Bedürfnisse junger Menschen ernst nehmen

Internationaler Tag der Jugend Bedürfnisse junger Menschen ernst nehmen

In der Corona-Pandemie mussten und müssen junge Menschen auf vieles in ihrem Alltag verzichten. „Eine schwere Zeit“, betont Bundesjugendministerin Lambrecht anlässlich des Internationalen Tags der Jugend. Die Bundesregierung setzt sich mit vielfältigen Maßnahmen für die Beteiligung und Bildung der Jugend ein – hier ein Überblick.

Drei Mädchen posieren mit Visctory-Zeichen

Der 12. August ist der Internationale Tag der Jugend. Er wurde 1999 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen.

Foto: Getty Images/golero

In Deutschland leben rund 8,4 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, das entspricht einem Anteil von 10,1 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Sie möchten ihre Wünsche und Interessen noch stärker einbringen – also aktiv bei Entscheidungsprozessen mitwirken und Politik mitgestalten. „Junge Menschen haben es verdient, dass wir ihre Interessen und Bedürfnisse genauso ernst nehmen wie die von anderen Generationen. Und dass wir schätzen, was sie zum guten Zusammenleben beitragen“, erklärte Bundesjugendministerin Christine Lambrecht zum Internationalen Tag der Jugend.

In der Corona-Pandemie hätten Jugendliche auf vieles in ihrem Alltag verzichten müssen, vom geregelten Schulbesuch über Vorlesungen in der Hochschule, vom Sportverein bis zum Diskobesuch, so Lambrecht. „Das war eine schwere Zeit. Aber sie waren solidarisch mit anderen und haben Verantwortungsbewusstsein gezeigt, um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen.“

Mit dem  Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ unterstützt der Bund Kinder und Jugendliche in der derzeitigen coronabedingten Situation. Zwei Milliarden Euro stehen zur Verfügung. Ziel des Programms ist insbesondere, Lernlücken zu schließen, die frühkindliche Bildung zu stärken sowie Ferienfreizeiten und außerschulische Angebote zu fördern.

Weitere ausgewählte Maßnahmen und Programme für Jugendliche im Überblick:

Beteiligung von Jugendlichen

  • Jugendstrategie der Bundesregierung: Junge Menschen wollen bei Entscheidungen mitwirken und Politik mitgestalten. Deshalb hat die Bundesregierung gemeinsam mit ihnen eine Jugendstrategie entwickelt. Mit ihr will die Bundesregierung die Interessen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiter stärken. Vor allem aber sollen junge Menschen selbst zu Wort kommen und beteiligt werden.
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    Video Die Jugendstrategie der Bundesregierung

  • JugendPolitikTage: Die JugendPolitikTage bieten Jugendlichen und den Ressorts der Bundesregierung ein Forum zum Austausch. Hier können junge Menschen ihre Ideen und Impulse für eine jugendgerechte Zukunft mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundesregierung und der organisierten Zivilgesellschaft diskutieren und Lösungsstrategien entwickeln. Die JugendPolitikTage finden alle zwei Jahre statt und werden in Kooperation mit der Jugendpresse Deutschland organisiert.
  • Jugendparlamente: Jugendliche wollen sich bei allen Themen einbringen, die sie betreffen: vom Skatepark und Jugendclub über den öffentlichen Nahverkehr und die Stadtplanung bis hin zur Frage, wie wir in unserer Gesellschaft zusammenleben. Beteiligungsmöglichkeiten wie Kinder- und Jugendparlamente sind daher sehr wertvoll. Bundesweit engagieren sich junge Menschen in mehr als 500 Kinder- und Jugendparlamenten und knapp 300 Jugendforen. Um ihre Arbeit weiter zu stärken und die Zahl der Kinder- und Jugendparlamente bis 2024 zu verdoppeln, wurde die "Akademie für Kinder- und Jugendparlamente" gestartet. Bis Ende 2024 wird sie mit vier Millionen Euro aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert.
  • Jugendgerechte Kommunikation Eine gelungene Kommunikation zwischen Jugend und Politik ist die Grundlage für ein konstruktives Miteinander und somit die Voraussetzung für eine lebendige Demokratie. Mit der neuen Jugendredaktion „jung genug“ werden neue digitale Formate für jugendgerechte Kommunikation und Information entwickelt. Die Inhalte sind beispielsweise auf einem Blog und auf dem Instagram-Kanal (@jung_genug) der Redaktion zu finden.

