Nachhaltigkeitspolitik

Ziele für nachhaltige Entwicklung

Gesundheit und Wohlergehen

Alle Menschen wünschen sich Gesundheit ein Leben lang. Den Zugang zu guter medizinischer Versorgung, lebensrettenden Medikamenten, gesunder Ernährung, sauberem Wasser und guter Luft zu ermöglichen, ist Aufgabe der Politik. Dazu hat sich die Staatengemeinschaft in der Agenda 2030 verpflichtet.

Maria Espinosa, Pflegefachkraft aus Spanien

Pflegeeinrichtungen sollen mehr Personal bekommen. Das hat die Bundesregierung im Sommer 2018 beschlossen.

Foto: Burkhard Peter

Eine gute Gesundheitsversorgung ist in vielen Staaten immer noch nicht Standard. Täglich sterben immer noch rund 16.000 Kleinkinder, viele von ihnen beispielsweise an Infektionskrankheiten, die heute mit wenig Geld zuverlässig heilbar oder durch Prävention sogar ganz vermeidbar sind. Neu auftretende Seuchen wie Ebola, Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder Demenz bedrohen unser Leben.

Hinzu kommt: Weltweit leben etwa 39 Prozent der Weltbevölkerung ohne Krankenversicherung, in Entwicklungsländern sind es sogar mehr als 90 Prozent der Menschen. Die Verbesserung der Gesundheit durch eine Stärkung der Gesundheitssysteme, der medizinischen Forschung und der internationalen Zusammenarbeit ist daher ein wichtiges Ziel der Staatengemeinschaft. Die Staatengemeinschaft will ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.

Pflegeeinrichtungen sollen mehr Personal bekommen. Das hat die Bundesregierung im Sommer 2018 beschlossen.

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Mit der Verabschiedung der Agenda 2030 wurde 2015 erstmalig in New York ein globaler Handlungs- und Orientierungsrahmen für nachhaltige Entwicklung geschaffen.

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die Sustainable Development Goals (SDGs), richten sich an alle: die Regierungen weltweit, aber auch die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die Wissenschaft.

Foto: Bundesregierung

SDG 3 – Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern!

Gesundheit ist eines der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele, der SDGs. Und es steht im direkten Zusammenhang mit weiteren SDGs. Beispiel: Menschen, die hungern (SDG 2) oder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben (SDG 6), können nicht gesund leben.

Die wichtigsten Unterziele von SDG 3 reichen von der Gesundheitsversorgung für alle, der Beendigung der AIDS-, Tuberkulose- und Malariaepidemien, dem Kampf gegen Zivilisationskrankheiten, der Prävention und Behandlung von Drogenmissbrauch und des übermäßigen Alkoholgebrauchs, der Umsetzung der Tabakrahmenkonvention, dem Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen und der Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit, bis hin zur Bekämpfung von Tropenkrankheiten und Epidemien einschließlich der Stärkung der Kapazitäten zur Frühwarnung und zum Management von globalen Gesundheitsrisiken sowie der Verringerungen der Zahl der Erkrankungen durch Umweltbelastungen.

Wo liegen die Herausforderungen und Defizite in Deutschland?

Auch in Deutschland bleibt viel zu tun – obwohl das deutsche Gesundheitssystem vielfach als eines der besten der Welt wahrgenommen wird. Die Bundesregierung will sicherstellen, dass alle Bürgerinnen und Bürger in einer alternden Gesellschaft eine gute, flächendeckende medizinische und pflegerische Versorgung von Beginn bis zum Ende ihres Lebens erhalten. Und das unabhängig von ihrem Einkommen und Wohnort. Besonderer Fokus liegt aktuell auf der Stärkung der Pflege und der Gewährleistung schnellerer Facharzttermine für alle Versicherten.

Konkrete Umsetzung durch Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist ein wichtiger Beitrag Deutschlands zur Umsetzung der Agenda 2030. Sie setzt den Rahmen für nachhaltiges Handeln der Bundesregierung. Ihr Herzstück bildet ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem, das Ziele mit konkreten Zeitrahmen zur Erfüllung und Indikatoren für ein kontinuierliches Monitoring benennt. Welche Ziele setzt die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie zur Steigerung der Gesundheit und des Wohlergehens?

