Versorgungssicherheit

Versorgungssicherheit

Von der "Operation am offenen Herzen": Versorgungssicherheit trotz Umbau des Energiesystems

Die Stromversorgung soll auch in Zukunft bezahlbar und sicher sein. Wie groß ist die Gefahr von Stromausfällen im Winter?

Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist weiterhin gewährleistet und schneidet im internationalen Vergleich gut ab. Die Bundesnetzagentur hat die Situation in der Wintersaison 2011/2012 genau beobachtet und Handlungsempfehlungen ausgesprochen, um die Netze auch weiterhin stabil zu halten. Bereits im Energiekonzept hat die Bundesregierung Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung in den zwei Wintern 2011/12 und 2012/13 vorgesehen: die sogenannte Kaltreserve, das heißt vertraglich zugesicherte Strommengen aus Kraftwerken, die im Notfall angefordert werden können, aber auch eine Anzeigepflicht für Kraftwerksbetreiber, die ihre Kraftwerke vom Netz nehmen wollen und anderes.

Um die Versorgungssicherheit und Netzstabilität bei Strom wie bei Gas über die zwei genannten Winter hinaus zu sichern, hat die Bundesregierung am 17. Oktober 2012 eine Regelung vorgeschlagen. Diese sieht vor, dass Kraftwerksbetreiber die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur verbindlich und frühzeitig - zwölf Monate vorher - über geplante Stilllegungen informieren. Eine endgültige Stilllegung systemrelevanter Kraftwerke soll verhindert werden. Die Einspeisung der Leistung auch dieser Kraftwerke muss auch bei einer Gefährdung der Versorgungssicherheit sichergestellt sein. Am 12. Juni 2013 hat die Bundesregierung eine entsprechende Verordnung für eine "Netzreserve" beschlossen. Sie regelt das Verfahren für eine Übergangszeit bis 2017.

Welche Energieträger (Wind, Solar, Wasser, Geothermie, Gas, Kohle etc.) stehen ausreichend für die Energiewende zur Verfügung?

Zusammengenommen ergeben alle Energieträger eine ausreichende Produktion. Die Herausforderungen liegen mehr in der Koordination der Energieerzeugung. Sonne und Wind produzieren in Stoßzeiten mehr Strom, als die Netze aufnehmen können, und in Flautezeiten zu wenig. Hier gilt es, Produktion und Nachfrage besser zu koordinieren und langfristig Speicher zu entwickeln, die überschüssigen Strom für Flautezeiten vorhalten.

Was passiert, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint? Wie lässt sich die Grundversorgung weiterhin sicherstellen?

Eine nachhaltige Energieversorgung erfordert einen Mix verschiedener erneuerbarer Energien. Solar- und Windenergie produzieren zwar nach Wetter und Tageszeit unterschiedlich viel Strom, insgesamt aber eine große Menge. Das volatile Energieangebot zum Beispiel aus Solar- und Windenergie muss durch die konventionelle Energieerzeugung so ausgeglichen werden, dass zur jeder Zeit der Bedarf gedeckt werden kann. Das erfordert eine zunehmende Flexibilisierung in der Energieversorgung sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite.

Je größer der Anteil von Wind- und Solarenergie an der Stromproduktion ist, desto weniger Grundlastkraftwerke werden benötigt. Zur Ergänzung sind vor allem flexible Kraftwerke geeignet, die bedarfsgerecht einspringen, wenn Flaute ist und die Sonne nicht scheint. Das sind vor allem gut regelbare Biomasse- und Pumpspeicherkraftwerke, aber auch Erdwärme- und Gaskraftwerke. Biomasse, Wasserkraft und Erdwärme können dann sowohl zur Grundlastversorgung als auch flexibel als Regelenergie eingesetzt werden. Im Gegensatz dazu lassen sich Braunkohle- und Atomkraftwerke kaum regeln.

Eine intelligente Verknüpfung und Steuerung erneuerbarer Energien erfolgt in der Praxis schon in sogenannten Kombikraftwerken. In einem Pilotversuch von SolarWorld, Enercon, Schmack Biogas und der Universität Kassel wurden 36 über ganz Deutschland verstreute Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftanlagen zentral gesteuert und deckten den Strombedarf im Maßstab 1 zu 10.000. Auch unabhängige kommunale Energieversorger wie die Stadtwerke Unna haben mehrere kleine Erneuerbare-Energien-Anlagen zu einem Regelkraftwerk zusammengeschaltet.

Eine Alleinversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien – ist das in einem Industrieland wie Deutschland überhaupt möglich?

Das Ziel der Energiewende ist, im Jahr 2050 rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Das Energiewendekonzept beruht auf Szenarien und Berechnungen, nach denen das Ziel erreicht werden kann. Bereits jetzt steuern die erneuerbaren Energien ein Viertel des Stroms zum gesamten Stromverbrauch bei.