9. November 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

Die Mauer ist offen!

9. November 1989: Endlich – nach 28 Jahren ist die Mauer wieder offen. "Wahnsinn!" – bis heute klingt der Freudenschrei der Menschen nach, die am Abend den Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße überqueren können. Unvergessen auch die Bilder von den jubelnden Menschen am Brandenburger Tor.

Nach der Öffnung der DDR-Grenzen zur Bundesrepublik am 9.11.1989 drängen sich in der Nacht zum 10.11.1989 unzählige DDR-Bürger und Autos am Grenzübergang an der Bornholmer Brücke, um nach West-Berlin zu kommen.

Die Mauer ist offen

Foto: Andreas Schoelzel

Eine Pressekonferenz mit Folgen

Es ist der Abend des 9. November 1989. Noch ist die Welt, noch ist Deutschland in Ost und West geteilt. Eine unüberwindliche Mauer trennt Berlin in zwei Teile.

Doch der Druck der friedlichen Demonstrationen und der Massenflucht der letzten Monate zeigt Wirkung. Das SED-Politbüro beschließt Regelungen für die freie Ausreise und für Besuchsreisen. Am nächsten Morgen sollen die neuen Bestimmungen über die Nachrichtenagentur ADN verbreitet werden.

Als Politbüro-Mitglied Günter Schabowski gegen 18:45 Uhr vor die Presse tritt, erwarten die Journalisten Näheres zu diesen Beschlüssen. Welche "Reiseerleichterungen" sind konkret geplant? Wen betreffen sie?

"Ab sofort!"

Auf die Frage eines Korrespondenten, wann die neue Reiseregelung in Kraft tritt, sagt Schabowski: "Sofort - unverzüglich". Da ist es kurz vor 19:00 Uhr. Die Journalisten stürmen in ihre Büros und informieren ihre Redaktionen. Die Sensationsmeldung geht in Minutenschnelle um die Welt: Die Mauer ist offen, die Menschen in der DDR können in den Westen fahren!

In Ostberlin verfolgen viele Menschen die Pressekonferenz im Fernsehen. Als die Nachricht von den westlichen Rundfunk- und Fernsehstationen bestätigt wird, ziehen mehrere Tausend zu den Grenzübergängen und fordern die sofortige Öffnung.

Nur: Die Grenzsoldaten sind noch gar nicht über das neue Reisegesetz informiert. Es hätte an den Grenzübergängen leicht zu Gewaltakten und Blutvergießen kommen können. "Das war eine gefährliche Situation", erinnert sich Günter Schabowski später in einem Interview. "Deswegen sage ich immer: Das eigentliche Wunder des 9. November bestand darin, dass es nicht zu dieser blutigen Eskalation gekommen ist."

Stempel im Personalausweis

Als erstes öffnen die Grenzer unter dem Ansturm der Massen um 21:20 Uhr den Grenzübergang an der Bornholmer Straße. Noch werden die Ausreisenden kontrolliert und ihre Personalausweise ungültig gestempelt. Nach ersten Reportagen des Radiosenders RIAS über offene Grenzübergänge sammeln sich immer mehr Menschen an den Übergängen. Bis Mitternacht sind schließlich alle Grenzübergänge im Berliner Stadtgebiet geöffnet, Tausende Ostberliner drängen in den Westen und werden dort mit unbeschreiblichem Jubel empfangen. Am Brandenburger Tor und auf dem Kurfürstendamm gibt es einen großen Volksauflauf, die Menschen liegen sich in den Armen. Ganz Berlin feiert tagelang.

Als die Nachricht um 20:30 Uhr im Deutschen Bundestag in Bonn eintrifft, unterbrechen die Abgeordneten ihre Sitzung und stimmen spontan die Nationalhymne an.

Hasko Weber, damals Schauspielstudent, spielte an diesem Abend in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, Theater. Gemeinsam mit anderen jungen Schauspielern wollte er das System in der DDR verändern.

Beitrag teilen
Schlagwörter