  • Senkung vorzeitiger Sterblichkeit auf 100 (Frauen) bzw. 190 (Männer) Todesfälle pro 100.000 Einwohner bis 2030
  • Senkung der Raucherquote von Jugendlichen auf 7 Prozent, der Erwachsenen auf 19 Prozent bis 2030
  • Anstieg der Adipositasrate von Jugendlichen und Erwachsenen dauerhaft stoppen
  • Senkung der Emissionen von Luftschadstoffen bis 2030 auf 55 Prozent gegenüber 2005
  • Möglichst flächendeckende Erreichung des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Feinstaubbelastung von nicht mehr als 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bis 2030

Der alle zwei Jahre erscheinende Indikatorenbericht des Statistischen Bundesamtes zeigt, wie sich die Indikatoren der Strategie entwickelt haben. Die Ergebnisse sind bislang durchwachsen. Besonders erfreulich ist der signifikante Rückgang der Raucherinnen und Raucher – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Denn viele Zivilisationskrankheiten, wie Krebs oder Bluthochdruck, entstehen durch Rauchen. Während der Anstieg der Adipositasrate bei Heranwachsenden gestoppt werden konnte, ist dies bei Erwachsenen noch nicht gelungen. Die Bundesregierung wird sich auch weiterhin mit verschiedenen Maßnahmen für eine Senkung des zu hohen Anteils von Menschen mit Übergewicht einsetzen. Bemerkenswert angesichts hoher Belastungen in einigen Städten: Die Zahl der Menschen, die einer Feinstaubbelastung über dem WHO-Richtwert ausgesetzt sind, ist rückläufig.

Auch die Bundesregierung setzt Nachhaltigkeit im eigenen Handeln durch und berichtet darüber in einem jährlichen Monitoringbericht PDF, 673 KB, nicht barrierefrei zum sogenannten „Maßnahmenprogramm Nachhaltigkeit“ der Bundesverwaltung.

Wie betrifft mich das Nachhaltigkeitsziel Gesundheit und Wohlergehen?

Sie sind krank und das Wartezimmer ist überfüllt oder an Ihrem Wohnort gibt es keinen Facharzt? Eine flächendeckende, am Patientenwohl ausgerichtete erstklassige Versorgung ist Ihr Anspruch und das Ziel der Bundesregierung. Aber und gerade auch mit einer gesundheitsorientierten Lebensweise und der regelmäßigen Teilnahme an Vorsorge- bzw. Früherkennungsuntersuchungen können Sie selbst einen wichtigen Beitrag für Ihre Gesundheit leisten.

TIPP: Angebote der Krankenkassen annehmen! Die Krankenkassen sind dazu verpflichtet, gesundheitsfördernde Aktivitäten zu unterstützen. Sie engagieren sich in Betrieben, Kindertagesstätten und Schulen und unterstützen die Teilnahme an Kursen zur Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und zum Suchtmittelkonsum. Es lohnt sich zu informieren, welche Gesundheitskurse die eigene Krankenkasse anbietet. Sie sind für die Versicherten kostenfrei.

Präventionsgedanke zieht sich als roter Faden durch die Gesundheitspolitik

Der in SDG 3 verankerte Präventionsgedanke ist Kernelement der deutschen Gesundheitspolitik: Mit dem Präventionsgesetz wurden die Gesundheitsförderung und Prävention insbesondere in den Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger, zum Beispiel in Schulen, Kindertagesstätten, Kommunen oder Pflegeeinrichtungen gestärkt. In Betrieben sollen Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz besser miteinander verzahnt werden, so dass die jeweiligen Belastungen und Präventionspotenziale der Unternehmen bei den Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung gezielt berücksichtigt werden können. Um Gesundheitsförderung und Prävention in allen Teilen der Gesellschaft zu verankern, müssen viele Akteure an einem Strang ziehen. Rahmen und Struktur für ihr Zusammenwirken wurde mit der nationalen Präventionsstrategie geschaffen. So können die Krankenkassen, die Pflegekassen, die Renten- und Unfallversicherungsträger und alle anderen Akteure in Bund, Ländern und Kommunen ihre Ressourcen bündeln und sich auf gemeinsame Ziele und Vorgehensweisen verständigen.

