Frauen Rückkehr in den Beruf erleichtern

Fachkräfte Frauen Rückkehr in den Beruf erleichtern

In einigen Branchen fehlen schon heute Fachkräfte: Ingenieure, Pflegekräfte oder Klempner. Damit hier kein flächendeckendes Problem entsteht, hatte die Bundesregierung 2011 ein Fachkräftekonzept beschlossen. Das Kabinett hat nun den Fortschrittsbericht 2013 verabschiedet. Darin werden erste Erfolge deutlich.

In Deutschland gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Laut der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit vom Dezember 2013 fehlen aber in zwanzig Berufsgruppen Fachkräfte. Betroffen sind sowohl Ausbildungsberufe als auch Berufe, für die ein Hochschulabschluss vorausgesetzt wird.

Bis 2030 werden in Erziehungs- und Sozialberufen, bei Managern und leitenden Angestellten sowie in technischen Berufen die größten Engpässe erwartet.

Bundesregierung beschließt Fortschrittsbericht

Das Kabinett hat nun den Fortschrittsbericht 2013 zum Fachkräftekonzept beschlossen. Folgende Ergebnisse sind zu verzeichnen:

Rekord bei Erwerbstätigkeit

In Deutschland waren im November 2013 laut Statistischem Bundesamt 42,3 Millionen Menschen erwerbstätig. Ein Rekordwert. Trotzdem gibt es bei Frauen, Älteren, gering Qualifizierten und Menschen mit Migrationshintergrund noch ein erhebliches Potenzial, das genutzt werden soll.

Mehr Ältere und Frauen erwerbstätig

Die Quote von erwerbstätigen Älteren und Frauen ist zwischen 2006 und 2012 überdurchschnittlich stark gestiegen.

2012 waren 61,5 Prozent der älteren Menschen erwerbstätig. Damit wurden die in der nationalen EU-2020-Strategie angestrebten 60 Prozent übertroffen.

Bei den 60- bis 64-Jährigen fällt die Quote der Erwerbstätigen deutlich ab: In dieser Altersgruppe arbeitet nur noch jeder zweite. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles fordert von den Unternehmen, das vorhandene Potenzial besser zu nutzen. "Auch die über 60-Jährigen müssen möglichst lange und fit im Berufsleben gehalten werden", so Nahles. Altersgerechte Arbeitsplätze, kluge Arbeitszeitmodelle und passgenaue Weiterbildungsangebote seien gefragt.

Bei den 20- bis 64-jährigen Frauen waren 71,5 Prozent erwerbstätig. Die angestrebte Quote von 73 Prozent wurde fast erreicht. Allerdings: Sowohl bei der Arbeitszeit als auch bei der Quote der Frauen, die arbeitet, gibt es noch großes Potenzial.

Fast die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit. "Das deckt sich nicht mit ihren Wünschen", so die Ministerin. Viele würden gerne mehr arbeiten. Damit Frauen besser ins Berufsleben zurückkehren können, plant Nahles, "ein Rückkehrrecht in Vollzeit zu verankern".

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

71 Prozent der Mütter mit minderjährigem Kind waren 2012 erwerbstätig. 2006 waren es noch knapp sieben Prozent weniger. Junge Mütter arbeiten mehr Stunden pro Woche als in den Vorjahren. Sie profitieren von der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Bundesregierung setzt hier weiter an: Kitas und Ganztagsschulen werden ausgebaut.

Bildung und Ausbildung fördern

Die Zahl der Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen haben, ist 2012 auf 5,9 Prozent gesunken. 2006 waren es noch 7,9 Prozent. Bis 2015 werden vier Prozent angestrebt. Mit der Initiative "Chance Beruf" sollen die Jugendlichen individuell gefördert werden, um gute Schul- und Berufsabschlüsse zu erreichen.

