GFFA und Internationale Grüne Woche
In Anbetracht von Kriegen und Konflikten sowie multipler Krisen wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust hat sich das Global Forum for Food and Agriculture auf weitere Maßnahmen zur globalen Ernährungssicherung verständigt. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir unterstrich dabei die Bedeutung des Kampfes gegen den Hunger für den weltweiten Frieden.
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Es bleiben nur noch sieben Jahre, um das Ziel der Agenda 2030 – „Eine Welt ohne Hunger“ – zu erreichen.
Foto: mauritius images / Hans-Peter Merten
Weltweit leiden bis zu 828 Millionen Menschen an Hunger. Etwa 2,3 Milliarden – das sind fast 30 Prozent der Weltbevölkerung – haben keinen zuverlässigen und sicheren Zugang zu ausreichender Ernährung. Es muss dringend gehandelt werden. Nur noch sieben Jahre bleiben, um das Ziel der Agenda 2030 – „Eine Welt ohne Hunger“ – zu erreichen.
Rund 2.000 internationale Gäste haben auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) im Rahmen der Grünen Woche in Berlin die drängendsten Fragen diskutiert: Welche konkreten Maßnahmen können wir ergreifen, um Hunger und Fehlernährung weltweit schneller und wirksamer zu bekämpfen? Was können wir dabei voneinander lernen?
Das GFFA ist eine auf internationaler Ebene fest etablierte Konferenz zu zentralen Zukunftsfragen der Ernährung und Landwirtschaft. Mehr als 20 Veranstaltungen fanden im Rahmen des GFFA vom 17. bis 20. Januar 2024 statt, darunter drei High Level Panels, 16 Fachpodien, ein Science Slam sowie ein Innovationsforum. Weitere Informationen gibt es auf der GFFA-Homepage.
Agrarministerkonferenz als politischer Höhepunkt
Den Auftakt des GFFA machte das Internationale Junglandwirteforum mit Vertretern aus fünf Kontinenten. Am letzten Konferenztag am 20. Januar fand die weltweit größte Agrarministerkonferenz statt. Sie ist der politische Höhepunkt des GFFA. Etwa 65 Agrarministerinnen und -minister aus aller Welt haben ein gemeinsames politisches Kommuniqué für die Weiterentwicklung der weltweiten Ernährungssysteme beschlossen.
Bundesagrarminister Cem Özdemir hob bei der Konferenz die Bedeutung des Kampfes gegen den Hunger für die weltweite Sicherheit hervor: „Gesicherte Ernährung ist ein Beitrag für den Frieden“, so Özdemir. Die Klimakrise und Artensterben, Russlands Krieg gegen die Ukraine sowie weitere Konflikte verschärften diese Situation. In der globalen Zusammenarbeit komme es auf einen Wissenstransfer und die Stärkung der Eigenversorgung an. „Nur gemeinsam schaffen wir Ernährungssicherheit“, so Özdemir weiter. Dabei setze man auf echte Partnerschaften gerade mit den Ländern des globalen Südens. Der Minister verteidigte zudem das internationale finanzielle Engagement Deutschlands: „Indem wir anderen helfen, helfen wir uns selber.“ Dies trage dazu bei, dass die Welt sicherer werde.
