Workshop 2: Auf in Richtung Klimaneutralität! Dekarbonisierung der Wärme- und Stromversorgung

1. Prägnante Zitate, Aussagen, Meinungen

  • Die Pariser Klimaziele werden nicht zu halten sein, aber der Strukturumbau ist dennoch angeschoben. Das ist immerhin eine gute Nachricht.
  • Je später die Emissionswende eintritt, desto schwieriger wird es das CO2-Budget einzuhalten.
  • Als Instrumente im Handlungsfeld der Strom- und Wärmewende können eingesetzt werden: Ordnungspolitik (Ge- und Verbote), Anreize/Förderung und Preis. Preis wird als effizientestes betrachtet in Umfragen. Es herrschen Spannungsfelder zwischen den Instrumenten. Förderung komme gut an bei Befragten, Verbote und Steuerung über Preis weniger gut. Das ist wichtig für die Akzeptanz der Maßnahmen.
  • Die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen hängt auch davon ab, was aktuell diskutiert wird und wo die Gesellschaft steht. Es spielt eine wichtige Rolle, dass Ziele zeitlich gestreckt werden und es Ausnahmen und Übergangsregelungen gibt.
  • Eine zentrale Frage ist, wie Förderung für Klimaschutzmaßnahmen sozial gerecht gestaltet werden kann (Bsp.: Wärmepumpe).
  • Die Nutzung von Wasserstoff in Industrieprozessen erfordert einen umfassenden Umbau der Netzinfrastruktur. Die Zubaurate für Elektrolyse ist aktuell zu langsam, um den Energiebedarf bis 2030 zu decken.
  • Frage des Wohlfahrtsverlustes: Können wir unseren Lebensstil beibehalten und Staat wird es richten? Ist nur dann Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen gegeben? Es ist wichtig, dass bei sehr hohen Konsumniveaus Einschränkungen eintreten.
  • Preise für Wärmepumpen sind teilweise „politikgemacht“: Als die Förderung kam, sind die Preise in die Höhe gegangen. In Verbindung mit hohen Zinsen ist diese Investition für viele nicht stemmbar. Zusätzlich erhöht die Pflicht zur Umstellung die Nachfrage sehr, was wiederum die Preise steigen lässt.
  • Macht eine Förderung Sinn, wenn daraufhin die Preise ansteigen? Muss ggf. die Politik einschreiten, wenn die Preise an die Förderung angepasst werden? Motto: EE darf nicht so viel kosten.
  • Kommunale Wärmeplanung ist sehr wichtig, um festzustellen, ob Eigentümer/innen Investitionen abgenommen werden können. Die Planung, Ausschreibung und Umsetzung der Wärmenetze dauern zu lange. Es muss beschleunigt werden, damit Eigentümer/innen entscheiden können, ob eine eigene Wärmepumpe erforderlich ist.
  • Ein rascher Ausbau des Wärmenetzes ist nicht möglich. Realistisch gesehen können, z.B. in Bremen, nur einige Kerngebiete abgedeckt werden. Es wird daher viele dezentrale Wärmepumpen geben.
  • Ein Problem ist, dass viele aufgrund der Unsicherheiten noch schnell eine Öl- oder Gasheizung einbauen.
  • Allein der Einbau einer Wärmepumpe führt noch nicht zu einer Änderung des Systems. Der Stromverbrauch multipliziert sich. Es werden große, zentrale Wärmepumpen und Speicher benötigt – siehe Vorbild Dänemark.
  • Der Knackpunkt beim CO2-Preis ist, dass dieser politisch sein muss, um seine Lenkungswirkung zu entfalten. Dieser kann nicht vom Markt gesetzt werden, sondern muss von der Politik verantwortet werden. Es ist nicht gut, dass man es nicht schafft diesen zu implementieren.
  • CO2-Preis an sich ist schwer festzulegen, aber durch IPCC ist das CO2-Budget klar gedeckelt. Anhand dessen könnte der Preis am Markt gebildet werden. Dies sei wissenschaftlich eindeutig.
  • Es herrscht Fachkonsens zum Instrumentenmix (Ge- und Verbote, Anreize/Förderung, Preis). Die tatsächliche Bedeutung dessen werde der Öffentlichkeit erst in der Diskussion bewusst. Dies werde wiederum politisch instrumentalisiert und polemisiert. Beispiel: Heizungsenergiegesetz. Hier wurden teilweise Argumente vorgebracht, die so im Gesetz nicht enthalten waren.
  • Es handelt sich eher um eine politisches als ein technisches Problem. Beispiele zeigen, dass die Transformation zu schaffen sei. Die BReg hatte den Mut das anzugehen und wird nun abgestraft. Müsste es mehr Regularien geben? Eine andere Politik?

