in Friedrichshafen
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Lieber Herr Vorstandsvorsitzender,
Herr Ministerpräsident, lieber Stefan Mappus,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
danke schön, dass wir heute hier sein dürfen; der Ministerpräsident hatte die Idee, dass wir uns einmal den Raum Friedrichshafen als eines der Innovationszentren von Baden-Württemberg anschauen. Man darf wohl sagen, dass das auch mit sehr guter privater Lebensqualität gekoppelt ist. Es gibt hier also sowohl Hightech als auch gute Lebensmöglichkeiten.
Ich habe mich mit dem Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises bereits im Flugzeug darüber ausgetauscht. Mein Wahlkreis sind die Insel Rügen, die Hansestadt Stralsund und der Darß. Ich kann also auch mithalten, wenn es um schöne Dinge geht. Stralsund hat auch eine Fachhochschule, dessen Absolventen sich meistens in zwei Richtungen aufteilen: Die einen fahren nach Bayern, wenn sie mit dem Studieren fertig sind, und die anderen nach Baden-Württemberg. Wir sind daher manchmal natürlich sehr traurig, dass die Menschen mit technischer und Ingenieurausbildung hier bessere Betätigungsfelder sehen. Insofern ist das, was hier geschieht, auch wirklich sehenswert. Wir haben jetzt einen kleinen Überblick bekommen; ich habe mir ZF auch schon auf mancher IAA angeschaut. Da wird einem ja immer klar erklärt, was die neuen Antriebstechnologien sind.
Wir haben heute auch einen kleinen Schwerpunkt auf die Hybridtechnologien gesetzt. Deutschland hat eine Zeitlang etwas ignorant an der Seite gestanden; das muss man ja sagen. Ich weiß noch, wie es war, als ich von 1994 bis 1998 Umweltministerin war. Da waren wir auf der IAA und man hat mir gesagt: Naja, da bei den Japanern brauchen Sie nicht stehenzubleiben, das mit dem Hybrid wird so schnell nichts. Aber Gott sei Dank haben wir den Anschluss wieder gefunden. Ich glaube, ZF ist eines der Beispiele dafür, wie das auch auf höchster Qualitätsstufe zu machen ist. Wir haben uns eben auch darüber unterhalten, dass sich die Hybridtechnologie wahrscheinlich noch schneller durchsetzen wird als die reine Elektromobilität. Insofern arbeiten Sie hier schon in einem Zukunftsfeld. Aber natürlich will ich auch die Fahrwerktechnologien erwähnen; denn vielleicht arbeitet hier auch daran jemand. Alles, was das Auto am Rollen hält, ist wichtig.
Das, was Sie hier machen, ist höchste Präzision, das ist höchste Qualität, das ist weltweit anerkannt. Das ist natürlich auch das, was Deutschland in besonderer Weise stark macht. Worum es uns geht, ist, immer wieder die Bedingungen dafür zu schaffen, dass wir nicht an irgendeiner Stelle stillstehen. Sie alle wissen ‑ das merken Sie, wenn Sie Ihre Getriebe und Anderes verkaufen wollen ‑, dass auf der Welt jeden Tag sehr viel Neues passiert. Man muss deshalb natürlich immer am Ball bleiben und gucken, dass man auch den nächsten Schritt schon mitdenkt.
Baden-Württemberg hat das über Jahrzehnte geschafft und wird das auch in Zukunft schaffen; davon gehe ich aus. Das erfordert Menschen, die neugierig sind, Menschen, die auch Lust haben, im technischen Bereich zu arbeiten ‑ davon gibt es hier ja sehr viele. Mir wurde gerade gesagt: Hier wird (aufgrund des Fachkräftemangels) jeder Ingenieur genommen, der hier vorbeikommt und einigermaßen gut ist. Wir beschäftigen uns ja ständig mit der Frage, ob wir genug Fachkräfte haben und wie wir Ausbildung vernünftig mit betrieblicher Tätigkeit verzahnen können. Viele ‑ auch Facharbeiter ‑ haben hier ja schon ihre Ausbildung gemacht und haben hier gelernt; sie haben jedenfalls lange Wegstrecken hier verbracht. Viele sind auch aus anderen Teilen Baden-Württembergs in diese Region gezogen, weil es hier so viele gute Arbeitsplätze gibt.
Deutschland hat den Fortschritt nicht gepachtet; es stellt sich jeden Tag von Neuem die Aufgabe, darum zu kämpfen. Das kann auch nicht per Gesetz verordnet werden ‑ nach dem Motto: Erfindet mal was und baut mal was Ordentliches. Da kann man als Politik nur die Rahmenbedingungen setzen, kann Mut machen und kann sagen: Wir sind dafür, dass man Chancen ergreift und dass man nicht an jedem Risiko lange herummäkelt, sondern dass man aus einem Risiko dann wieder eine Sicherheit macht. Das hat Deutschland stark gemacht. Ich war neulich bei Daimler, als wir an das Auto und seine Erfindung gedacht haben. Das, was Sie hier machen, dreht sich rund um das Auto. Es ist ja nicht sicher, dass die Mobilität im 21. Jahrhundert weiter in diesem Maße ihr Zuhause in Deutschland hat. Wir wollen das aber, und wenn ich sehe, was Sie leisten können, dann glaube ich: Wir können das auch schaffen.
In der schwierigen Wirtschaftskrise, von der auch Sie betroffen waren und die von der internationalen Finanzkrise ausgelöst worden ist, haben wir versucht, Brücken zu bauen ‑ einfach weil wir gesagt haben: Der große Schatz in unserem Land sind die Menschen, ihre Fähigkeiten und ihre Fertigkeiten. Wenn Ingenieure und Facharbeiter wie Sie erst einmal überall herumschwirren und hinterher wieder eingesammelt werden müssen, wenn die Konjunktur wieder anspringt, dann geht einfach unglaublich viel Wissen, viel Können, viel gespeicherte geschichtliche Erfahrung verloren. Das darf nicht passieren. Ich glaube, es ist uns in der Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft ganz gut gelungen, das zu verhindern ‑ aber eben nur, weil Sie mitgemacht haben und weil die Arbeitgeber auch den Eindruck hatten, dass es sich lohnt, Sie hier am Standort zu halten.
Insofern (kommt es jetzt also auf) viele Anteile an den Exporten und (auf) gute Kunden (an), die auch Ihre Produkte kaufen. Ich werde auch auf der nächsten IAA, die ja schon in diesem Jahr stattfindet ‑ ich wurde schon darauf aufmerksam gemacht ‑, natürlich gerne dabei sein und mir nicht nur die schick lackierten Karossen angucken, sondern mich auch einmal mit den etwas aufwändigeren Dingen befassen. Mit einem modernen Getriebe muss man sich ja erst einmal ein bisschen befassen, die sind heute ja recht kompliziert. Ein rot lackiertes Auto von außen anzugucken ist jedenfalls einfacher, als in so ein Getriebe hineinzugucken, aber umso größer ist die Hochachtung davor. Ich finde, diese Getriebe sind etwas ganz Feines ‑ das edle Material, die Präzision, das geringe Spiel und wie das alles Zähnchen für Zähnchen ineinandergreift. Das muss dann ja auch Tausende von Stunden halten. Ich habe jetzt gelernt, dass das bei den Nutzfahrzeugen eine halbe Million Kilometer halten muss; ich konnte mir natürlich denken, dass das bei den normalen Pkw nicht so lange reicht.
Insofern: Danke schön für das, was Sie tun ‑ und was Sie auch für den Ruf von Deutschland tun.
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