Hilfsangebote für Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch

Sexueller Kindesmissbrauch Hilfsangebote für Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch

Tagtäglich erleben viele Kinder und Jugendliche in unserem Land sexuelle Gewalt. Sie brauchen Hilfsangebote und Unterstützung. Die Bundesregierung ist seit Jahren engagiert, um Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt jeglicher Art zu schützen. Doch welche Stellen gibt es konkret, an die sich Betroffene oder ihre Angehörigen wenden können?

Foto zeigt ein junges Mädchen.

Die Bundesregierung ist stark engagiert, um Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt jeglicher Art zu schützen. 

Foto: mauritius images / Aleksandr Davydov / Alamy

Sexuelle Gewalt ist für tausende Kinder in Deutschland leider alltäglich. Nur wenige Täter und Täterinnen sind den betroffenen Kindern oder Jugendlichen wirklich fremd. Sexueller Missbrauch findet nach Angaben des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung am häufigsten innerhalb der engsten Familie statt (circa 25 Prozent) sowie im sozialen Nahraum (circa 50 Prozent), zum Beispiel im erweiterten Familien- und Bekanntenkreis, durch Personen, die die Kinder und Jugendlichen gut kennen, zum Beispiel aus Nachbarschaft, Schule oder Vereinen.

Aus diesem Grund steht bei der jährlichen Aktionswoche des Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten in diesem Jahr der Missbrauch in der Familie oder im „sozialen Nahfeld“ von Kindern im Zentrum. Mit der Aktionswoche rund um den europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor Ausbeutung und sexueller Gewalt sollen bestehende Hilfsangebote bekannter gemacht werden. 

Seit 2015 findet jährlich am 18. November der Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexueller Gewalt auf Initiative des Europarates statt. Ziel ist es, mit dem Europäischen Tag gegen alle Formen sexueller Gewalt an Kindern anzukämpfen und nationale wie europaweite Aktivitäten besser zu vernetzen und bekannt zu machen. 

Konkrete Hilfsangebote

Die Bundesregierung ist seit Jahren stark engagiert, um Kinder und Jugendliche besser vor sexueller Gewalt jeglicher Art zu schützen. Es gibt Hilfsangebote. Wichtige Anlaufstellen für Betroffene sind:

  • Hilfe-Portal sexueller Kindesmissbrauch: Eine gute erste Anlaufstelle ist das Hilfe-Portal sexueller Kindesmissbrauch des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Es richtet sich an Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und alle, die Hilfe und Unterstützung suchen. Die Menschen sollen wissen, dass es Hilfe gibt und an wen sie sich wenden können. Neben umfangreichen Informationen (u. a. zu Beratung, Selbsthilfe oder rechtlichen Fragen) bündelt es bestehende Angebote und lotst je nach Anliegen zu passenden Unterstützungs- und Hilfeangeboten. Über eine deutschlandweite Datenbank können beispielsweise spezialisierte Beratungsstellen, Krisendienste, Psychotherapeuten oder anwaltlicher Beistand gefunden werden.
  • Hilfe-Telefon sexueller Kindesmissbrauch: Wer von sexueller Gewalt betroffen ist, sich um ein Kind sorgt, einen Verdacht oder ein komisches Gefühl hat oder sich unsicher ist und Fragen zum Thema stellen möchte, kann sich auch vertrauensvoll an das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch wenden. Es ist eine Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten. Die pädagogisch und psychologischen Beraterinnen und Berater unterstützen bei allen Fragen zum Thema kostenlos und anonym. Wenn gewünscht zeigen sie Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung vor Ort auf. Zu erreichen ist das Hilfetelefon unter der Nummer 0800 22 55 530 oder auch online. 
  • Online-Beratungsangebot „Kein Kind alleine lassen: Mit der Kampagne „Kein Kind alleine lassen" hat der Missbrauchsbeauftragte des Bundes zu Beginn der Corona-Pandemie eine Aktion gegen (sexualisierte) Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gestartet. Auf der Seite finden Kinder und Jugendliche direkten Kontakt zu Beratungsstellen und auch Erwachsene bekommen Informationen, was sie bei sexueller und anderer familiärer Gewalt tun können. Der Bereich für Kinder und Jugendliche bietet Direktkontakt per Chat, Mail oder Telefon zu Hilfeangeboten. Kinder finden hier auch Tipps, was sie tun können, wenn sie von Gewalt bedroht sind. Ergänzt wird das Angebot mit den Kontaktdaten wichtiger Kinder- und Jugendberatungsstellen. 
  • Webportal Wissen-hilft-schützen.de: Dieses Webportal bietet Informationen und Materialien zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Es wendet sich vor allem an Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Betreuungspersonal und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, denn neben Eltern sind sie am meisten gefragt, wenn es um Prävention und Hilfe geht. Es gibt neben allgemeinen Informationen zum Beispiel auch Arbeitsmaterialien für den Unterricht, Workshop-Angebote oder Fortbildungsangebote.
  • Nummer gegen Kummer: Die Nummer gegen Kummer – u.a. finanziert vom Bundesfamilienministerium – ist ein Kinder- und Jugendtelefon, das bei kleinen und großen Problemen ein kompetenter Ansprechpartner ist. Bei den täglich rund 1.500 Anrufen geht es um Liebeskummer, Probleme in der Schule oder mit den Eltern, aber auch um sexuellen Missbrauch oder Suizidgedanken. Die Beratenden der „Nummer gegen Kummer“ sind Gesprächspartner, die die Anonymität der bzw. des Ratsuchenden wahren und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr ist die Nummer kostenlos und anonym unter 116 111 erreichbar. Samstags stehen übrigens nur Jugendliche als Gesprächspartner zur Verfügung, für alle diejenigen, die lieber mit Gleichaltrigen als mit Erwachsenen sprechen möchten. Auf der Seite gibt es auch eine Online-Beratung.

    Eltern können bei Sorgen um ihr Kind die Hotline 0800 111 0 550 anrufen. Das Elterntelefon ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 19 Uhr besetzt. Es unterstützt Eltern und andere Erziehende in den oft schwierigen Fragen der Erziehung Ihrer Kinder.

Mehr Infos zur Aktionswoche (15.-21.11.) des Unabhängigen Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs gibt es hier.

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