Regionalkonferenz in Bremen
Der Workshop hat sich mit der Frage beschäftigt, wie die Landwirtschaft ihre Treibhausgasemissio-nen verringern sowie auch als Kohlenstoff-Speicher dienen könnte. Im Fokus stand auch, wie eine nachhaltige Entwicklung in der Landwirtschaft gestärkt werden kann.
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1. Prägnante Zitate, Aussagen, Meinungen
Tanja Mindermann (BMEL)…
- ...berichtet über Themen und Maßnahmen des BMEL. Im Transformationsbericht zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen werden die Maßnahmen der Bundesregierung für nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme vom Acker bis zum Teller aufgeführt. Zentrale Themen sind u.a. der Umbau der Tierhaltung und der Ausbau des Ökolandbaus.
- Das BMEL hat kürzlich die Bio-Strategie veröffentlicht, durch die mit 30 Maßnahmen 30 Prozent Bio bis 2030 erreicht werden sollen. Derzeit gibt es eine große Info-Kampagne zu dem Thema, die auch am Bremer Bahnhof zu sehen war, denn Wissen und Informationen sind wichtig, um nachhaltigere Produkte auswählen zu können.
- Wichtiger Hebel ist auch die Außer-Haus Verpflegung. Die Bundesregierung möchte hier vorangehen: Teil des Maßnahmenprogrammes Nachhaltigkeit der Bundesregierung ist es zum Beispiel mehr als 20 Prozent Bio-Produkte in die Kantinen zu bringen. Ziel sei es, nach der Bio-Strategie 30 Prozent zu erreichen. Beratung ist hier zentral, denn mehr Wissen hilft auch hier bei der Umsetzung. BMEL hat hierzu ein Projekt aufgesetzt.
- Die Bundesregierung arbeitet an einer Ernährungsstrategie mit der eine stärker pflanzenbetonte Ernährung empfohlen wird, hier sind auch die Empfehlungen der DGE mit 300 bis 500 Gramm Fleisch pro Woche klar, weniger Fleisch aber dafür in besserer Qualität. Dies ist auch Teil einer Wertschätzung für die Landwirtschaft, die faire Preise für ihre Produkte erhalten solle.
Dr. Thomas de Witte (Thünen-Institut)…
- ...verdeutlicht in seinem Vortrag zum Thema Herausforderungen und Lösungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung in der Landnutzung die Herausforderungen und Zielkonflikte für die zukünftige Landnutzung (Erzeugung von Nahrungsmitteln, Energie und Industriegrundstoffen, Nutzung für Kohlenstoffbindung im Boden oder Naturschutz) bei knapper werdenden Flächen.
Diskussion/Aussagen im Plenum:
- Es heißt immer Zielkonflikte benennen aber sollte man die Konflikte nicht eher austragen? Tierhaltung ist nicht effizient im Vergleich zu pflanzlicher Ernährung, da auch der Landwirtschafssektor klimaneutral werden muss.
- Es braucht eine deutliche Umwälzung der aktuellen Situation, viel Frustration entstehe durch die vielen neuen Regeln aber wenig Unterstützung für die Landwirtschaft, es brauche einen Masterplan, der deutlich weniger Tierhaltung beinhalte. Ordnungsrecht für Landwirte nicht hilfreich denn es muss eine Änderung bei den Ernährungsgewohnheiten geben.
- Sehr wichtig ist die positive Integration von Landwirtinnen und Landwirte, es ist aber in der Diskussionsrunde kein/e aktive/r Landwirt/in vertreten (außer Verbände wie BÖLW, bei dem auch Landwirte Mitglied sind), diese sollten bei solchen Veranstaltungen stärker als bisher eingebunden werden.
- Reduktion des Fleischkonsums ist schnell gefordert, im Ökolandbau ist die Tierhaltung aber wichtiger Teil der Kreislaufwirtschaft, diese Diskussion wird in der Gesellschaft derzeit losgelöst von den Landwirtinnen und Landwirten geführt. Man muss rauf aufs Land um zu schauen, wie die Betroffenen leben und wirtschaften.
- Beispiel Moorwiedervernässung und Flächenkonkurrenz: Die Region rund um Bremen ist ursprüngliche Moorlandschaft, hier wird klassisch Viehwirtschaft auf Grünland betrieben, wodurch neue ebenfalls schützenswerte Landschaft geschaffen wurden. Konkurrenz besteht also zwischen der extensiv betriebenen Landwirtschaft, Naturschutz (Natura 2000) mit Erschwernisausgleich, Moorwiedervernässung sowie Versiegelung und Bebauung neuer Gewerbegebiete, der Druck ist enorm.
- Entscheidung über Flächen werden auch häufig aufgrund des lukrativsten Angebots getroffen, weswegen Landwirtschaft auch aufgegeben wird.
- Landwirtinnen und Landwirte produzieren nicht nur Nahrungsmittel, sie sind auch Landschaftspfleger.
- Auch norddeutsches Grünland ist eine Naturfläche, kontraproduktiv, wenn diese zur Photovoltaik-Anlagen (PV) -Nutzung umgewidmet wird, Milch aber dann aus Hessen „importiert“ wird, wo deutlich mehr Kraftfutter eingesetzt wird.
- Langfristige Investitionen sind für Landwirtinnen und Landwirte sehr risikobehaftet, sie benötigen mehr und andere Unterstützung, denn sonst ist es ein Überlebenskampf.
- Die Flächenkonkurrenz wird weiter durch die zu errichtenden PV angeheizt, für PV auf Freiflächen gibt es mehr Geld als für die landwirtschaftliche Produktion.
