3. Oktober 1989 - Auf dem Weg zur Deutschen Einheit

DDR schließt Grenze zur Tschechoslowakei

3. Oktober 1989: Die DDR-Führung will die Ausreisewelle stoppen. Nach Gesprächen mit der Regierung in Prag wird der pass- und visafreie Verkehr zwischen der DDR und der Tschechoslowakei mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.

SED will Ausreisewelle stoppen

Seit dem Sommer strömen tausende DDR-Bürger in die Tschechoslowakei. Sie wollen von dort weiter in den Westen, entweder über die Botschaft in Prag oder über Ungarn. Die DDR will der Massenflucht nicht weiter zusehen und riegelt den Weg in den Westen über die Tschechoslowakei ab. Der seit den 1970-er Jahren bestehende visafreie Reiseverkehr wird kurzerhand ausgesetzt.

Mehr als 2.000 DDR-Bürger versuchen an diesem Tag vergeblich über die Grenze zum südöstlichen Nachbarn zu gelangen. In Dresden werden etwa 800 DDR-Bürger aus den Zügen Richtung Prag geholt. Sie besetzen daraufhin die Gleise und Bahnsteige. Unterstützung kommt von Dresdner Bürgern, die gegen die Aufhebung des visafreien Reiseverkehrs demonstrieren.

Protest gegen Reiseeinschränkungen

Brutal werden Reisende und Demonstranten aus dem Bahnhof vertrieben. Doch sie demonstrieren in der Innenstadt von Dresden weiter. Viele Menschen schließen sich an. Auch in anderen Städten gehen die Menschen auf die Straßen. Entlang der Bahnstrecke zur Tschechoslowakei besetzen DDR-Bürger die Gleise und unterbrechen den Zugverkehr. In Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) blockieren 120 Demonstranten den Bahnhof. In Eisenach und Ruhla legen die Menschen die Arbeit nieder.

Trotzdem hält die Abstimmung mit den Füßen an. Viele glauben nicht an Reformen in der DDR und versuchen weiter über Polen, Ungarn oder Bulgarien zu fliehen.

Beitrag teilen