14. August 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Kohl schreibt an Honecker

14. August 1989: Bundeskanzler Helmut Kohl bittet SED-Chef Erich Honecker in einem Brief um eine konstruktive Lösung des Flüchtlingsproblems. Denn immer mehr DDR-Flüchtlinge kommen in die Auslandsvertretungen der Bundesrepublik, um ihre Ausreise zu beschleunigen.

Keine Zurückweisung der DDR-Flüchtlinge

Der Bundesregierung sei klar, dass die Entscheidung über eine Ausreise "ausschließlich bei den zuständigen Stellen der Deutschen Demokratischen Republik" liege, schreibt Kohl.

Der Kanzler betont auch, dass die Bundesregierung kein Interesse daran habe, möglichst viele Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik umzusiedeln. Dennoch werde man "niemanden, der sich an uns mit der Bitte um Hilfe wendet, zurückweisen und gewaltsam zum Verlassen unserer Vertretungen nötigen".

"Botschaftsbesetzungen" belasten die Beziehungen

Kohl befürchtet, dass die gegenwärtige Lage die Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten belasten könnte. "Negative Auswirkungen in allen Bereichen" seien nicht auszuschließen.

Deshalb habe Claus-Jürgen Duisberg, Leiter des Arbeitsstabs "Deutschlandpolitik" im Bundeskanzleramt, bereits am 11. August Kontakt mit dem DDR- Außenministerium aufgenommen.

Der Bundeskanzler appelliert an Honecker, zu einer konstruktiven Lösung des Flüchtlingsproblems beizutragen. Zum wiederholten Male bietet er "vertrauliche Gespräche zwischen Vertretern der Führungen beider Seiten" an.

Drei Tage später, am 17. August 1989, antwortet Honecker dem Bundeskanzler.

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