Mehr Bundeswehr an NATO-Ostflanke

Reaktion auf russischen Angriff Mehr Bundeswehr an NATO-Ostflanke

Unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Bundesregierung ihr sicherheitspolitisches Engagement in Baltikum ausgeweitet und weitere 350 Soldatinnen und Soldaten nach Litauen entsandt. Die Verstärkungskräfte unterstützen die Nato-Beistandsinitiative Enhanced Forward Presence, an der sich Deutschland seit fünf Jahren beteiligt.

NATO-Ostflanke

Die Bundeswehr hat verschiedene Verstärkungskräfte für die Mission Enhanced Forward Presence an der NATO-Ostflanke versetzt

Foto: Bundeswehr/Jörg Volland

Als Reaktion auf das russische Vorgehen in der Ostukraine und der Besetzung der Krim 2014, starteten die Nato-Mitgliedsstaaten 2017 die enhanced Forward Presence (eFP). Infolgedessen sind vier multinationale Gefechtsverbände in Polen und den baltischen Staaten stationiert, die aus jeweils etwa 1.000 Soldatinnen und Soldaten bestehen. Sie verstärken die Streitkräfte der Gastländer.

Bisher stellte die Bundeswehr zwei Drittel des Nato-Kontingents in Litauen. Damit ist Deutschland nicht nur der größte Truppensteller, sondern übernimmt darüber hinaus die Führungsrolle des Gefechtsverbands. Mit den Verstärkungskräften führt der deutsche Kommandeur nun etwa 900 Bundeswehrkräfte und insgesamt 1.600 multinationale Soldatinnen und Soldaten.

Abschreckung statt Konfrontation

Die Nato handelt mit eFP im Einklang und im Rahmen ihrer Verpflichtungen der Nato-Russland-Grundakte. Die Deeskalation gegenüber Russland ist von höchster Bedeutung. Den Kernauftrag der Verbände bilden daher multinationale Ausbildungen und Verteidigungsübungen, die die Bündniszusammenarbeit und -geschlossenheit demonstrieren. Die halbjährlich wechselnden Kräfte werden durch Verstärkungstruppen für umfangreiche Gefechtsübungen und Manöver ergänzt und stellen die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisgebiets unter Beweis. 

Warum ist das Baltikum so wichtig?

Die verstärkte militärische Präsenz in den osteuropäischen Mitgliedsstaaten dient der Sicherheit der Verbündeten und der Sicherung der Nato-Außengrenze. Estland, Lettland und Litauen sind ehemalige Republiken der Sowjetunion und gehören nun der Europäischen Union und der Nato an. Die direkte Angrenzung an Russland und dessen Exklave Kaliningrad beunruhigt die baltischen Staaten. Vor allem wegen ihrer russischsprachigen Minderheit befürchten diese eine russische Invasion. Um im Fall einer Invasion zu verhindern, dass das Baltikum wegen der exponierten Lage von den restlichen Nato-Staaten abgeschnitten wird, ist eine Stationierung von Nato-Truppen essentiell.

Sichtbares Zeichen der Bündnissolidarität

Außenministerin Annalena Baerbock machte bei ihrem Besuch in Lettland, Estland und Litauen vom 20. bis 22. April 2022 die Wichtigkeit der Mission deutlich. „Wir werden im Notfall jeden Quadratzentimeter unseres gemeinsamen Bündnisgebiets verteidigen“, sagte die Außenministerin. „Hier wird nicht nur die Sicherheit des Baltikums garantiert, sondern hier wird die europäische Sicherheit garantiert.“

Vielseitige deutsche Kompetenz

Der deutsche Beitrag besteht aus der Führung des Gefechtsverbandes, in der deutsche Soldatinnen und Soldaten im Stab sowie im Bereich der Logistik des Verbandes dienen. Weiter stellt Deutschland dauerhaft mindestens eine Kampftruppenkompanie. Seit März 2022 ergänzt zusätzlich das deutsche Flugabwehrsystem Ozelot die litauischen Fähigkeiten in der aktuellen, angepassten Verteidigungssituation.

Deutschland als verlässlicher Partner

Das deutsche Engagement in Litauen ist Ausdruck der Bündnissolidarität zu den osteuropäischen Nato-Partnern. Bewusst hatte die neue Verteidigungsministerin Christine Lambrecht im Dezember 2021 Litauen als Ziel ihrer ersten Auslandsreise gewählt. „Wir stehen fest an der Seite unserer Partner und Freunde“, sagte Lambrecht. „Jeder in der Nato kann sich auf uns verlassen.“ Mit der Verlegung der Verstärkungskräfte sendet Deutschland ein Zeichen der Geschlossenheit und des Rückhalts an seine Partner im Osten.