TIPP: Mit einem Bürgertelefon und einem Service für Gehörlose und Hörgeschädigte bietet das Bundesministerium für Gesundheit allen Bürgerinnen und Bürgern eine kompetente und unabhängige Anlaufstelle für alle Fragen rund um das deutsche Gesundheitssystem. Mehr Informationen finden Sie auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums unter https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/buergertelefon.html und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Außerdem wurden die Leistungen der Krankenkassen zur Früherkennung von Krankheiten weiterentwickelt. So können Ärztinnen und Ärzte bei Gesundheitsuntersuchungen über eine gesunde Lebensweise beraten und Empfehlungen zu Impfungen und Präventionsmaßnahmen geben.

Die Leistungen der Krankenkassen zur Prävention und Gesundheitsförderung sollen insbesondere zur Verminderung sozial bedingter sowie geschlechtsbezogener Ungleichheit von Gesundheitschancen beitragen.

Die Nutzung digitaler Medien ist inzwischen auch im Bereich der Gesundheit normaler Alltag geworden. Mit einem Nationalen Gesundheitsportal soll erreicht werden, dass sich die Patientinnen und Patienten verlässlich schnell und umfassend im Internet zu medizinischen Fragestellungen und Strukturen unseres Gesundheitswesens informieren können.

Jede Bürgerin und jeder Bürger kann einen Beitrag zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil leisten. Dazu gehören ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung, Meidung von Nikotin, maßvoller Alkoholkonsum sowie ausreichend Ruhe und Stressregulierung. Allein 15 Prozent aller Krebserkrankungen sind auf das Rauchen zurückzuführen. Wer mit dem Rauchen aufhört, halbiert Studien zufolge bereits nach zehn Jahren das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Auch durch den verantwortlichen Konsum von Alkohol und die Vermeidung von Übergewicht oder die Inanspruchnahme von HPV-Schutzimpfungen gegen Gebärmutterkrebs kann die Zahl an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs stark verringert werden. Je früher Krebs erkannt und behandelt wird, desto größer ist die Aussicht auf einen Heilerfolg.

TIPP: Gesundheits-Check-up: Der Check-up ist eine Kassenleistung, den Männer und Frauen künftig zwischen 18 und 34 Jahren einmalig und ab 35 Jahre alle drei Jahre in Anspruch nehmen können. Der Check-up dient der Früherkennung zum Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus sowie gesundheitlichen Risikofaktoren. Zudem ermöglichen die Krankenkassen eine Reihe von Untersuchungen zur Früherkennung von bestimmten Krebskrankheiten, etwa von Brust- oder Darmkrebs. Sie sind für die Versicherten kostenfrei. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse oder Ihrer Ärztin beziehungsweise Ihrem Arzt über diese Angebote.

Mit Hightech Leben retten

Krebsforscher Patrick Schmidt arbeitet in einem Labor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen mit einer Pipette.

Die Spitzenforschung am Deutschen Krebsforschungszentrum kommt allen Kranken zugute.

Foto: picture alliance/dpa/Uwe Anspach

Gesundheit ist ein kostbares Gut, nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für unsere Gesellschaft und für die Leistungsfähigkeit, Produktivität und das Wachstum unserer Volkswirtschaft. Deshalb ist "Gesundes Leben" eine der sechs Zukunftsaufgaben der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung. Die Gesundheitsforschung nimmt dabei eine herausgehobene Stellung ein.

Ziel ist es, dass die Forschungsergebnisse schneller die Patientinnen und Patienten erreichen. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren in sogenannten Gesundheitsclustern und Exzellenzzentren sollen in Deutschland Spitzenmedizin gefördert und die neuesten Behandlungsmethoden schneller bei den Patienten ankommen. Ein Beispiel ist die Behandlung von Krebs.