2. Welche Dimensionen des Themas wurden besonders häufig genannt oder besonders intensiv diskutiert? 

  • Sozial verträgliche Förderung von Umbaumaßnahmen ist erforderlich, um Akzeptanz zu schaffen.
  • Preis als Instrument zur CO2-Reduzierung sinnvoll, wobei die Preisgestaltung vom IPCC-Budget abhängig sein sollte.
  • Technische Lösungen sind vorhanden, das Thema muss politisch angegangen und von der Politik verantwortet werden.
  • Sowohl das Individuum als auch die große Industrie muss in die Verantwortung genommen werden.

3. Wo gab es überwiegenden Konsens? Umgekehrt: Was war besonders strittig? 

Konsens:

  • Sozial verträgliche Förderung von Umbaumaßnahmen erforderlich, um Akzeptanz zu schaffen.
  • Sowohl Individuum als auch die große Industrie müssen für Verantwortung im Klimaschutz adressiert werden.
  • Verhaltensänderungen und Emissionsvermeidung können nur gemeinsam mit – und nicht gegen – Institutionen erreicht werden.

Strittig:

  • Auf der Gefühlsebene werden Klimaschutzmaßnahmen oft als Belastung empfunden. Man sollte z.B. einerseits dazu kommen, dass Maßnahmen zum Statussymbol werden (Vgl. Wärmepumpe und Auto). Für einige Formen des Ökokonsums gilt das schon. Andererseits sind bestimmte Sanierungen, die sehr viel kosten, nicht offensichtlich und sichtbar (z.B. Sanierung). Oft verschulden sich Menschen für einen Hauskauf, sodass keine Mittel mehr für eine Sanierung übrig sind. Zudem dienen Statussymbole auch immer der Abgrenzung von anderen. Weiterhin dauert es sehr lange, bis sich Statussymbole zum Mainstream entwickeln. Diese Zeit bleibt im Rahmen des Klimaschutzes nicht.

4. Besondere Hinweise zu den Zielen oder den Indikatoren? 

  • Steigerung der Endenergieproduktivität und Anteil erneuerbarer Energien: Einfache Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, der nun folgende Teil bis 2050 wird deutlich schwieriger.
  • Ziele und Forderungen sollten sich nicht nur auf das Individuum beziehen, sondern auch auf die großen industriellen Player.

5. Besondere Hinweise der anwesenden Moderatoren / Impulsgeber

Prof. Dr. Winfried Osthorst (Universität Bremen)

Beispiel Heizungsgesetz / Wärme- und Stromwende:

  • Paris-Ziel verfehlen – Was bedeutet das für NHK-Politik?
  • Je später Emissionswende eintritt, desto schwieriger ist CO2-Budget einzuhalten.
  • Klimaschutzziele gesetzlich verankert; wissenschaftlich begründet; Konsens
  • Gleichzeitig Erkenntnis, dass 1,5-Grad-Ziel nicht mehr erreichbar
  • Deutschlands Emissionsbudget ist 2031 aufgebraucht
  • Zitat Mojib Latif: „1,5 Grad sind überhaupt nicht zu erreichen“
  • Maßnahmen müssen radikaler werden, wissen wozu das führen kann
  • Handlungsfeld Wärmewende – Akzeptanz(probleme) des Instrumentenmixes
  • Ordnungspolitik (Ge- und Verbote)
  • Anreize/Förderung: Preise --> oft als Effizientestes betrachtet
  • Spannungsfelder zwischen Instrumenten
  • Wie steht’s um Akzeptanz? Handlungsbedinungen schaffen; Gestaltungskonflikte müssen gelöst werden; technische Lösungen sind da.
  • Förderung: kommt gut an; Verbot und Preise: kommen nicht gut an.
  • Akzeptanz abhängig davon, das aktuell diskutiert wird, wo Gesellschaft steht; wie Betroffenheit einzelner Gruppen gesehen wird; wichtige Rolle für Akzeptanz: Ziele zeitlich zu strecken; Koa am Anfang mit kurzen Zeitzielen; Ausnahmen, Übergangsregelungen
  • Sozioökonomische: Gruppen zwischen progressiven und ambivalent ZweifelndenWie bei dynamischen Zeitzielen mit gekanntem Set an Instrumenten gestalten?
  • Förderung für wen? Aktuell erhalten Wohlsituierte mehr Förderung, da diese Co-Finanzierung stemmen können.
  • Wenn sozial gerecht gestaltet werden soll, mehr auf nur Einkommensschwache beziehen; was macht das mit breiter Akzeptanz? Ggf. gehen Gruppen verloren, die bisher unterstützen (Konzentration der Förderung auf einkommensschwache Gruppen?).           

