2. Oktober 1990

DDR-Volkskammer löst sich auf

2. Oktober 1990: Wenige Stunden vor der Deutschen Einheit tagt die Volkskammer zum letzten Mal – ohne eine Spur von Wehmut, trotz der kurzen Amtszeit von 181 Tagen.

Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl leitete am 02.10.1990, einen Tag vor der Wiedervereinigung, die letzte Sitzung der DDR-Volkskammer. Die 'Ordnungs'-Glocke wird nach der Sitzung ihr Souvenir.

1990-10-02 Auflösung der DDR-Volkskammer

Foto: picture-alliance/ZB

Einheit in Freiheit

Bei der letzten Sitzung der Volkskammer in Ostberlin verabschiedet sich das erste und einzige frei gewählte Parlament der DDR. Sprecher aller Fraktionen würdigen die Arbeit des Parlaments: 181 Tage arbeitete die Volkskammer daran mit, den Weg in die Deutsche Einheit zu ebnen – mit Erfolg.

DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière wendet sich in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung: „In wenigen Stunden tritt die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland bei. Wir Deutschen erreichen die Einheit in Freiheit. … Ich glaube, wir alle haben Grund, uns zu freuen und dankbar zu sein.“

Auch für Bundeskanzler Helmut Kohl ist dieser Augenblick einer der glücklichsten in seinem Leben, wie er in an diesem historischen Tag in einer Ansprache bekennt: „In wenigen Stunden wird ein Traum Wirklichkeit.“

Herausforderungen für das vereinte Deutschland

Trotz Euphorie: Mit der Vereinigung allein ist es nicht getan – da sind sich alle einig.

Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl betont in ihrer Abschiedsrede: „Morgen wird die staatliche Einheit vollendet. Mit der Einheit in unseren Köpfen und Herzen stehen wir jedoch noch am Anfang unseres Vereinigungsprozesses. Viel Geduld und Einfühlungsvermögen auf beiden Seiten werden notwendig sein, damit keine Seite Schaden nimmt.“

Es warten soziale, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen auf das vereinte Deutschland. Doch die wollen und können gelöst werden – „nicht über Nacht, aber jedoch in einer überschaubaren Zeit“, verspricht Kohl.

Die Einheit einläuten

Die Auflösung weiterer DDR-Institutionen geschieht noch am selben Tag: Die ständigen Vertretungen in Ostberlin und Bonn schließen, die diplomatischen Beziehungen der DDR werden beendet, die Nationale Volksarmee wird aufgelöst.

Um 21.00 Uhr beginnt mit Beethovens 9. Symphonie im Berliner Schauspielhaus der Festakt zur Vereinigung, das „Fest der Einheit“. Niemand möchte sich das historische Ereignis entgehen lassen. Gäste aus Ost und West reisen an. Vor dem Reichstag in Berlin versammeln sich Hunderttausende, um die offizielle Vereinigung mitzuerleben. Fernsehstationen aus aller Welt positionieren sich. Alle warten auf Mitternacht.

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