Anstieg der Pflegefälle als große Herausforderung des Gesundheitssystems

Deutschland ist eine alternde Gesellschaft. Hergebrachte Familienstrukturen sind aufgebrochen. Die Menschen werden erfreulicherweise immer älter. Aber nicht alle bleiben gesund, immer mehr Menschen benötigen ambulante oder stationäre Pflege.

Die Bundesregierung hat daher im August 2018 ein Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege beschlossen. 13.000 zusätzliche Stellen soll es für die stationäre Altenpflege geben. Außerdem sollen Pflegeberufe durch eine bessere Bezahlung und eine höhere Anerkennung attraktiver werden. Pflegende Angehörige können zudem einfacher eine Reha bekommen, damit sie selber fit bleiben.

Deutschland entwickelt Strategie zur globalen Gesundheitspolitik

Das Bundesgesundheitsministerium wird gemeinsam mit allen Ressorts eine „Strategie der Bundesregierung zu Globaler Gesundheit“ erarbeiten, um Deutschlands internationaler Verantwortung weiter gerecht zu werden, den deutschen Beitrag zu beschreiben und einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Umsetzung der gesundheitsrelevanten Nachhaltigkeitsziele zu leisten. Darin werden u.a. Fragen zur Gesundheitssicherheit, der Stärkung von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern und der Prävention von Pandemien behandelt werden.

Die Stärkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dabei ein erklärtes Ziel der Bundesregierung. Deutschland wird seine Mitgliedschaft im Exekutivrat der Weltgesundheitsorganisation von 2018 bis 2021 nutzen, um die WHO weiter konstruktiv in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Die Weltgesundheitsorganisation ist die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für die globale Gesundheit mit Sitz in Genf. Deutschland ist unter den 194 Mitgliedstaaten nach den USA und Japan der drittgrößte Beitragszahler.

Koordinierung des internationalen Beitrags zur Umsetzung der gesundheitsrelevanten Nachhaltigkeitsziele

Angesichts des Erfordernisses stärkerer Anstrengungen zur Umsetzung der gesundheitsbezogenen Nachhaltigkeitsziele bis 2030 hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gemeinsam mit der norwegischen Premierministerin Erna Solberg und dem ghanaischen Staatspräsidenten Nana Addo Dankwa Akufo-Addo eine Initiative zur Verbesserung der globalen Gesundheit ergriffen.

In einem gemeinsamen Schreiben an Tedros Adhanom Ghebreyesus, den Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), setzen sie sich für einen „Globalen Aktionsplan für ein gesundes Leben und das Wohlergehen aller Menschen“ ein.

Der jetzt vorgeschlagene Aktionsplan soll konkrete Zwischenziele für die Zeit bis 2030 umfassen und ein zwischen allen relevanten Akteuren abgestimmtes Vorgehen sicherstellen. Dem Vorschlag zufolge soll die WHO als führende globale Gesundheitsorganisation die zentrale Koordinierungsstelle für die Ausarbeitung eines solchen Plans sein und einen ersten Entwurf beim 10. "World Health Summit" in Berlin im Oktober 2018 präsentieren. Deutschland unterstützt die Weltgesundheitsorganisation bei der Koordinierung des globalen Aktionsplans.

Gesundheit schon heute Schwerpunkt deutscher Entwicklungszusammenarbeit

Trotz aller Fortschritte wurden die Millenniumentwicklungsziele zu Gesundheit (Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten; Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit) 2015 deutlich verfehlt. Sie sind deshalb als sogenanntes „unfinished business“ auch in der Agenda 2030 verankert.

Gesundheit ist und bleibt ein wichtiger Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Im Jahr 2016 wurde hierfür rund eine Milliarde Euro an Entwicklungsgeldern bereitgestellt. Allein beim Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM) ist Deutschland über das BMZ mit 810 Mio Euro für drei Jahre, aber auch mit eigenem Sitz in den Entscheidungsgremien sehr engagiert beteiligt.

