Im Interview mit der Bild-Zeitung spricht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble über die Finanzhilfen für Spanien und die Lage in Griechenland.
BILD: Spaniens Banken erhalten bis zu 100 Milliarden Euro Hilfen aus dem Rettungsschirm. Werden wir das Geld je wiedersehen?
Wolfgang Schäuble: Daran habe ich keinen Zweifel. Mit den Krediten macht Spanien sein Bankensystem stabiler und widerstandsfähiger. Das schafft neues Vertrauen.
BILD: Warum müssen die Deutschen haften, wenn sich spanische Banken verzocken?
Schäuble: Ich wäre vorsichtig mit dem Wort "verzocken". Spanische Banken haben sich nicht mit riskanten Finanz- und Investmentprodukten verspekuliert, sondern in einem klassischen Feld der Kreditfinanzierung, nämlich der Finanzierung von Immobilien. Fehler sind dort auch in der Politik passiert. So wurde über Jahre der Bau von Eigenheimen massiv gefördert - ähnlich wie in den USA. Daher stammt ein großer Teil der Probleme.
BILD: Eine breite Mehrheit der Wähler lehnt die Hilfen ab. Warum gibt die Bundesregierung trotzdem grünes Licht?
Schäuble: Wichtig ist jetzt vor allem, dass unsere gemeinsame Währung stabilisiert wird. Wir haben ein hohes eigenes Interesse an einer stabilen Euro-Zone und wir wollen zeigen, dass unsere gemeinsame Währung Vertrauen verdient. Dazu trägt das Hilfspaket bei. Hinzu kommen die Sparanstrengungen der spanischen Regierung, die ebenfalls Früchte tragen werden.
BILD: Die Spanier protestieren aber heftig gegen den Sparkurs. Wird Spanien das neue Griechenland?
Schäuble: Keinesfalls. Die Ursachen für die Krisen der beiden Länder sind völlig verschieden. Spaniens Wirtschaft ist viel leistungsfähiger und hat eine andere Struktur. Das Land wird schnell wieder vorankommen. Im Übrigen sind Anpassungsprozesse immer schmerzhaft; man kann deshalb bei geplanten Reformen im Vorfeld Demonstrationen nicht vermeiden. Das spricht für die demokratische Offenheit der spanischen Gesellschaft.
BILD: Fliegt Griechenland aus dem Euro, wenn der anstehende Prüfbericht der Troika negativ ausfällt?
Schäuble: Ich werde der Troika nicht vorweggreifen. Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen. Wenn der Troika-Bericht vorliegt, wird die Euro-Gruppe beraten.
BILD: SPD-Chef Gabriel erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kreditinstitute. Ist unser Bankwesen außer Kontrolle geraten?
Schäuble: Mit billigem Populismus wird man der Komplexität des Themas nicht gerecht, vor allem, wenn man die laxe Bankenregulierung der Vergangenheit unter SPD-Verantwortung bedenkt. Die Banken haben in einer Volkswirtschaft eine wichtige Funktion, aber auch eine besondere Verantwortung. Es gab Exzesse und Fehlverhalten und dagegen sind wir vorgegangen. Diese Arbeit muss und wird weitergehen in Europa und im Rahmen der G20. Ärgern tue ich mich manchmal, dass vieles sehr langsam geht. Aber es kann keine Rede davon sein, dass das Bankwesen in Deutschland außer Kontrolle geraten ist.
Das Gespräch führten S. Haselberger und J. W. Schäfer für die Bild.