Wesentliche Ergebnisse der 16. Berliner Agrarministerkonferenz
- Menschenrecht auf Nahrung umsetzen
Angemessene Nahrung muss für alle verfügbar, zugänglich und bezahlbar sein. Dazu sollen die Freiwilligen Leitlinien zum Recht auf Nahrung der FAO besser umgesetzt werden. - Nachhaltige und resiliente Transformation der Ernährungssysteme
Die Ministerinnen und Minister verpflichten sich zur beschleunigten Entwicklung hin zu einer nachhaltigen, lokalen, standortangepassten und resilienten Landwirtschaft. - Klimaschutz und Biodiversität
Agrarökologische Ansätze, ökologischer Landbau, Agroforstsysteme und Kreislaufwirtschaft sollen dazu beitragen, die Klimakrise und den Biodiversitätsverlust aufzuhalten. Regionale Kreisläufe und regionale Lieferketten sowie nachhaltiger Konsum werden gefördert. - Stärkung vulnerabler Gruppen
Sie sind von Ernährungsunsicherheit, Mangelernährung und multiplen Krisen besonders betroffen. Dabei ist gleichberechtigte Teilhabe, insbesondere der jungen Generation und von Frauen, von entscheidender Bedeutung. - Rolle von Frauen im landwirtschaftlichen Sektor stärken
Indem Frauen in der Landwirtschaft — auch in Führungspositionen — gefördert werden und einen besseren Zugang zu Land und Betriebsmitteln bekommen. - Governance fördern
Nachhaltigkeit braucht funktionierende Strukturen. Dies gilt insbesondere für sichere Landrechte, den Zugang zu hochwertigem Saatgut sowie einen gerechten Zugang zu Finanzmitteln und ländlicher Infrastruktur. - Globale Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren
Dies soll entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfolgen. Dafür müssen Lebensmittelverluste und -verschwendung gemessen werden und alle Akteure engagiert mitwirken. - Dünge- und Pflanzenschutzmanagement verbessern
So sollen Erträge stabilisiert werden, um eine weltweite Versorgungsknappheit zu vermeiden. Das Düngemanagement soll Teil der integrierten, nachhaltigen Bodenbewirtschaftung sein. Länder des globalen Südens sind bei der nachhaltigen Produktion von Düngemitteln zu unterstützen.
Internationale Grüne Woche noch bis zum 28. Januar
Zeitgleich mit dem GFFA ist am 19. Januar die Internationale Grüne Woche (IGW) – die internationale Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau – gestartet. Aussteller aus aller Welt präsentieren bis zum 28. Januar ein umfangreiches Produktangebot. Zudem gibt die Grüne Woche aktuellen gesellschaftlichen Fragen wie Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltige Landnutzung eine Bühne.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir lobte bei der Eröffnung der Messe die Landwirtschaft als „wichtigen Teil unserer Gemeinschaft in ländlichen Räumen“. Die Landwirtschaft zukunftsfest zu machen, heiße auch immer, die ländlichen Räume zu stärken, sagte der Landwirtschaftsminister. Die Menschen auf dem Land dürften nicht das Gefühl haben, dass die Politik nur die städtische Sicht einnehme.
Bundesregierung auf IGW stark vertreten
Gleich drei Bundesministerien präsentieren sich auf der IGW. Unter dem Motto „Landwirtschaft macht gutes Essen: Nachhaltig!“ präsentiert das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) bürgernah und interaktiv seine politischen Schwerpunkte und Forschungsinnovationen. Die Themen reichen von „Guter Ernährung“ über „Artenvielfalt und Klimaschutz“, „Ländliche Regionen und regionale Wertschöpfung“ bis hin zu „Zukunftsfester Tierhaltung“ und das weltweite „Recht auf Nahrung“. Zudem können sich Interessierte über den Ökologischen Landbau informieren.
Insekten dürfen probiert werden
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zeigt konkrete Beispiele, wie ein Leben ohne Hunger erreichbar wird – zum Beispiel durch alternative Anbaumethoden oder faire Wertschöpfungsketten. Zudem bietet das BMZ ein umfassendes Bühnenprogramm rund um das Thema globale Ernährungssicherung an.
Ein kulinarisches Erlebnis am BMZ-Stand ist die Verkostung von Insekten und innovativen pflanzenbasierten Lebensmitteln: Sie können als proteinreiches Superfood einen wichtigen Beitrag leisten, den Hunger in der Welt zu mindern. Bei einem Schulprogramm geht es um Hintergründe zur Produktion von Kakao, Kaffee und Soja sowie um bessere Arbeitsbedingungen vor Ort.
BMUV: Moorschutz und Verbraucherschutz im Fokus
Am Messestand des Bundesumweltministeriums (BMUV) kann das Publikum erleben, wie wichtig intakte Moore und deren Wiedervernässung für ihre Funktion als natürliche Klimaschützer sind. Anschauliche Exponate laden zum Ausprobieren und Aktivwerden ein – die Gäste können etwa ein Moor als 360° -Visualisierung erleben.
Beim Thema Verbraucherschutz geht es um stärkere Verbraucherrechte und darum, Handel und Dienstleistungen fair und transparent zu gestalten. Der bewusste Einkauf von nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen soll erleichtert werden.
Quizze und verschiedene Aktionen laden zum Mitmachen ein. Zudem vermittelt ein unterhaltsames und informatives Bühnenprogramm Wissen und Tipps für den eigenen Alltag.