Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats
Die Wälder zu schützen und sie als Klimaschützer Nummer eins zu erhalten, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Waldpolitik. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums hat nun mit seinem Gutachten die bereits eingeleiteten Maßnahmen der „Waldstrategie 2050“ der Bundesregierung bestätigt.
2 Min. Lesedauer
Mit der „Waldstrategie 2050“ hat die Bundesregierung auf die Bedrohung der Wälder reagiert.
Foto: imago images/Arnulf Hettrich
Der Klimawandel verändert unsere Wälder auf vielfältige Weise, heißt es im Gutachten, das Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vom Wissenschaftlichen Beirat am Mittwoch entgegengenommen hat. Auch der „Waldbericht 2021“ bestätigte bereits den schlechten Zustand der Wälder und den dringenden Handlungsbedarf. Die Schäden im deutschen Wald haben massiv zugenommen: lichte Kronen bei vier von fünf Bäumen, Vitalitätseinbußen und Schadsymptome bei fast allen Hauptbaumarten. Noch nie waren so viele Bäume wie im Jahr 2020 abgestorben.
Der Wissenschaftliche Beirat zielt mit seinen Empfehlungen darauf ab, die Vielfalt der Ökosystemleistungen der Wälder langfristig sicherzustellen. Dafür seien vor allem resiliente und anpassungsfähige Wälder notwendig, sagte Prof. Dr. Jürgen Bauhus, Vorsitzender des Beirats. Im Gutachten heißt es dazu, ein besonderes Augenmerk sei auf die zukünftige Struktur und Baumartenzusammensetzung der Wälder zu legen. Natürliche Biotope, Habitate und Ökosysteme müssten so weit wie möglich erhalten und gefördert werden.
Bewirtschaftung von Wäldern auch zukünftig sicherstellen
Auch künftig müsse die Bewirtschaftung von Wäldern unter Beachtung und Milderung von deren negativen Folgen möglich bleiben. Zugleich erfordere dies eine Anpassung der Holzwirtschaft. Die Politik müsse dafür die Rahmenbedingungen schaffen, die auch „im Sinne der Generationengerechtigkeit künftigen Generationen die gleichen Optionen für die Nutzung der Wälder bieten wie der heutigen Generation“. Betriebe und Institutionen müssten in die Lage versetzt werden, diese Daueraufgabe der Anpassung zu bewerkstelligen, heißt es im Gutachten.
Mit „Waldstrategie 2050“ richtiger Weg eingeschlagen
Mit der „Waldstrategie 2050“ hat die Bundesregierung bereits auf die Bedrohung der Wälder reagiert, wesentliche Handlungsfelder aufgezeigt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. So gibt das Leitbild der Waldstrategie vor, Wälder mit ihren vielfältigen Ökosystemleistungen für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft, die Natur sowie die Wirtschaft zu erhalten. Sie müssten an die sich weiter ändernden klimatischen Bedingungen angepasst werden.
Die Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats zielen genau darauf ab und bestätigen damit die Waldpolitik des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Mit 1,5 Milliarden Euro hat das BMEL das größte ökologische Waldumbauprogramm in der Geschichte Deutschlands gestartet. 280.000 Hektar Waldfläche weisen Schäden auf, die wiederbewaldet werden müssen. Auf mehreren Tausend Hektar wurden bereits überwiegend reine Laubwälder und Mischwälder mit einem hohen Anteil von Laubbäumen neu begründet, die standortangepasst und klimastabil sind.
Aktuell haben sich mehr als hundert Länder auf der 26. Weltklimakonferenz (COP 26), darunter Deutschland, auf einen verstärkten Kampf gegen die globale Vernichtung der Wälder geeinigt. Die globale Entwaldung soll bis 2030 gestoppt werden.
Zentrale Handlungsempfehlungen des Beirates
- Resiliente und anpassungsfähige Wälder erhalten und entwickeln
- Waldschutz gegenüber biotischen Risiken, also Schäden durch beispielsweise Befall von Insekten, pilzliche Schaderreger oder Käfern, verbessern
- Risikomanagement zum Umgang mit Extremereignissen weiterentwickeln
- Biodiversität sichern und erhöhen
- Boden und Wasser schützen
- Nachhaltige Holzverwendung fördern
- Wälder als Orte für Erholung, Sport und Tourismus entwickeln
- Ökosystemleistungen honorieren
- Monitoring optimieren
- Forschungskapazitäten stärken, besser vernetzen und neu ausrichten
Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik berät und unterstützt die Bundesregierung bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Der Beirat ist mit Vertretern verschiedener wissenschaftlicher Fachdisziplinen besetzt. Er prüft die Ziele und Grundsätze der nationalen und internationalen Waldpolitik.