Der GFATM wurde im Kontext einer sich verschärfenden globalen HIV-Epidemie gegründet und hat 2002 seine Arbeit aufgenommen. Er ist weltweit der bedeutendste Finanzier und wichtigste multilaterale Partner von Programmen zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria. Deutschland beteiligt sich seit Gründung des Fonds und ist viertgrößter staatlicher Geber (nach USA, Frankreich und Großbritannien).

Der Fokus der deutschen Entwicklungspolitik im Bereich Gesundheit liegt auf der Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten, der universellen Absicherung im Krankheitsfall und der Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit inklusive des verbesserten Zugangs zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und den damit verknüpften Rechten.

Ein zentrales Anliegen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, insgesamt zu einer nachhaltigen Stärkung von Gesundheitssystemen beizutragen, z. B. durch die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal oder dem Aufbau von Finanzierungssystemen für das Gesundheitswesen. Die Millenniumsentwicklungsziele wurden dafür kritisiert, den Fokus primär auf spezifische Krankheitsbilder gelegt und die Stärkung der Gesundheitssysteme insgesamt zu wenig beachtet zu haben. Mit der Agenda 2030 und ihrem umfassenden Verständnis von nachhaltiger Entwicklung soll dies überwunden werden.

Beispiel Bekämpfung Ebola-Ausbruch Westafrika:

Ebola-Ausbruch

Deutschland war an dem erfolgreichen Kampf gegen Ebola entscheidend beteiligt.

Foto: picture alliance / AP Photo / Jerome Delay

Anfang 2014 wurden im westafrikanischen Guinea erste Ebola-Fälle bekannt. In den folgenden Monaten wurden in den Nachbarländern weitere Erkrankungen gemeldet. Im August 2014 erklärte die WHO den Ausbruch zur "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite".

Nur durch ein globales Krisenmanagement konnte die Seuche eingedämmt werden. Etwa 29.000 Menschen waren erkrankt, gut 11.000 von ihnen überlebten die Krankheit nicht. Im März 2016 erklärte die WHO die Notlage für beendet. Deutschland war an dem erfolgreichen Kampf gegen Ebola entscheidend beteiligt.

Deutschland war auch Motor bei der Gründung einer "Global Health Crisis Task Force" der Vereinten Nationen und der "Coalition for Epidemic Preparedness Innovations" (CEPI) 2016, damit durch ein internationales Krisenmanagement gefährliche Erreger keine weltweite Pandemie auslösen und schnell Impfstoffe entwickelt und bereitgestellt werden.

Beispiel Krankenversicherung in Indien:

Krankheitskosten gehören in Indien zu den häufigsten Gründen, warum Familien in den Teufelskreis von Armut und Verschuldung geraten. 63 Millionen Menschen verarmen nach Schätzungen in Indien jedes Jahr, weil sie die medizinische Behandlung einer schweren Krankheit oder die Folgen eines Unfalls aus eigener Tasche zahlen müssen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die indische Regierung seit 2011 dabei, ein System der sozialen Sicherung aufzubauen. Mit rund 135 Millionen Mitgliedern ist die indische Gesundheitsversicherung inzwischen eine der weltweit größten – und zum Vorbild für andere Staaten geworden.

Beispiel Initiative "Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit":

Jeden Tag sterben mehr als 800 Mädchen und Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt, die meisten von ihnen, weil es in ihrem Land keine ausreichende medizinische Betreuung gibt. Am stärksten betroffen sind die afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Dort ist das Risiko einer Frau, bei der Geburt zu sterben, fast 100-mal höher als in Deutschland. Weltweit sind Komplikationen bei Schwangerschaften und Geburten die häufigste Todesursache bei Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren.

Mit der Initiative „Selbstbestimmte Familienplanung und Müttergesundheit“ möchte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung dazu beitragen, dass ungeplante Schwangerschaften vermieden und alle Schwangerschaften und Geburten professionell begleitet werden. Gefördert werden unter anderem Aus- und Weiterbildung und Qualitätsverbesserungen in der Geburtshilfe, eine umfassende Sexualaufklärung sowie der Zugang zu modernen Verhütungsmitteln.

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