Bundesbauministerin Hendricks hat 17 Bürgerinitiativen für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe ausgezeichnet: Sie bieten Unterkunft und Orientierungshilfe für Neuankömmlinge oder auch Raum für gemeinsame Aktivitäten von Einheimischen und Flüchtlingen.
3 Min. Lesedauer
Preisverleihung "Menschen und Erfolge"
Foto: BMUB/Sascha Hilgers
"Menschen und Erfolge" heißt der Wettbewerb, mit dem gute Initiativen für Flüchtlinge gewürdigt werden. "Bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen sind kleinere Städte und Gemeinden in ländlichen Gebieten genauso gefordert wie die großen Städte", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Man habe gerade weitere Erleichterungen im Baurecht beschlossen, um die Einrichtung von Erstaufnahmelagern und Flüchtlingsunterkünften zu beschleunigen, sagte sie bei der Preisverleihung.
Bei dem mit insgesamt 22.000 Euro dotierten Wettbewerb wurden neun Preise verliehen und acht Anerkennungen ausgesprochen. "Menschen und Erfolge – in ländlichen Räumen willkommen!" ist eine Gemeinschaftsinitiative des Bundesbauministeriums mit sowie vieler Verbände und Verbünde, darunter der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie der Deutsche Landkreistag. 17 Bürgerinitiativen wurden ausgezeichnet, die sich bei der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in ländlichen Regionen engagieren.
Hendricks würdigte die Preisträger: "Sie haben schnelle und spontane Hilfe geleistet und denen langfristige Unterstützung angeboten, die dauerhaft bleiben können. Dieses bürgerschaftliche und freiwillige Engagement, gepaart mit Kreativität und Ideenreichtum, ist eine wesentliche Grundlage, damit es den Zuflucht Suchenden gut geht, damit sie ein neues Zuhause finden und dass die Integration gelingen kann", betonte Hendricks.
Bei der Initiative "Willkommen im Dorf" in Jugenheim in Rheinhessen wohnen rund 40 Flüchtlinge mitten im Dorf - im ehemaligen Pfarrhaus und in weiteren Wohnungen. Patenschaften, Deutschkurse und Gemeinschaftsgarten erleichtern ihnen das Ankommen.
Der Verein Regenbogen aus Schleiden in Nordrhein-Westfalen bildet Flüchtlinge, die schon etwas länger in Deutschland sind, zu "Coaches" für Neuankömmlinge aus. Muttersprachliche Erklärungen zum Asylrecht und zum Leben in Deutschland erleichtern diesen die Ankunft in ihrer neuen Heimat.
Die Initiative Weltgarten aus Worpswede in Niedersachsen hat ein Grundstück gefunden, auf dem Einheimische und Flüchtlinge gemeinsam Gemüse und Kräuter anbauen. Diese Begegnung bei der Gartenarbeit erleichtert den Flüchtlingen die Eingewöhnung über Sprachgrenzen hinweg.
"Das freiwillige Engagement ist im ländlichen Raum stärker verbreitet als in Großstädten", hob Hendricks hervor. Auch Nachbarschaft und sozialer Zusammenhalt seien noch von großer Bedeutung.
Bund und Länder arbeiten derzeit mit Eifer an der zügigen Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Für vorübergehende Flüchtlingsunterkünfte werden die deutschen Bauvorschriften gelockert. Darauf haben sich Bauminister der Länder mit Ministerin Hendricks am vergangenen Freitag auf ihrer Konferenz in Dresden verständigt.
Wohnraum müsse schnell und kostengünstig zur Verfügung gestellt werden, sagte Bauministerin Hendricks. Dazu müssten bestehende Standards auf den Prüfstand. Darüber hinaus hat Hendricks eine Änderung des Bauplanungsrechts vorgeschlagen. Damit könnten Kommunen mehr Bauland für Wohnungen auch in Gebieten mit Gewerbe und Dienstleistungsbetrieben erschließen.
"Sowohl der Bund als auch die Länder sind nun gefordert, zügig die Gesetze und Verordnungen anzupassen, dass wir schnell und kostengünstig Wohnraum zur Verfügung stellen können", bemerkt der Vorsitzende der Bauministerkonferenz, Sachsens Ressortchef Markus Ulbig in Dresden.
Eine Aussetzung der nächsten Stufe der Energieeinsparverordnung werde es jedoch nicht geben. Das Bundesbauministerium solle aber bis Mitte März 2016 Vorschläge für eine Neukonzeption der Verordnung und des Erneuerbare-Energie-Wärmegesetz erarbeiten und einer Sonderkonferenz der Bauminister vorlegen. Damit wird die Unterbringung von Flüchtlingen in winterfeste Quartiere beschleunigt. "Mit der Änderung des Bauplanungsrechts werden wir die Errichtung beziehungsweise Nutzung von Flüchtlingsunterkünften erleichtern", erklärte Hendricks.
Weitere, bereits Anfang Oktober beschlossene Änderungen des Baurechts sehen vor, dass mobile Behelfsunterkünfte grundsätzlich in allen Baugebieten und im Außenbereich von Kommunen befristet auf drei Jahre zugelassen werden können. Die Umnutzung bestehender Gebäude wird in allen Baugebieten deutlich erleichtert.