Durch das "Bildungspaket" erhalten hilfsbedürftige Kinder Zuschüsse zu Schulbedarf, Ausflügen oder Schulessen. Die Initiative "Bildungsketten" richtet sich an Jugendliche, die Probleme beim Übergang in den Beruf haben. Auf Sprachförderung in 4.000 Schwerpunkt-Kitas setzt die Bundesregierung bei der "Offensive Frühe Chancen".

Noch immer haben 1,4 Millionen Menschen zwischen 25 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. "Kein junger Mensch darf ohne Ausbildung in den Arbeitsmarkt geschickt werden", so Nahles. Wer ohne Abschluss ist, muss eine "2. Chance" erhalten sich nachzuqualifizieren. Gute Erfahrungen gibt es mit Jugendberufsagenturen.

Mehr Menschen mit Migrationshintergrund erwerbstätig

Menschen mit Migrationshintergrund waren in Deutschland im Jahr 2012 zu 68,7 Prozent erwerbstätig. Das sind knapp sieben Prozent mehr als 2006. Migranten sind aber immer noch häufiger arbeitslos als deutsche Mitbürger.

Rund 980.000 Mütter mit Migrationshintergrund waren 2011 in Deutschland nicht erwerbstätig. Dreiviertel wollen aber berufstätig sein. Um sie beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen, ist es wichtig, sie persönlich anzusprechen und individuell zu begleiten.

Ausländische Qualifikationen anerkennen

Fachkräfte aus dem Ausland sind in Deutschland willkommen. Ausländische Berufsqualifikationen werden seit 2012 durch das Anerkennungsgesetz einfacher und zügiger festgestellt und anerkannt. Die "Blaue Karte EU" erleichtert es Hochqualifizierten, in Deutschland zu arbeiten und sich niederzulassen. Mehr als 13.500 "Blaue Karten EU" wurden in den ersten 17 Monaten seit Einführung im August 2012 ausgegeben.

Weltweit um Fachkräfte werben

Unter www.make-it-in-germany.com können sich Menschen weltweit über den Arbeits- und Lebensstandort Deutschland informieren. Das Willkommensportal ist Teil der Fachkräfte-Offensive von Bundeswirtschaftsministerium, Bundesarbeitsministerium und Bundesagentur für Arbeit. Regionale Welcome-Center unterstützen Zuwanderer bei Alltagsfragen.    

Fachkräfte-Offensive in Deutschland

Das Bundesarbeitsministerium, das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesagentur für Arbeit haben 2012 eine Fachkräfte-Offensive gestartet. Sie unterstützt Unternehmen dabei, ihren Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken und hilft Fachkräften, sich erfolgreich am Arbeitsmarkt zu positionieren. Die Internetseite www.fachkräfte-offensive.de richtet sich an inländische Fachkräfte und Unternehmen.

Das Fachkräftekonzept der Bundesregierung wurde am 22. Juni 2011 vom Kabinett beschlossen. Das Konzept hat fünf Schwerpunkte:

- Mehr Menschen als bisher sollen erwerbstätig werden und bleiben.
- Die Bundesregierung will Familie und Beruf besser miteinander vereinbar machen, damit junge Eltern erwerbstätig sein können.
- Der Bund unterstützt die Bildung von Kindern und Jugendlichen in Kita und Schule. Sie sind die Fachkräfte von morgen.
- Ob Lehre, Studium oder Weiterbildung – qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gebraucht. Jeder soll sein Potenzial bestmöglich nutzen.
- Deutschland braucht Fachkräfte aus dem Ausland. Ihr Zugang zum Arbeitsmarkt wird erleichtert, die Integration unterstützt.

Mit dem Fortschrittsbericht wird das Fachkräftekonzept bewertet und weiterentwickelt. Der Bericht wird einmal im Jahr von der Arbeitsgruppe "Fachkräfte der Zukunft" unter Federführung des Bundesarbeitsministeriums erstellt. An der Arbeitsgruppe sind fast alle Ministerien und das Bundeskanzleramt beteiligt.