Dr. Torben Stührmann (Universität Bremen)

Beispiel H2-Hub:

  • Warum? CO2-Bilanz: 58%
  • Wasserstoffhub im Industriehafen mit Güterverkehrszentrum (80.000 LKWs jedes Jahr), Kläranlage
  • Teil der Lkws mit Wasserstoff betreiben; Infrastruktur erforderlich; viele Verbrennungsprozesse --> Wärmeregime
  • Zusammenspiel verändert sich mit Einsatz von Wasserstoff
  • Transformation einen Stahlwerks; brauchen Eisenschwamm; Elektrolichtbögenöfen --> 480 MW (nur für Stahlöfen)
  • Aktuelle Spitzenlast gesamt Bremen: 500MW; 
  • Netzinfrastruktur muss dafür ausgebaut werden; 1GW für Stadt und 1GW für Industriehafen
  • Ertüchtigung des Gasnetzwerks; neue Wasserstoffpipelines benötigt
  • Wichtig, da ansonsten Stahlproduktion abgehängt; 3.500 Arbeitsplätze
  • Elektrolyseure in Europa; 228 MW Elektrolyse; Seit 2017 25% Zubaurate; wenn gleichbleibend 1 GW bis 2030, was nur für Stahlwerk benötigt wird.
  • Projekt hyBit; industrieller Zwilling/Umsetzung: Hybit (erste 10 MW Elektrolyse umsetzen; Baubeginn Mai 2023; Abnahme Juli 2024; Kosten: 21,8 Mio
  • Kohlehafen: Fläche wird nicht mehr benötigt; Kohleschiff nicht mehr; große internationale Fragestellungen; Flächennutzungskonflikte, gerade als kleines Bundesland; Symbiosen; neu denken
  • Verhaltensänderung und Emissionsvermeidung nur mit nicht gegen Institutionen; Transformation gemeinsam gestalten
  • Ganzheitlicher Ansatz, dann Prozesse besser und frühzeitiger gestalten können
  • Förderung durch BMBF
  • Integrierte Betrachtung von technischen, ökologischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen 
  • Ziele von hyBit: 
    • Monitoringinfrastruktur; integrierte Darstellung sehr heterogener Daten; integriertes Verständnis
    • Resiliente Energiesysteme
  • Struktur des Projekts wird vorgestellt.


Tobias Werner (Stadt.Energie.Speicher GmbH)

Beispiel Wärmenetze:

  • Energiekonzept Überseeinsel; Potenzial von Großwärmepumpen
  • ca. 1200 Wohnungen, Hotels, Kitas, Gewerbe; 
  • Wärmenetz zu einem Drittel fertig
  • Ziel: strombasierte Wärme, da ca. 1 Drittel der CO2 durch Wärme; Bsp. Aus Jahr 2022 exemplarisch 2 Wochen --> 43% EE; wenn viel EE, da Strom besonders günstig; wird 15-min-genau an Börse gehandelt
  • Wenn mehr EE-Erzeugung; erhebliche Herausforderungen EE zu integrieren; Teil der Antwort: Speicher; verbrauchsbezogene Erzeugung zu erzeugungsbezogener Verbrauch; Konzept der Übersee
  • Lösung: Wärmepumpe mit Flusswasser aus Weser; geringer Flächenbedarf; weitere Möglichkeiten: Luft, Abwasser; 
  • Besonderheit: sehr große Wärmespeicher: 600m2
  • Speicherung von Wärme und Kälte; Forecast von Börsenpreis und erwarteter Einspeisung
  • Speicherung von Wärme und nicht von Strom; volatile EEs werden integriert + Einsparung
  • Oft Scheu vor großem Speicher
  • Wichtig: variabler Strompreis; oft Grundpreis; auch wichtig für 
  • Wichtig für viele Bereiche, wie Mobilität, Elektrolyse (große Wasserstoffspeicher)
  • Vorschlag: standardisierte Batterien zum Wechseln an Tankstellen
  • Energiequellen möglich: PV, Wind, Flusswasser, Kläranlage
  • Eislaufbahn: Abwärme; ineffizienter Solar-Luft-Kollektor
  • Nahwärme und -kälte wird produziert; bei Wärmepumpe Abfallprodukt: Kälte
  • Zu PV-Mittagsspitze werden Eisbrei vereist, die danach genutzt werden.

6. Besondere Empfehlungen/Forderungen an die Bundesregierung

  • Zu hinterfragen: Macht eine Förderung Sinn, wenn daraufhin die Preise ansteigen? Muss ggf. die Politik einschreiten, wenn die Preise an die Förderung angepasst werden? Motto: EE darf nicht so viel kosten.
  • Fördersummen brauchen teilweise zu lange, bis sie ausbezahlt werden. Das kann für Kommunen und kleine Betriebe eine Insolvenz bedeutet, da diese in Vorleistung gehen.
  • Förderprogramme müssen langfristig angelegt sein und dürfen nicht kurzfristig eingestellt werden, da Planungen auf diesen Programmen beruhen. Beständigkeit und Verlässlichkeit ist dabei sehr wichtig, da ansonsten Projekte ggf. nicht mehr durchgeführt werden können.
  • Mehr Personal für Genehmigungen zur Verfügung stellen, da die Bearbeitung von Anträgen oft sehr lange dauert.
  • Der Druck auf große industrielle Player müsse erhöht werden. Beispiel Ozonloch: Hier wurde ein Verbot der Produktion von bestimmten Stoffen durchgesetzt aufgrund des großen Handlungsdrucks.