Eine Promotion lohnt sich

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs Eine Promotion lohnt sich

Wer eine Doktorarbeit geschrieben hat, ist so gut wie nie arbeitslos - auch wenn die meisten Nachwuchswissenschaftler nur befristet beschäftigt sind. Und es fließt mehr Geld in die Forschung. Dies sind einige Ergebnisse des Bundesberichts Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021.

Eine junge Wissenschaftlerin im Labor

Eine junge Wissenschaftlerin im Labor: Wer promoviert, hat gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Foto: imago images/Westend61

Der wissenschaftliche Nachwuchs ist wichtig für das ganze Land. Er forscht, bringt Innovationen hervor und verbreitert das Wissen. Eine Promotion soll zwar grundsätzlich auf eine Tätigkeit in der Wissenschaft vorbereiten - in der Mehrheit der Fälle ist sie aber Ausgangspunkt für spätere Tätigkeiten in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst. Das geht aus dem Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs hervor, den die Bundesregierung heute im Kabinett beraten hat.

Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) wird von einem unabhängigen wissenschaftlichen Konsortium erstellt und ist das Standardwerk zur Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland. Einmal pro Legislaturperiode liefert er Daten und aktuelle Forschungsbefunde zu Qualifikations- und Karrierewegen, zu Beschäftigungsbedingungen und Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses. Der Bericht 2021 ist der vierte Bericht in dieser Reihe nach 2008, 2013 und 2017.

Schwerpunkt: Karriereverläufe von  Promovierten

Die Berichte haben jeweils ein Schwerpunktthema. In diesem Jahr sind das die Karriereverläufe Promovierter. Der Bericht analysiert also die berufliche Situation in den Jahren nach der Dokotrarbeit. Die Ergebnisse sind erfreulich. Die Arbeitslosigkeit von Promovierten liegt in den ersten zehn Jahren nach der Promotion konstant bei nur ein bis zwei Prozent. Wer promoviert, kommt also auf dem Arbeitsmarkt an, sei es in der Wissenschaft selbst oder außerhalb. Zugleich zeigt sich: Promovierte haben häufiger als andere Akademiker höhere Einkommen oder nehmen Führungspositionen ein.

Corona-Pandemie belastet Qualifizierungsphasen

Die Corona-19-Pandemie beeinträchtigt den wissenschaftlichen Nachwuchs in besonderer Weise, weil Qualifizierungsphasen zeitlich begrenzt sind. Die Bundesregierung hat dies im Blick und deshalb zum Beispiel das Wissenschaftszeitvertragsgesetz und die Rahmenbedingungen der Projektförderung des Bundes angepasst.

Um die Liquidität der geförderten Projekte sicherzustellen und zeitlichen Verzögerungen vorzubeugen, wurden Laufzeiten und Fristen verlängert. Mittel können schon im Voraus abgerufen werden, Kosten in kürzeren Abständen abgerechnet werden. Darüber hinaus wurden Laufzeiten von Stipendien zum Teil verlängert.

Mehr Ausgaben für Forschung und Entwicklung

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind in Deutschland gestiegen. Staat und Wirtschaft haben im Jahr 2018 zusammen 104,7 Milliarden Euro für diesen Bereich ausgegeben. Zwischen 2005 und 2018 ist dieser Anteil angestiegen – wie bei den anderen OECD-Staaten auch. 2018 beträgt der Anteil am Bruttoinlandsprodukt 3,1 Prozent. Damit liegt Deutschland über dem Durchschnitt der OECD-Länder.

Nach wie vor zu viele befristete Verträge

Nicht ganz so gut sieht es bei den Beschäftigungsverhältnissen der Nachwuchswissenschaftler aus. Im Jahr 2018 waren an Hochschulen 92 Prozent des promovierten wissenschaftlichen Nachwuchses (bis 45 Jahre) nur befristet beschäftigt, in allen Altersgruppen lag der Anteil der befristet Beschäftigten bei 76 Prozent. Gegenüber 2015 ist dies zwar ein leichter Rückgang, dennoch ist die Quote deutlich zu hoch. Denn ein befristetes Beschäftigungsverhältnis bedeutet für die überwiegend jungen Wissenschaftler unsichere Zukunftsperspektiven, die zum Beispiel eine Familienplanung erschweren.

Die Bundesregierung investiert erhebliche Mittel in Bund-Länder-Programme, die auch mit der Erwartung verbunden sind, dass die Wissenschaftseinrichtungen deutlich mehr unbefristete Beschäftigungsverhältnisse schaffen. Dies sind insbesondere der „Zukunftsvertrag Studium und Lehre“, die „Exzellenzstrategie“ und der vierte „Pakt für Forschung und Innovation“. Für mehr Planbarkeit einer wissenschaftlichen Karriere sorgt zudem das „Tenure-Track-Programm“. Der Bericht zeigt, dass dieser attraktive Karriereweg allmählich etabliert wird.

Weitere Ergebnisse des Berichts

  • Die Anzahl der Nachwuchswissenschaftlerinnen und wissenschaftler ist seit 2005 deutlich gestiegen: Bei den unter 35-Jährigen um 78 Prozent, bei den 35 bis 45-Jährigen um 43 Prozent (Professorinnen und Professoren jeweils ausgenommen).
  • Der Frauenanteil nimmt über alle Fächer hinweg ab, je höher die wissenschaftlichen Positionen sind. Somit werden Potenziale weiterhin nicht ausgeschöpft, beginnend bereits in der Promotionsphase. Stellen Frauen noch 47 Prozent aller Promovierenden, so sinkt ihr Anteil bis zu den Berufungen zu einer Professur auf 34 Prozent (W2-Professur), beziehungsweise 27 Prozent (W3-Professur).
  • Vereinbarkeit Familie und akademischer Karriere: Vergleichsweise häufig hat der wissenschaftliche Nachwuchs – trotz vorhandener Kinderwünsche – keine Kinder. Zum Teil liegt das daran, dass aufgrund geringer Planungs- und finanzieller Sicherheit eine Familiengründung aufgeschoben wird. Männer hatten etwas häufiger Kinder als Frauen.
  • Promovierende finanzieren ihren Lebensunterhalt mehrheitlich (57 Prozent) über die Beschäftigung an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung. Der Bund finanziert knapp ein Drittel der Promovierenden anteilig oder vollständig. 
  • Eine Promotion dauert im Schnitt 4,7 Jahre. Bei Abschluss sind die Promovierenden im Schnitt 31 Jahre alt.
  • Wo arbeiten Promovierte zehn Jahre nach der Promotion? 22 Prozent arbeiten im Wissenschaftsbetrieb, 45 Prozent in der Wirtschaft, 30 Prozent in Krankenhäusern und Arztpraxen, 4 Prozent im sonstigen öffentlichen Dienst.

Die Stellungnahme der Bundesregierung zum Vierten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs wird nun an den Deutschen Bundestag übermittelt und dort beraten.