Jahrestag des Anschlags vom Breitscheidplatz

Deutschland gedenkt der Opfer

"Heute ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag des Willens, das, was nicht gut gelaufen ist, besser zu machen." Das sagte die Kanzlerin bei den Gedenkfeiern am Jahrestag des Terroranschlags vom Breitscheidplatz am Dienstag in Berlin. Tags zuvor hatte Merkel Betroffene des Anschlags zu einem Gespräch empfangen.

Menschen besuchen die Einweihung des Denkmales am Breitscheidplatz in Berlin.

Der goldfarbene Riss im Asphalt als Gedenkzeichen auf dem Breitscheidplatz erinnert an die Anschlagsopfer.

Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

"Wir alle haben heute gemeinsam mit den Angehörigen getrauert und mit den Angehörigen und den Verletzten diese Gedenkstätte eingeweiht", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Anschluss an die Gedenkfeier. Sie ging auch auf die Begegnung mit Betroffenen des Anschlages am Montag im Kanzleramt ein. Die Gespräche seien "sehr offen und sehr schonungslos" gewesen und hätten ihr gezeigt, welche Schwäche der Staat in dieser Situation gezeigt habe, so Merkel.

Alles Menschenmögliche für Sicherheit tun

"Und für mich, und das sage ich für die ganze Bundesregierung, heißt es, daran zu arbeiten, dass wir die Dinge, die nicht gut gelaufen sind, besser machen. Dass wir alles Menschenmögliche tun, nicht nur die Sicherheit zu gewährleisten, sondern den Menschen, deren Leben zerstört oder deren Leben getroffen wurde, auch die Möglichkeit zu geben, möglichst gut wieder in das Leben hineinzukommen", bekräftigte die Kanzlerin.

Am ersten Jahrestag des Terroranschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz, bei dem am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen ums Leben gekommen waren, haben die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Senat und das Abgeordnetenhaus von Berlin sowie die Bundesregierung eine gemeinsame Gedenkveranstaltung in Berlin organisiert.

Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft nahmen vonseiten der Bundesregierung auch Bundeskanzlerin Merkel, Außenminister Sigmar Gabriel, Innenminister Thomas de Maizière, Justizminister Heiko Maas sowie Familienministerin Katarina Barley an dem Gedenken teil. Dazu waren Hinterbliebene der zwölf Todesopfer sowie Menschen, die bei dem Anschlag verletzt wurden, mit Angehörigen zugegen. Dies galt auch für Polizisten und Sanitäter, die unmittelbar nach dem Anschlag geholfen hatten.

Der islamistische Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt des Berliner Breitscheidplatzes am 19. Dezember 2016 hatte zwölf Menschen das Leben gekostet. Mehr als 70 Menschen wurden teils schwer verletzt. Die islamistisch motivierte Tat hatte auf der ganzen Welt Entsetzen hervorgerufen. Der Attentäter Anis Amri wurde vier Tage später auf der Flucht bei einer Routinekontrolle nahe Mailand von italienischen Polizisten erschossen.

Gedenkzeichen für die Terroropfer

Zunächst hatte die Kanzlerin an der Fertigstellung eines Gedenkzeichens für die Opfer des Terroranschlags teilgenommen. Das Gedenkzeichen auf dem Breitscheidplatz ist auch ein Erinnerungsort für die Opfer des Terroranschlags. Es zeigt einen goldenen Riss, der von der Grundplatte der Gedächtniskirche über die Stufen hinunter auf den eigentlichen Platz, das viel benutzte Trottoir, führt. In die Stufen entlang des Risses sind die Namen der Opfer eingelassen.

Im Anschluss wohnte Merkel einer interreligiösen Andacht bei. Diese wurde auf Einladung des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, und des katholischen Erzbischofs von Berlin, Heiner Koch, in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche abgehalten.

"Wir lassen Sie mit alldem nicht allein"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte während der Andacht in der Gedächtniskirche eine Ansprache gehalten. Auch er erinnerte an die Opfer des Anschlages: "Wir trauern um zwölf Menschen aus Deutschland, aus Polen, Tschechien und der Ukraine, aus Israel und Italien, um Frauen und Männer, die in Berlin lebten, ihrer Arbeit nachgingen oder hier zu Besuch waren".

An die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden des Anschlages gewandt bekräftigte das Staatsoberhaupt: "Ich will Ihnen versichern: Wir lassen Sie mit alldem nicht allein." Mit Blick auf die Aufarbeitung des Terroranschlags forderte Steinmeier: "Wir müssen zuerst aussprechen und anerkennen, wo vermeidbare Fehler geschehen sind."

Kanzlerin traf Angehörige

Am Montag (18. Dezember) hatte Bundeskanzlerin Merkel Angehörige der Opfer sowie Überlebende des Terroranschlags zu einer Begegnung im Bundeskanzleramt empfangen. Nach dem Vorliegen des Berichtes des Opferbeauftragten der Bundesregierung, Kurt Beck, wolle die Kanzlerin mit den Betroffenen sprechen, wie "der Staat in diesem Jahr geholfen habe oder auch nicht helfen konnte." Das hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag vor dem Gespräch in der Regierungspressekonferenz geäußert.

Bereits vergangene Woche Dienstag (12. Dezember) hatte Kanzlerin Merkel den Breitscheidplatz besucht, um mit Schaustellern und Besuchern des Weihnachtsmarktes ins Gespräch zu kommen. Sie nutzte die Gelegenheit auch dazu, um sich mit den Polizisten auszutauschen, die für die Absicherung des Breitscheidplatzes zuständig sind.

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