Bessere Datenerfassung, weniger Resistenzen

Antibiotika in der Tierhaltung Bessere Datenerfassung, weniger Resistenzen

Die Datenerfassung zur Antibiotikaverwendung bei Nutztieren wird ab 2023 neu geregelt. Ziel ist der umsichtigere Einsatz von Antibiotika und damit die Vermeidung von Antibiotikaresistenzen. Das Bundeskabinett hat eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen.

Schweine stehen in ihrem Stall bei einem Mastbetrieb

Der Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren soll besser erfasst und dauerhaft gesenkt werden.

Foto: picture alliance/dpa

Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den wirkstoff- und anwendungsbezogenen Antibiotikaeinsatz in landwirtschaftlichen Betrieben zu erfassen und zu senken. Mit Änderungen im Tierarzneimittelgesetz, die das Bundeskabinett nun beschlossen hat, wird ein wichtiger Schritt dazu gegangen.

Zudem wird mit den Regelungen EU-Recht durchgesetzt. Demnach müssen Mitgliedstaaten ab 2024 jährlich umfassende Daten zur Anwendung von Antibiotika bei Tieren an die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) übermitteln.

Antibiotika-Minimierungskonzept wird erweitert

Mit den beschlossenen Änderungen wird das nationale Antibiotika-Minimierungskonzept aktualisiert und erweitert. Unter anderem werden diese Änderungen konkret vorgenommen:

  • Bislang nicht erfasste, jedoch bedeutende Tierhaltungen, wie Milchkühe, Zuchtsauen und Legehennen, werden in das Antibiotika-Minimierungskonzept aufgenommen.
  • Die Meldepflicht für Behandlungen mit antibiotischen Arzneimitteln soll künftig bei den Tierärztinnen und -ärzten liegen.
  • Es werden halbjährlich Daten zu jeder Antibiotika-Behandlung von Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten erfasst – unabhängig von der Nutzung der Tiere oder der Größe des Bestandes.

Umbau der Nutztierhaltung notwendig

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat angekündigt, den Umbau der Nutztierhaltung in dieser Legislaturperiode voranzutreiben. Eine artgerechtere und damit auch nachhaltigere Tierhaltung ist ein zentrales Element, um eine Verringerung der Anwendung von Antibiotika bei Tieren zu erreichen.

Das Gesamtvorhaben zukunftsfeste Tierhaltung umfasst vier zentrale Bausteine. Dabei handelt es sich um eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung, ein Förderkonzept für den Umbau der Ställe, inklusive einer langfristigen Perspektive für die Betriebe, bessere Regelungen im Tierschutzrecht und Anpassungen im Bau- und Genehmigungsrecht.

Anfang Juni 2022 stellte der Bundesminister Eckpunkte für das verbindliche Tierhaltungskennzeichen vor. Es werden durch die Kennzeichnung die tatsächlichen Haltungsbedingungen in den Ställen sichtbar gemacht. Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten mehr Transparenz. Zudem werden die damit im Zusammenhang stehenden Pflichten der Marktteilnehmer auf den verschiedenen Ebenen geregelt, also der Landwirtinnen und Landwirte oder derjenigen, die das Lebensmittel vermarkten.

Das BMEL setzt sich außerdem auf EU-Ebene dafür ein, weitergehende europaweite Restriktionen für die Antibiotika-Anwendung bei Tieren vorzusehen.

Im Januar 2022 veröffentlichte das BMEL ein Lagebild zur Antibiotikaresistenz in Deutschland 2021. Unter anderem wird deutlich, dass die Gesamtabgabemenge antibakteriell wirksamer Tierarzneimittel seit 2011 bis 2021 deutlich reduziert werden konnte. Die Resistenzsituation stellt sich heterogen dar – je Tierart und Haltung. Alle Ergebnisse sind beim  Bundeslandwirtschaftsministerium einsehbar.