16. Mai 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

DDR steht vor dem finanziellen Abgrund

16. Mai 1989: Ein interner Kreis von Wirtschaftsexperten des SED-Politbüros trifft zusammen. Staatsplanungschef Gerhard Schürer leitet die inoffizielle Runde und macht deutlich: Die finanzielle Lage der DDR wird immer instabiler.

Die Buna-Werke in Schkopau

DDR finanzieller Abgrund

Foto: picture alliance/akg-images

Es ist fünf vor zwölf

Die Westverschuldung der DDR nehme gegenwärtig um über 500 Millionen DM im Monat zu, erklärt Schürer dem Gremium. Setze die DDR diese Entwicklungen weiter fort, sei der Staat 1991 nicht mehr zahlungsfähig.

Die Nachricht aus der Staatlichen Planungskommission zeigt: Die DDR befindet sich in einer prekären Lage. Und das ist nicht erst seit gestern bekannt. Seit Ende 1987 wissen die Wirtschaftsverantwortlichen von der DDR-Westverschuldung und sind ratlos.

Hilfe aus dem Westen

Die DDR war auf Kredite aus dem Westen angewiesen: Nur so hatte der Staat die Chance, Güter zu importieren, die er selbst nicht besaß oder produzieren konnte.

Aber auch „Errungenschaften des Sozialismus“ wie Vollbeschäftigung, freie medizinische Versorgung oder niedrige Mieten mussten finanziert werden – für die Wirtschaftsverantwortlichen der DDR ein immer größeres Verhängnis. Fehlender Wettbewerb, marode Produktionsanlagen und geringe Produktqualität waren da nicht vorteilhaft. Im Gegenteil - Exporte konnten immer weniger realisiert, die Westkredite weniger beglichen werden. Schrittweise näherte sich die DDR dem finanziellen Abgrund.

Noch deutlicher wird das im Oktober des Jahres, als Schürer dem SED-Politbüro eine schonungslose Analyse der finanziellen und wirtschaftlichen Lage der DDR vorlegt.

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