2. Welche Dimensionen des Themas wurden besonders häufig genannt oder besonders intensiv diskutiert?
- Aufbauend auf dem Impuls wurde intensiv über den Druck auf die Flächen und die Flächenkonkurrenz zwischen landwirtschaftlicher Produktion, Energiegewinnung durch PV, Naturschutz, Versiegelung und Bebauung, Wiedervernässung von Mooren diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde auch darauf hingewiesen, dass Zielkonflikte am Ende auch ausgetragen und nicht nur diskutiert werden müssten.
- Insbesondere der Zielkonflikt PV und landwirtschaftliche Nutzung wurde und die Frage wie man es ggfls. auch kombiniert und gesellschaftliche akzeptiert in die Landschaft bekommt.
- Entscheidungen werden hier oft aufgrund des besten Angebotes getroffen, was zu Aufgabe der Landwirtschaft führen kann.
- Regionale Förderkonzepte als Lösung
- Die positive Integration von Landwirt/innen: Zuhören und Dialog mit Landwirt/innen sei nötig, diese müssten intensiver in die Diskussionen eingebunden werden.
- Die Umstellung auf Ökolandbau wurde diskutiert und die Bereitschaft seitens der Landwirte, aber mehr Förderung und Subventionen seien nur bedingt zielführend, da die Produkte auch an die Konsumenten gebracht werden müssen, hier mehr Hebel in der AHV nutzbar machen (so in Bremen geplant).
- Glyphosat und inwiefern nicht auf dieses Mittel verzichtet werden könne mit dem Verweis auf den Weltmarkt und die Welternährung wurde diskutiert, der Ökolandbau zeigt, dass es möglich ist.
- Bei vielen Aspekten der Diskussion wurde deutlich, dass die Veränderung des Ernährungsverhaltens wichtig ist, diskutiert wird die Frage, wie man die Konsumierenden besser erreichen könne, eine frühe Bildung als Lösung, aber nicht ausreichend. Das Erzählen von Geschichten über Lebensmittel und deren Herkunft und Produktion ist ebenfalls wichtig.
3. Wo gab es überwiegenden Konsens? Umgekehrt: Was war besonders strittig?
Konsens:
- Das Ernährungsverhalten muss sich verändern.
- Positive Integration von Landwirtinnen und Landwirten. Es wäre wichtig Vertreterinnen und Vertreter in solchen Diskussionen dabei zu haben.
- Landwirtinnen und Landwirten stehen unter einem enormen Druck durch die vielen und sich ändernden Anforderungen.
- Mehr Bildung im Bereich nachhaltige Ernährung und Landwirtschaft ist notwendig. Ansetzen müsse man bereits in der Kita bis zur Berufsschule.
- Man muss die Produkte an die Konsumierenden bringen, hier auch Kultur und Storytelling wichtig.
Strittig:
- Es gibt genügend Lebensmittel auf der Welt, um alle zu ernähren. Es gibt lediglich ein Verteilungsproblem. Hier wurde eingewandt, dass diese Aussage durch die Klimaveränderungen nicht bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern konsensfähig ist. Es sind auch hier Klimaanpassungen in der Landwirtschaft nötig, um sich nicht auch im Ernährungssektor zu abhängig von anderen zu machen.
- Dass sich das Ernährungsverhalten ändern muss und eine Reduzierung des Fleischkonsums notwendig sei, ist unstrittig, allerdings sei die Tierhaltung für die Landwirtschaft in manchen Regionen (wie Bremen) essenziell und im Ökolandbau Teil der Kreislaufwirtschaft.
4. Besondere Hinweise zu den Zielen oder den Indikatoren?
- Im Jahr 2021 lag erstmalig der jährliche Stickstoffüberschuss unter 70 kg N pro ha auch aufgrund der enormen Verteuerung auf dem Weltmarkt durch die weltweiten Krisen. Ziel ist es bis 2030 diesen Wert im Fünfjahresmittel einzuhalten (aktuelles Fünfjahresmittel 2017 bis 2021 82 kg N je ha).
- Das Ziel in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie den Anstieg von Siedlung- und Verkehrsflächen, die zumeist auf Kosten landwirtschaftlicher Flächen gehen, auf unter 30 Hektar pro Tag zu reduzieren, ist nicht erreichbar, wenn landwirtschaftliche Flächen zusätzlich für die Energiegewinnung genutzt werden sollen.
- Das Flächenziel im Ökolandbau ist nur erreichbar, wenn die Konsumierenden mehr zu Ökoprodukten greifen, denn es muss einen Markt für die Produkte geben. Die Vorteile des Ökolandbaus müssen deutlicher gemacht werden.
5. Besondere Hinweise der anwesenden Moderatoren / Impulsgeber
Tanja Mindermann (BMEL) gibt Einblicke in den Prozess des Transformationsteams und die Erarbeitung des Transformationsberichtes zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen, der im nächsten Jahr verabschiedet werden soll. In diesen fließen die Diskussionen und Impulse der Auftaktkonferenz in Berlin und der Regionalkonferenz in Bremen ein.
6. Besondere Empfehlungen/Forderungen an die Bundesregierung
- Man muss sich trauen Ernährungspolitik zu machen und zu gestalten, auch auf Bundesebene. Hier muss man auch aushalten, wenn es der Bevölkerung erst einmal nicht gefällt. Versuchen das Thema positiv zu besetzen.
- Es braucht laute Stimmen aus der Öffentlichkeit, um das Ernährungsverhalten zu verändern.
- Politik setzt den Rahmen auch beim Thema Lebensmittelverschwendung.
- Es brauche noch einen größeren Masterplan für die Reduzierung der Tierhaltung.
- Andere Förderung und Unterstützung von Landwirteninnen und Landwirten (z.B. Umwidmung der Agrarförderung, regional angepasste Maßnahmen, Förderung und Zusammenarbeit, zusätzliche Finanzierungsmaßnahmen etwa über zertifizierte Produkte).