Gesünder, nachhaltiger und kreativer essen

Digitalisierung und Ernährung Gesünder, nachhaltiger und kreativer essen

Die Digitalisierung beeinflusst alle Lebensbereiche - auch die Ernährung. 3D-Drucker, Blockchain oder hilfreiche Apps können helfen, sich gesund und vielseitig zu ernähren. Auch den täglichen Einkauf können praxisnahe Anwendungen vereinfachen.

Torten aus dem 3D-Drucker.

Nicht nur schön anzusehen: Von einem 3D-Drucker produzierte Torten.

Foto: Chris Farina/Corbis via Getty Images

Kreative Vielfalt aus dem 3D-Drucker

Schokoladen- und Tortengourmets haben sie bereits entdeckt: die kreative Vielfalt, die der 3D-Druck von Schokolade, Mandelcreme, Mascarpone oder Mousse ermöglicht. Konditorinnen und Konditoren schaffen Kunstwerke mit ausgefallenen Formen oder ganz persönlichen Tortenfiguren.

Doch die neue Technologie birgt ebenso Möglichkeiten für eine gesündere und sogar umweltentlastende Ernährung. Ein Beispiel: der 3D-Druck von Steaks aus pflanzlichen Zutaten oder Rinder-Zellen. Auch wenn die Idee für viele noch ungewöhnlich ist: Eine Umfrage der BITKOM zeigt: Jeder Achte in Deutschland könnte sich vorstellen, künftig Fleisch aus dem 3D-Drucker zu essen.

Gesunde Ernährung wird erleichtert

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat den 3D-Lebensmitteldruck in zwei Pflegheimen getestet. Ziel war es, älteren Menschen, die Probleme mit dem Kauen und Schlucken haben, eine ansprechende Mahlzeit anbieten zu können. Menüs, beispielsweise aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch bestehend, wurden einzeln passiert und per 3D-Druck wieder in die natürliche Form gebracht. Mit Erfolg: Die Seniorinnen und Senioren aßen mit mehr Appetit, nahmen an Gewicht zu – ihre Vitalität und Lebensfreude stieg.

Die durchgeführten Studien sind Teil des "enable"-Kompetenzclusters der Ernährungsforschung, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Blockchain sichert Regionalität der Lebensmittel

Immer mehr Menschen achten darauf, saisonale Waren aus ihrer Umgebung zu kaufen. Mittels der Blockchain-Technologie können Verbraucherinnen und Verbraucher künftig verlässliche Angaben zu Herkunft und Produktion bekommen. Mit dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) geförderten digitalen Experimentierfeld   EXPRESS werden Blockchain-Anwendungen vor Ort erprobt.

Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um eine digitale Datenbank, deren Inhalte so miteinander verknüpft sind, dass sie unveränderbar und jederzeit nachvollziehbar sind. Sie ermöglicht daher direkte Transaktionen zwischen Partnern, ohne dass es weiterer Intermediäre bedarf. Auch für die Zertifizierung von Lebensmitteln eröffnet die Blockchain-Technologie neue Potenziale. Ob Region, Erzeuger, Inhaltsstoffe oder die Menge eingesetzter Düngemittel: Praktisch alle relevanten Informationen können durch die Blockchain zuverlässig erfasst werden.

Digitaltechnik verringert Lebensmittelabfälle

Zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Vieles davon ist noch genießbar. Unterschiedliche Technologien sollen künftig auf einfache Art ermöglichen, dass Verbraucher sowie Supermarktbetreiber testen können, ob ein Lebensmittel auch über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus noch verzehrbar ist – so dass Abfälle vermieden werden können.

Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts haben etwa einen mobilen Food-Scanner entwickelt. Das Gerät im Hosentaschenformat ermittelt per Infrarotmessung den Reifegrad und die Haltbarkeit von Gemüse, Obst und anderem. Das Ergebnis wird mithilfe einer App angezeigt.

Intelligente Verpackung mit Sensoren

Im BMEL-geförderten Verbundvorhaben FRESH entwickelt das Fraunhofer Institut gemeinsam mit Industriepartnern eine intelligente Verpackung. Hier wird die mikrobiologische Qualität der Lebensmittel durch in der Verpackung integrierte Sensoren angezeigt. Verderben Fleisch- oder Fischprodukte wird dies durch Farbreaktionen der Verpackung angezeigt.

Die vom BMBF geförderte App "Fresh-Index", soll Verbrauchern ebenfalls ermöglichen, Lebensmittel auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) zu konsumieren. Dafür haben sie ein dynamisches Haltbarkeitsdatum entwickelt: Mittels einer App können Verbraucher jederzeit sehen, wie frisch ihre Lebensmittel wirklich sind.

Digitale Einkaufshilfen

Viele Verbraucher tätigen ihre Einkäufe sehr bewusst. Wie umweltfreundlich ist ein Produkt? Ist das Lebensmittel vegan oder vegetarisch, gluten- oder laktosefrei? Befinden sich Nanopartikel oder Palmöl in der Kosmetik?

Hier helfen Apps weiter, die den Barcode oder QR-Code scannen und anschließend vielfältige Produktinformationen geben – vor allem zu den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln und Kosmetika. Zugleich bewerten einige Apps den Einfluss des entsprechenden Produkts auf die Gesundheit und die Umwelt. Eine Auswahl von Apps, die Verbraucher vom Einkauf bis zur Ernährungsberatung unterstützen, gibt InForm – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und Bewegung.

Zukünftig werden auch Lebensmittelscanner – kleine Geräte, die praktisch in jeder Tasche Platz finden - ebenfalls Auskunft über Inhaltsstoffe geben können. Sie können vor allem für Menschen mit Mangelerscheinungen eine Hilfe sein. Wer zum Beispiel an Eisenmangel leidet, kann so schnell Lebensmittel mit hohem Eisengehalt ausfindig machen.

Resteverwertung per App

Trotz bester Planung können Lebensmittelreste entstehen. Auch hier können Apps helfen: Die App "Beste Reste", die Teil der Kampagne "Zu gut für die Tonne!" ist, bietet mehr als 700 schmackhafte Kochrezepte, die mit Lebensmittelresten gekocht werden können. Auf der Suchseite der App lassen sich bis zu drei Zutaten miteinander kombinieren. Die App schränkt die Auswahl automatisch auf mögliche Kombinationen ein und wirft passende Kochrezepte aus.

Ein weiteres Beispiel ist die App "Too Good To Go": Sie vernetzt Restaurants, Bäckereien und Supermärkte mit Verbrauchern, die übriggebliebene Lebensmittel vor der Mülltonne retten wollen. Die Gerichte oder Produkte werden zu einem wesentlich geringeren Preis verkauft. Auf diese Weise bekommen App-Nutzerinnen und -Nutzer leckeres Essen und gleichzeitig leisten sie einen Beitrag gegen Verschwendung.