der Umsatzsteuerverteilung zugunsten der Länder.

Wie hoch ist der Bedarf an Ganztagsbetreuung in Deutschland?

Etwa die Hälfte aller Grundschulkinder nutzt bereits ein Ganztagsangebot. Das Bundesfamilienministerium geht aber von einem deutlich höheren Bedarf von schätzungsweise 75 bis 80 Prozent aus. Diese Bedarfslücke soll nun geschlossen werden. Gerade während der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, wie wichtig Betreuungsangebote auch am Nachmittag sind. Die Bundesregierung will mit dem Bekenntnis zur Ganztagsbetreuung ermöglichen, dass Eltern Beruf und Familie erfolgreich vereinbaren können.

Warum ist die Ganztagsbetreuung wichtig?

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung in der Grundschule ist der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen. Die Betreuung außerhalb der Schulzeit ermöglicht nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Von einem verlässlichen ganztägigen Betreuungssystem profitieren auch die Grundschulkinder: Sie werden in ihrer sozialen, emotionalen und körperlichen Entwicklung unterstützt. Schülerinnen und Schüler können über die Unterrichtszeit hinaus individuell gefördert werden. Das trägt auch zu mehr Teilhabechancen für Kinder aus sozial schwachen Familien bei.

Warum engagiert sich der Bund auf dem Gebiet der Kinderbetreuung so intensiv?

Seit vielen Jahren ist der Bundesregierung eine gut funktionierende Kindertagesbetreuung ein wichtiges Anliegen. Gerade die Corona-Pandemie macht deutlich, wie wichtig die Investitionen in eine verlässliche Kindertagesbetreuung sind.

2007 hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, das Kita-Platzangebot für unter Dreijährige auszubauen und für diese Altersgruppe einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab 2013 einzuführen. Seitdem gab es bereits mehrere Investitionsprogramme unter dem Namen „Kinderbetreuungsfinanzierung“. Der Bund investierte von 2008 bis 2020 rund 4,4 Milliarden Euro in den Ausbau von Kita-Plätzen. Damit wurden mehr als 780.000 neue Kita-Plätze geschaffen und gesichert. Der Ausbau ist noch nicht abgeschlossen.

Der Übergang von der Kindertagesbetreuung zur Grundschule stellt aber viele Familien vor Herausforderungen. Denn der Bedarf an Ganztagsangeboten für Kinder im Grundschulalter ist noch nicht gedeckt. Bisher erlischt mit dem Schuleintritt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, obwohl der Unterricht oft bereits mittags endet. Aus diesem Grund braucht es mehr gute Betreuungsmöglichkeiten für Grundschulkinder – auch über den Mittag hinaus.