Der Jugend-Check zeigt, wie sich Gesetzesvorhaben auf junge Menschen im Alter von 12 bis 27 Jahren auswirken. Das Kompetenzzentrum Jugend-Check prüft deshalb Gesetzentwürfe der Bundesregierung, die durch die Bundesministerien erarbeitet werden. Nach der Prüfung veröffentliches dann den Jugend-Check. Er soll der Politik dabei helfen, die Auswirkungen von Gesetzen auf junge Menschen zu berücksichtigen, bevor über die Umsetzung entschieden wird.

Jugendaustausch und Bildung

  • Jugendaustausch: Gegenseitiges Verständnis junger Menschen aus dem Ausland und Deutschland verbessern und stärken: Dafür gibt es Austauschprogramme mit Partnern verschiedener Jugendwerke wie das Deutsch-Französische Jugendwerk. Zudem wurden die Gründung eines Deutsch-Griechischen sowie eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks beschlossen. Das EU-Programm Erasmus+ für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport dient der Förderung von europaweitem Austausch und Zusammenarbeit in allen Bildungsbereichen.
  • Jugendfreiwilligendienste: Viele junge Menschen sehen in einem Freiwilligendienst die Chance, sich nach der Schule beruflich zu orientieren. Sie können praktische Erfahrungen sammeln und Einblicke in Bereiche gewinnen, die sie sonst vielleicht nie kennengelernt hätten – und nebenbei Gutes tun. Zudem können Wartezeiten auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz sinnvoll überbrückt werden. Einen Jugendfreiwilligendienst kann man bis zum Alter von 27 Jahren machen. Am bekanntesten sind beispielsweise das Freiwillige Soziale Jahr und das Freiwillige Ökologische Jahr. Daneben gibt es außerdem auch die Möglichkeit eines Bundesfreiwilligendienstes.
  • Bundesprogramm „Jugend erinnert“: Die Bundesregierung hat das Bundesprogramm „Jugend erinnert“ 2018 auf den Weg gebracht. Das Programm soll junge Menschen zum Besuch von Gedenkstätten motivieren. Ziel ist es, vor allem im internationalen Austausch die Erinnerungsarbeit mit jungen Menschen zu stärken. Seit 2020 fördert das Auswärtige Amt 25 internationale Projekte mit insgesamt 1,65 Millionen Euro. Außerdem werden weitere 44 Projekte für den Bereich der Aufarbeitung des SED-Unrechts gefördert. Dafür werden bis Ende 2023 mehr als sieben Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
  • Programm „Jugend stärken im Quartier: Das Programm unterstützt junge Menschen vor Ort, denen eine Perspektive für die Zukunft fehlt und die durch andere Angebote nicht oder nicht erfolgreich erreicht werden. Das sind zum Beispiel Jugendliche, die die Schule oder Arbeitsmarktmaßnahmen abgebrochen haben oder junge Neuzugewanderte mit besonderem Unterstützungsbedarf. Das Programm hilft bei der (Re-)Integration in Schule, Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft. In der zweiten Förderrunde 2019 bis 2022 setzen 158 Modellkommunen Projekte um. Aktuell gibt es 30.177 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Der Bund beteiligt sich mit 87 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und vier Millionen Euro aus Bundesmitteln.

Um Jugendliche zu informieren, hat der Bund verschiedene Webseitenangebote wie beispielsweise vom Bundesumweltministerium „Planet A – Umwelt im Internet“ oder vom Bundesjustizministerium „RechtRelaxed“. Auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung gibt es verschiedene Angebote wie den Messangerdienst „Deine tägliche Dosis Politik“ oder das Jugendmagazin „fluter“.

Jugendrechte

  • Kinder- und Jugendmedienschutz: Um Kinder und Jugendliche besser vor Gefahren im Internet und Sozialen Medien zu schützen, hat der Bund das Kinder- und Jugendmedienschutzgesetz reformiert. Damit werden beispielsweise Anbieter künftig verpflichtet, Minderjährige vor Mobbing, sexueller Belästigung oder Kostenfallen zu bewahren.
  • Kinder- und Jugendstärkungsgesetz: Kinder und Jugendliche aus einem belastenden Lebensumfeld besser schützen und ihnen mehr Chancen auf Teilhabe geben: Das ist Ziel der Modernisierung des Kinder- und Jugendstärkungsgesetzes, welche die Bundesregierung beschlossen hat. Mit dem Gesetz werden die rechtlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe weiterentwickelt. Ziel ist ein wirksames Hilfesystem, das Kinder vor Gefährdungen schützt und Familien stärkt.

Der Internationale Tag der Jugend wurde 1999 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Am 12. August wird seitdem auf die Interessen junger Menschen und deren politische Beteiligung aufmerksam gemacht.

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