23. November 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Die Privilegien der höchsten Genossen

23. November 1989: Durch einen Fernsehbeitrag erfahren die Menschen in der DDR, welche Privilegien die SED-Spitzenfunktionäre jahrzehntelang genossen haben: Zum ersten Mal ist zu sehen, was es mit der "Waldsiedlung" in Wandlitz auf sich hat.

Eine eigene Wohnsiedlung im Grünen

Seit 1960 haben die Mitglieder und Kandidaten des SED-Politbüros ihre eigene Wohnsiedlung. Streng abgeschirmt und bestens gesichert: Das Wachregiment Feliks Dzierzynski, das der Stasi untersteht, bewacht den angeblichen "militärischen Sicherheitskomplex" rund um die Uhr.

Jeder der Spitzengenossen bewohnt ein Ein-Familien-Haus mit Garten. Erich Honecker und seine Frau Margot haben es sich beispielsweise in Haus Nr. 11 gemütlich gemacht, Egon Krenz in Haus Nr. 4, Stasi-Chef Erich Mielke in Haus Nr. 14. Insgesamt 23 der höchsten SED-Nomenklaturkader leben hier bis zum Herbst 1989.

Sie verfügen über ein eigenes "Klubhaus", ein eigenes Kino, eine Arztpraxis, ein Schwimmbad mit Sauna und sogar eine eigene Autobahnausfahrt. 60 Hausangestellte, von der Stasi handverlesen, kümmern sich um das Wohl der Waldsiedlungs-Bewohner.

Die SED-Spitze kennt keine Versorgungsmängel

Während die Versorgungslage in weiten Teilen der DDR immer schlechter geworden ist, haben die Spitzenfunktionäre und ihre Familien alles erhalten, was sie wollten – auch Westprodukte, die selbst in "Intershops" nicht zu haben waren. In der Waldsiedlung gab es eine Sonderverkaufsstelle, genannt "Ladenkombinat". Westliche Konsumgüter, die dort gerade nicht vorrätig waren, ließen sich per Katalog bestellen. Die Produkte beschaffte die Abteilung "Kommerzielle Koordinierung" von Alexander Schalck-Golodkowski.

Am 23. November 1989 gelingt es einem Reporter des DDR-Jugendsenders "Elf99" mit seinem Kamerateam, Aufnahmen in der Waldsiedlung zu machen. Der Fernsehbericht schlägt hohe Wellen.

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