Marina Abramović in der Bundeskunsthalle
Erinnerung, Schmerz, Vertrauen: Mit ihren Aufführungen zu existentiellen Themen beeindruckt und verstört Marina Abramović seit Jahrzehnten. Ihre europäische Retrospektive "The Cleaner" läuft noch bis zum 12. August in der Bundeskunsthalle.
Die Bandbreite ihres Werkes lässt einen immer wieder staunen: Marina Abramović, die serbische Künstlerin, war und ist Malerin, Filmemacherin, Fotografin. Sie gestaltet Objekte, entwirft und realisiert Installationen. In seiner Radikalität ist Abramovićs Kunst umstritten wie bewundert. Überragend sind ihre bahnbrechenden Performances, die ihre Ausstellungen oft kongenial ergänzen.
Stockholm, Kopenhagen, Bonn
"Mit ihrer Kunst zwingt sie uns zum Mitfühlen", so Kulturstaatsministerin Grütters. Dass die Werke der international gefragten Ausnahmekünstlerin jetzt in Bonn gezeigt werden, freut auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters. "Es ist eine große Ehre, dass es der Bundeskunsthalle gelungen ist, diese herausragende Künstlerin mit ihrer Retrospektive über 50 Jahre künstlerischen Schaffens zu gewinnen.", so Grütters zur Eröffnung. Nach Stockholm und Kopenhagen ist die Ausstellung bis zum 12. August in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen.
Was ein Mensch ertragen kann
Die Schau spiegelt umfänglich die Facetten von Abramović Werk. Die Themen sind dabei universell und individuell zugleich: Verlust, Erinnerung, Schmerz, Vertrauen. Auch mit der Gewalt und den heftigen Konflikten im ehemaligen Jugoslawien setzt sie sich immer wieder auseinander. Mit ihren performativen Arbeiten hat sie diese Kunstform international prominent gemacht.
Die eigenen Grenzen ausloten
Der Selbstversuch gehört dabei mit zum Konzept, wie auch auch der Dialog und die Konfrontation mit den Besuchern. "Der Prozess ist wichtiger als das Resultat", sagt die Künstlerin selbst. 2010 saß Abramović im Atrium des New Yorker Museums of Modern Art über siebenhundert Stunden schweigend an einem Tisch. Rund 1500 Menschen nahmen ihr gegenüber Platz. Es kam zu emotionalen Ausbrüchen.
Ein Gefühl von Faszination und Verstörung
Von dieser Art der Umsetzung ist auch Kulturstaatsministerin Grütters beeindruckt. "Wie sie sie in ihren Performances bis an ihre eigenen physischen und psychischen Grenzen umsetzt, hinterlässt beim Zuschauer ein ohren- und augenbetäubendes Gefühl von Faszination und Verstörung zugleich. Mit ihrer Kunst zwingt sie uns nicht nur zum Nachdenken, sondern in erster Linie zum Mitfühlen."
Zum Auftakt machte Kulturstaatsministerin Grütters gemeinsam mit der Künstlerin und Kuratorin Susanne Kleine einen Rundgang durch die Ausstellung. Bei ihrem Besuch in Bonn hatte sich Grütters auch die Schau "Deutschland ist keine Insel" angesehen. Die Ausstellung zeigt Werke, die der Bund innerhalb der letzten fünf Jahre die Sammlung der Bundesrepublik Deutschland angekauft hat.
Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn ist eine Einrichtung des Bundes und wird mit rund 19 Millionen Euro zu 100 Prozent aus dem Haushalt der Kulturstaatsministerin gefördert.