Holocaust-Mahnmal: Ort der Information

Fünf Millionen Besucher in der Ausstellung

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist einer der meist besuchten Orte in Berlin. Unter dem Stelenfeld informiert eine Ausstellung über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das NS-Terrorregime. Kulturstaatsministerin Grütters konnte jetzt die fünfmillionste Besucherin begrüßen. 

Raum der Dimensionen im Ort der Information des Denkmals für die ermordeten Juden Europas

Besucherandrang im Ort der Information: Jetzt konnte die fünfmillionste Besucherin begrüßt werden.

Foto: Marko Priske

Fünf Millionen Besucher im unterirdischen "Ort der Information" und unzählige mehr am Stelenfeld darüber: Das ist eine Erfolgsbilanz, die deutlich mache, dass das Denkmal im Leben der Berliner und der Hauptstadtbesucher seit nunmehr zehn Jahren einen festen Platz habe, freute sich Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Sie begrüßte heute die fünfmillionste Besucherin in der Ausstellung: eine 18-jährige Schülerin aus Wittenberg. Die große Andrang sei aber auch der lebendige Beweis für das uneingeschränkt große Bedürfnis der Besucherinnen und Besucher, sich mit der nationalsozialistischen Barbarei auseinanderzusetzen, fuhr Grütters fort.

Grütters: immerwährende Verantwortung Deutschlands

Kulturstaatsministerin Grütters begrüßt die fünfmillionste Besucherin am Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ehrengast: Eine Schülerin ist die fünfmillionste Besucherin im Ort der Information.

Foto: Marko Priske

"Die Opfer des NS-Regimes, derer wir hier gedenken, verpflichten uns, insbesondere der jungen Generation, den Nationalsozialismus mit seiner menschenverachtenden Ideologie ins Bewusstsein zu rufen und so ihr Verantwortungsgefühl für unsere heutigen demokratischen Werte zu stärken", betonte Grütters. Das Denkmal sei ein weithin sichtbares Bekenntnis der Bundesrepublik Deutschland zu ihrer immerwährenden Verantwortung für die Erinnerung an die unvorstellbaren Verbrechen des NS-Regimes.

Tatsächlich zieht zunächst das Stelenfeld mit seinen 2.711 Betonquadern nur ein paar Schritte vom Brandenburger Tor entfernt die Blicke auf sich. Diese abstrakte Form soll ganz bewusst zum Nachdenken anregen.

Unter dem Stelenfeld liegt der sogenannte Ort der Information. Dort dokumentiert eine Ausstellung die Verfolgung und Vernichtung der Juden Europas. Das Stelenfeld und der Ort der Information stehen dabei nicht in Konkurrenz zueinander. Sondern sie ergänzen sich und bilden zusammen das Denkmal.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ist die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands. Nach einem Beschluss des Deutschen Bundestags aus dem Jahr 1999 war das Denkmal zwischen 2003 und 2005 in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tors errichtet worden. Realisiert wurde der Entwurf des Architekten Peter Eisenman. Unterhalten wird es von einer gleichnamigen Stiftung. Sie wird in diesem Jahr mit knapp 3,3 Millionen Euro aus dem Haushalt des Kulturstaatsministerin finanziert.

Verfolgung und Ermordung der Juden Europas

Etwa sechs Millionen Juden sind im nationalsozialistisch beherrschten Europa ermordet worden. Die Zahlenspanne beruht auf Dokumenten der Täter und statistischen Erhebungen der damals zwanzig, heute achtundzwanzig europäischen Staaten, aus denen die Ermordeten stammten.

Das Thema wird in der Ausstellung aus historischer und persönlicher Sicht aufgearbeitet. Der Besucher erhält im unterirdischen Foyer zunächst einen Überblick der nationalsozialistischen Terrorpolitik von 1933 bis 1945. Die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden wird im zeitlichen Verlauf aufgezeigt, um die Inhalte der Themenräume einordnen zu können. Die riesige Zahl der Opfer, die Orte der Verfolgung und Vernichtung, aber auch die über den europäischen Kontinent verteilten Orte der Erinnerung werden in weiteren Räumen dargestellt.

Rekonstruktion von Familiengeschichte

Viele Hinweise auf die Ermordeten und ihre Lebenszusammenhänge gibt es heute nicht mehr. Die Nationalsozialisten und ihre Helfer entrissen Millionen Juden ihrer Heimat, Kultur und Lebenswelt. Nur wenig zeugt heute noch von der Existenz der Ermordeten. In vielen Fällen sind nicht einmal mehr ihre Namen bekannt. Viele persönliche Aufzeichnungen und Dokumente der geplanten Vernichtung sind zerstört worden oder im Krieg verloren gegangen.

In manchen Fällen konnten Historiker die Familiengeschichte jedoch rekonstruieren. Die Lebenswelt verfolgter Juden unter dem Terror der Nationalsozialisten wird im sogenannten Raum der Familien geschildert. Angesichts des zunehmenden Antisemitismus in den 1930er Jahren bot die Familie – neben der jüdischen Gemeinde – einen wichtigen Rückhalt für die Verfolgten. Die deutsche Besatzungsherrschaft in großen Teilen Europas riss jedoch fast alle familiären Verbindungen auseinander. Die wenigen Überlebenden des Massenmords hatten oft ihre gesamte Verwandtschaft verloren und waren ihrem kulturellen Erbe beraubt.

Schilderung von Einzelschicksalen

Der Besucher erfährt im Raum der Namen von Einzelschicksalen der Verfolgten. Dort werden einzelne Kurzbiografien der Ermordeten verlesen. Geschildert wird etwa die Geschichte von Olga Tzeitlovskaja, die 1904 im damaligen Russland geboren wurde. Sie lebte mit ihrem Mann und ihren Kindern in Charkow, als im Sommer 1941 die deutsche Wehrmacht einmarschierte. Im Dezember des Jahres zwangen die Besatzer alle Juden in ein Ghetto. Dort wurde sie Anfang 1942 von der SS erschossen.

Beitrag teilen