Deutsche Einheit

7. Februar 1990 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Oppositionsbündnis schließt sich zusammen

7. Februar 1990: Die Oppositionsgruppen „Neues Forum“, „Demokratie Jetzt“ und „Initiative Frieden und Menschenrechte“ schließen sich zum "Bündnis 90" zusammen. Sie erhoffen sich so für die Volkskammerwahl bessere Chancen.

Listenverbindung für Volkskammerwahl

Mit der Listenvereinigung wollen die drei Gruppen schlagkräftiger in den Wahlkampf ziehen. Das Bündnis tritt für eine stufenweise Annäherung der beiden deutschen Staaten ein; möchte aber aus dem Volk heraus ein neues, humanes und sozialistisches Ostdeutschland schaffen.

Bärbel Bohley, führende Vertreterin des Neuen Forums, sagt in den Fernsehnachrichten der „Aktuellen Kamera“, Ziele des Wahlbündnisses seien die Weiterführung der Demokratisierung sowie eine bessere ökologische und soziale Absicherung in der DDR.

Bohley weiter: „Dann sind wir sehr dafür, dass die Selbstbestimmung und auch die Eigenverantwortlichkeit der DDR-Bevölkerung nicht aufgesogen wird vom Westen, sondern dass wir unseren Weg selbst mitbestimmen wollen, und das gehört ganz wesentlich mit zur Demokratisierung.“

In der Bevölkerung hat sich aber bereits ein Stimmungswandel vollzogen. In Meinungsumfragen Anfang Februar 1990 sprechen sich bereits drei Viertel der Menschen in der DDR für eine zügige Wiedervereinigung aus. Das Angebot Helmut Kohls für eine Währungsunion und die Einführung der D-Mark am 6. Februar 1990 entfaltet Sogwirkung.

Enttäuschendes Ergebnis

Die Ergebnisse der ersten und einzigen freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990 fallen für die Bürgerbewegungen denn auch enttäuschend aus: Das „Bündnis 90“ erhält lediglich 2,9 Prozent der Stimmen und damit zwölf Mandate. Das Wahlbündnis bildet mit den acht Abgeordneten der Grünen Partei in der DDR die Fraktion „Bündnis 90/Grüne“.

Das Neue Forum hatte sich am 10. September 1989 gegründet. Im Herbst 1989 war es die mitgliederstärkste DDR-Bürgerbewegung. In ihrem Gründungsappell „Aufbruch 89 – Neues Forum“ beschreibt sich die Gruppe als „eine politische Plattform für die ganze DDR, die es Menschen aus allen Berufen, Lebenskreisen, Parteien und Gruppen möglich macht, sich an der Diskussion und Bearbeitung notwendiger lebenswichtiger Gesellschaftsprobleme in diesem Land zu beteiligen.“ Zu den Erstunterzeichner des Gründungsappells gehörten unter anderem Bärbel Bohley, Katja Havemann, Rolf Henrich, Jens Reich und Sebastian Pflugbeil.

„Die Grünen/Bündnis 90 BürgerInnenbewegung“

Um ihren politischen Einfluss zu vergrößern, gehen die Bürgerbewegungen nach und nach breitere Bündnisse ein. Am 5. August 1990 wird unter dem Namen „Die Grünen/Bündnis 90 BürgerInnenbewegung“ eine Listenverbindung ins Leben gerufen. Beteiligt sind neben „Bündnis 90“ auch die ostdeutschen Grünen, der Unabhängige Frauenverband sowie Einzelkandidaten der Vereinigten Linken.

Dieses Wahlbündnis tritt bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen am 2. Dezember 1990 gemeinsam an und gewinnt im Osten 6,1 Prozent der Stimmen. Es zieht mit acht ostdeutschen Abgeordneten in den ersten gesamtdeutschen Bundestag ein.