Klimaanpassung ist dringend notwendig

Erntebericht 2021 und Ackerbaustrategie Klimaanpassung ist dringend notwendig

Das Dürrejahr 2018, fehlende Niederschläge auch 2019 und 2020 und in diesem Sommer Hagel, Starkregen und die Flut – kaum ein Wirtschaftsbereich ist Extremwetter so ausgesetzt wie die Landwirtschaft. Das zeigt auch der aktuelle Erntebericht. Die Ackerbaustrategie soll helfen, die Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat beides am Mittwoch vorgestellt.

Foto zeigt ein Getreidefeld mit einem Mähdrescher

Der Erntebericht 2021 zeigt: Bei Getreide sind Erträge und Qualität unterdurchschnittlich.

Foto: imago images / Arnulf Hettrich

„Vielerorts wurden und werden die Erntearbeiten durch Schauer und Gewitter ausgebremst, darunter leiden Erträge und Qualität. Das verdeutlicht, dass sichere Ernten nicht selbstverständlich sind“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Vorstellung des Ernteberichts 2021. Die Bundesministerin bekräftigte die Notwendigkeit einer Klimaanpassung in der Landwirtschaft. Dazu sei die Ackerbaustrategie ein weiterer wichtiger Baustein.

Wichtige Ergebnisse des Ernteberichts 2021

Bei Getreide sind Erträge und Qualität unterdurchschnittlich. Die Erntearbeiten liegen im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr weit zurück, denn im Juli und August gab es kaum Phasen mit beständigem trockenen Erntewetter. Basierend auf den vorliegenden Ertragsfeststellungen werden 2,7 Prozent weniger Getreide als im Vorjahr und 4,8 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 erwartet. Die Erntemenge beim Winterweizen – der wichtigsten Getreideart – liegt sogar 3,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.

Der Erntebericht 2021 spiegelt auch Ernährungstrends wider: So ist die Anbaufläche von Hafer ist gegenüber dem Vorjahr um 12,7 Prozent gewachsen. Grund dafür ist auch die wachsende Nachfrage nach Haferprodukten. Zudem ist der Zuwachs ein Zeichen, dass immer mehr Landwirte auf vielfältige Fruchtfolgen setzen.
 
Die Gesamterntemenge bei Raps liegt mit rund 3,5 Millionen Tonnen auf Vorjahresniveau, allerdings hat die Anbaufläche um rund 5 Prozent zugenommen.

Auch bei Obst und Gemüse zeichnet sich ein unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Grund dafür sind Wachstumsverzögerungen wegen niedriger Temperaturen und wenig Sonne. Wegen zu nasser Böden hat es zudem Probleme gegeben, Gemüse termingerecht zu ernten.

Die Grundfutterversorgung (Grünland, Ackerfutter wie Klee, Kleegras, Silomais) der meisten Futterbaubetriebe hat sich in diesem Jahr im Vergleich zu den trockenen Vorjahren durch den vermehrten Regen deutlich verbessert. Anders ist die Situation jedoch in den von Überschwemmungen betroffenen Gebieten. Hier wurden teilweise Futtervorräte vernichtet und Futterflächen für die weitere Nutzung unbrauchbar.

Grundlage des Ernteberichts sind die tatsächlich festgestellten Erträge der bisher ausgewerteten Probeflächen aus allen Teilen des Bundesgebiets. Für diese repräsentative Ertragsermittlung werden jedes Jahr mehrere tausend Felder herangezogen. Der vollständige Erntebericht 2021 kann hier abgerufen werden.

Die Ackerbaustrategie

Der Ackerbau ist die Grundlage für unsere Ernährung. In den vergangenen Jahrzehnten wurden enorme Leistungssteigerungen erreicht. Dies ermöglicht eine sichere Versorgung in hoher Qualität.

Dies bringt jedoch auch Herausforderungen hinsichtlich Umwelt - und Naturschutz, Ökonomie und gesellschaftlicher Akzeptanz mit sich. Ziel der Ackerbaustrategie ist es, die Produktivität in der Landwirtschaft weiter zu sichern und gleichzeitig den Boden und damit das Klima zu schonen sowie Zielkonflikte aufzulösen.

Hierzu hat das Bundeslandwirtschaftsministerium gemeinsam mit der Wissenschaft zwölf Handlungsfelder identifiziert. Für jedes Handlungsfeld sind Maßnahmen beschrieben, die gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten diskutiert wurden – 1.000 Praktiker hatten sich eingebracht. Insgesamt sind es über 60 Einzelmaßnahmen.
 
Die zwölf Handlungsfelder:

  1. Stärkung des Bodenschutzes und der Bodenfruchtbarkeit, etwa indem der Aufbau von Humus gefördert wird.
  2. Die Kulturpflanzenvielfalt wird erhöht, indem Fruchtfolgen erweitert werden: Nicht nur Weizen, Mais und Gerste, sondern auch Dinkel, Hafer, Soja, Erbsen oder Bohnen.
  3. Die Düngeeffizienz wird erhöht, indem Landwirte noch bedarfsgerechter und passgenauer düngen.
  4. Mehr integrierter Pflanzenschutz, etwa durch spezielle Fruchtfolgen.
  5. Stärkung der Züchtung von klimaangepassten und widerstandsfähigen Pflanzen.
  6. Vorantreiben der Digitalisierung in der Landwirtschaft.
  7. Die Biodiversität wird gestärkt, etwa durch breitere Fruchtfolgen, mehr Bäume, Hecken oder Blühstreifen auf den Feldern.
  8. Entwicklung klimaangepasster Anbaukonzepte und
  9. Ausbau des Klimaschutzes unter anderem durch eine entsprechende Arten- und Sortenwahl und veränderte Anbausysteme. Dazu gehört auch die Optimierung der Bodenbearbeitung, etwa durch die ganzjährige Bedeckung des Bodens durch Pflanzen oder Mulch.
  10. Stärkung der Bildung und Beratung.
  11. Mehr Wertschätzung für Landwirtinnen und Landwirte.
  12. Politische und finanzielle Begleitung der Ackerbaustrategie.

Die Ackerbaustrategie kann hier abgerufen werden.

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