Digital-Gipfel 2017

Digitale Chancen in der Medizin nutzen

Digitalisierung hilft Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern, noch enger zusammenarbeiten, um Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln. Auf dem Digital-Gipfel sprach sich Bundeskanzlerin Merkel dafür aus, Daten für Innovationen im Gesundheitsbereich zu nutzen, aber den Datenschutz zu beachten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Nationalen Digitalgipfel an einem Stand zu "Digitalen Assistenzen für Ärzte".

Kanzlerin Merkel informierte sich beim Digitalgipfel auch über die Entwicklung "Digitaler Assistenzen für Ärzte".

Foto: Bundesregierung/Steins

Digitale Lösungen für die Gesundheitsversorgung bieten sehr viel mehr Chancen als Risiken. Davon zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Digital-Gipfel überzeugt. Natürlich stelle sich "eine Vielzahl ethischer Fragen". Vor allem treibe viele Menschen die Frage um: "Wie gehen wir mit den großen Datenmengen um, die wir zur Verfügung haben?".

Der Digital-Gipfel ist das Nachfolgeformat des Nationalen IT-Gipfels der Bundesregierung, der seit 2006 jährlich stattfindet. Bereits am Montag hatten Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in Ludwigshafen konkrete Projekte zur Digitalisierung des Gesundheitswesens vorgestellt.

Gesundheitsdaten verantwortungsvoll nutzen

Merkel rief deutsche Unternehmen dazu auf, die verfügbaren großen Datenmengen (Big Data) für die Entwicklung neuer, innovativer Produkte zu nutzen. Hier müsse insbesondere der Mittelstand schnell handeln. "Sonst wird von der Seite der Plattformanbieter die Wertschöpfungskette angeknabbert. Und das könnte dann bei der Frage, wer denn wen in das neue Zeitalter führt, Entwicklungen mit sich bringen, die für Deutschland nicht von Nutzen sein würden."

Bei der Entwicklung von sogenannten Big-Data-Anwendungen müsse stets der Datenschutz beachtet werden, mahnte Merkel. Wenn die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung im Frühjahr 2018 in Kraft trete, sei eine "Informationsoffensive" vonnöten, "um zu zeigen, welcher neue Rechtsrahmen in Zukunft gelten wird".

"Der intelligente Operationssaal" – ein Beispiel für digitale Unterstützung von Ärzten

Immer häufiger werden Computer eingesetzt, wenn Ärzte Kranke therapieren – sowohl vor als auch während einer Behandlung. Forscher der Universität Leipzig entwickeln Informationssysteme, die die Vielzahl der Daten zu einem Patienten und seinem Krankheitsbild zusammenführen. Das hilft dem behandelnden Arzt, sich für die beste Therapie und Operationsart zu entscheiden.

Intelligente Software kann auch bei Operationen helfen. Vergleichbar einer Landkarte kann sie zeigen, an welcher Stelle im Operationsprozess sich der Operateur befindet, und den nächsten Schritt vorausberechnen. Ziel ist es, den Chirurgen von allen Nebentätigkeiten zu befreien, damit er sich voll auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren kann. Das hilft, Fehler und Komplikationen zu vermeiden. Kamera und eine spezielle Software machen es möglich.

Lesen Sie hier mehr über den intelligenten Operationsaal oder sehen Sie sich dieses Video auf Facebook an.

Bessere Therapien durch Datenaustausch

Merkel verwies auf die 70 Millionen gesetzlich Versicherten, mehr als 200.000 Ärzte, 20.000 Apotheken und 2.000 Krankenhäuser in Deutschland. "Diese können mithilfe der Digitalisierung noch sehr viel besser kooperieren, sehr viel besser bestimmte Daten auswerten und damit präziser Erkrankungen diagnostizieren und Therapien entwickeln."

Bei dieser engeren Zusammenarbeit helfe auch das E-Health-Gesetz, das den Datenaustausch im Gesundheitssystem erleichtert.

Bei digitaler Verwaltung aufholen

Merkel räumte ein, dass es noch einen erheblichen Nachholbedarf in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung gebe: "Hier ist Deutschland nicht an der Spitze." Eine Reise nach Estland, Finnland oder Dänemark zeige, dass andere Länder sehr viel weiter seien bei der digitalen Verwaltung.

Eine wichtige Weichenstellung sei aber dadurch erreicht worden, dass jeder Bürger künftig über ein einheitliches Portal Zugang zur öffentlichen Verwaltung hat. Darauf hatten sich Bund und Länder bei der Neuordnung ihrer Finanzbeziehungen geeinigt. Das werde auch dem "Grundsatz der Datensparsamkeit gerecht, weil der Bürger nicht für jede seiner Anwendungen alle seine Daten wieder neu angeben muss", betonte Merkel.

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