25. August 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Geheimtreffen auf Schloss Gymnich

25. August 1989: Bei einem geheimen Treffen im Gästehaus der Bundesregierung macht der ungarische Regierungschef dem Bundeskanzler eine Zusage: Ungarn werde seine Grenze öffnen, bis Mitte September könnten alle DDR-Flüchtlinge das Land in Richtung Westen verlassen.

Schloß Gymnich bei Erftstadt

Geheimtreffen Schloss Gymnich

Foto: picture-alliance/dpa

"Wir öffnen die Grenze"

1988 hat der Reformprozess in Ungarn begonnen. Das Ostblockland will sich zu einer Demokratie entwickeln und nach Westen öffnen. Wie ernst es ihm damit ist, hat das "Paneuropäische Picknick" an der ungarisch-österreichischen Grenze gezeigt: Am 19. August 1989 haben die Außenminister der beiden Staaten symbolisch ein altes Grenztor geöffnet. Mehrere hundert DDR-Bürger haben diese Gelegenheit zur Flucht genutzt.

Jetzt, sechs Tage danach, fliegen der ungarische Ministerpräsident Miklós Németh und sein Außenminister Gyula Horn unter strenger Geheimhaltung in die Bundesrepublik. Auf Schloss Gymnich bei Bonn treffen sie ihre deutschen Amtskollegen Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher. Zunächst geht es um die Lage in Ungarn und anderen Ostblockstaaten, dann aber auch um die DDR-Flüchtlinge.

Und Németh erklärt: "Eine Abschiebung der Flüchtlinge zurück in die DDR kommt nicht in Frage. Wir öffnen die Grenze. Wenn uns keine militärische oder politische Kraft von außen zu einem anderen Verhalten zwingt, werden wir die Grenze für DDR-Bürger geöffnet halten." Bis Mitte September könnten alle Deutschen ausreisen. Der ungarische Regierungschef verlangt keinerlei Gegenleistung. "Ungarn verkauft keine Menschen", sagt er.

"Die Ungarn sind gute Leute"

Gleichwohl sagt die deutsche Seite einen Kredit über fünfhundert Millionen D-Mark zu; darüber verhandelt die Bundesregierung schon seit längerem mit Ungarn. Außerdem will die Bundesregierung den Visumzwang für ungarische Reisende abschaffen und Ungarn bei einem Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft unterstützen.

Tags darauf telefoniert der Bundeskanzler mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow. Kohl will herausfinden, ob die Sowjetunion den Ungarn Steine in den Weg legt. Doch Gorbatschow sagt: "Die Ungarn sind gute Leute." Damit ist klar, dass die ungarische Regierung für ihre Grenzöffnung den Segen Moskaus hat.

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