Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität
Deutschland und Frankreich setzen mit einem gemeinsamen Gipfel ein Zeichen für mehr digitale Unabhängigkeit. Investitionen in Schlüsseltechnologien und die Stärkung europäischer Lösungen sind der Schlüssel, um im digitalen Raum weniger auf Dritte angewiesen zu sein.
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Deutschland und Frankreich wollen die digitale Souveränität in Europa gemeinsam voranbringen.
Foto: Bundesregierung/Jesco Denzel
Die zwei größten Volkswirtschaften der Europäischen Union gehen bei einem zentralen Thema gemeinsam voran: Auf Einladung des deutschen und des französischen Digitalministeriums hat am 18. November der Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität in Berlin stattgefunden. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in seiner Rede die Bedeutung des Themas für die Zukunft Europas.
Der Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität wurde beim Deutsch-Französischen Ministerrat am 29. August 2025 angekündigt. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron nehmen teil, ebenso EU-Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen sowie Bundesdigitalminister Karsten Wildberger mit Amtskolleginnen und -kollegen aus 23 EU-Mitgliedstaaten. Begleitend finden auf Initiative von Wirtschaft und Zivilgesellschaft verschiedene Side-Events statt. Erwartet werden über 1.000 hochrangige Gäste.
Gerade angesichts der geopolitischen Entwicklungen wollen Deutschland und Frankreich ein starkes Signal aussenden – für mehr Eigenständigkeit im digitalen Raum, zum Beispiel bei Rechnerinfrastruktur, KI und Quantentechnologie. „Wir wollen mit dem heutigen Gipfel gemeinsam verdeutlichen, dass die digitale Souveränität Europas für Europa und für unsere gemeinsamen Werte zentral ist, aber auch für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, für unsere Sicherheit und für unsere Verteidigung”, so Bundeskanzler Merz in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Macron.
Kompetenzen in Europa fördern
Der Gipfel dient dazu, die Vielzahl an fähigen europäischen Firmen, die Dienstleistungen für den heimischen Markt anbieten können, sichtbar zu machen und zu fördern. Viele private Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien sowie die Innovationen deutscher, französischer und europäischer Digitalfirmen sind ermutigend: Bundeskanzler Merz dankte den Unternehmen, die im Rahmen des Gipfels Investitionen von über 12 Milliarden Euro für den digitalen Standort Europa zugesagt haben.
Der Gipfel ist der Startschuss für weitere konkrete Schritte, um die Kräfte in Europa zu bündeln und Abhängigkeiten abzubauen. „Wir Europäer können und wollen bei Schlüsseltechnologien zu den Spitzenreitern gehören. Wir haben starke Unternehmen, das Können, die Kompetenzen und die kreativen Köpfe. Deutschland und Frankreich wollen Motor für mehr europäische digitale Souveränität sein“, sagte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger.
Was bedeutet digitale Souveränität?
Digitale Souveränität bedeutet für die Bundesregierung, bürokratische Hürden abzubauen und praxisnahe Regeln zu schaffen, um digitale Innovationen in Deutschland und Europa zu fördern. Dabei geht es nicht um digitale Autarkie, sondern um gezielte Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit. Ziel ist es, heimische Anbieter zu stärken, damit sie international auf Augenhöhe agieren können. Gemeinsam mit europäischen Partnern bekämpft die Bundesregierung Wettbewerbsverzerrungen und baut das Technologie-Ökosystem in Europa aus.
Öffentliche Aufträge für europäische Anbieter
Die Bundesregierung will die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit in Europa stärken. Der Kanzler kündigte an, dass die Bundesverwaltung verstärkt auf digitale Produkte und Dienstleistungen aus Europa setzen wird. Der Staat solle zum „Ankerkunden” werden. „Wir müssen als Staat vorangehen, resilient sein und wir müssen insbesondere für Krisenzeiten vorbereitet sein”, so Merz. Wichtig sei, dass auch Wirtschaft und Gesellschaft ihre digitale Resilienz ausbauen.
Außerdem setzt sich die Bundesregierung zusammen mit Frankreich nachdrücklich dafür ein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Europa so zu verbessern, dass sie mehr Freiraum für Innovationen schaffen. „Unnötige Regulierung in der digitalen Gesetzgebung in der EU darf europäische Innovationskraft nicht hemmen”, sagte Bundeskanzler Merz.