Neue Förderinitiative startet

Gesundheitsforschung Neue Förderinitiative startet

Ein Herzinfarkt zeigt bei Männern ganz andere Symptome als bei Frauen. Osteoporose wird bei Männern nur selten erkannt. Wie unterschiedlich sich Krankheiten bei Kindern, Berufstätigen, Alten, Männern und Frauen zeigen, ist Thema einer neuen Forschungsinitiative der Bundesregierung.

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Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Gesundheit und die Entstehung von Krankheiten. Auch die Lebensphase, in der sich Menschen befinden, und ihr Geschlecht zählen hierzu. Um die Besonderheiten verschiedener Bevölkerungsgruppen besser zu erforschen, startet das Bundesforschungsministerium die neue Förderinitiative "Gesund - ein Leben lang".

Chronische Erkrankungen bei Kindern

Viele bekannte Kinderkrankheiten sind aus dem täglichen Leben verschwunden. Infektionskrankheiten sowie chronische körperliche und psychische Erkrankungen nehmen hingegen deutlich zu.

Die Frage ist: Wie lassen sich solche Erkrankungen verhindern und besser behandeln? Kinder brauchen andere Therapien und Medikamente als Erwachsene. Allerdings ist darüber noch wenig bekannt. Die Entwicklung kindgerechter Therapien ist daher eine weitere Forschungsfrage.

Psychische Belastungen in der Arbeitswelt

Waren früher vor allem körperliche Belastungen bei der Arbeit maßgeblich für die Entstehung von Krankheiten, so sind es heute immer stärker psychische Belastungen. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka erläutert, dass inzwischen EU-weit mehr als die Hälfte der krankheitsbedingten Fehltage auf psychische Faktoren zurückgeht.

Ein ganz neues Problem ist die ständige Verfügbarkeit von Arbeitskräften durch die Digitalisierung. Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat es, wenn wir stets per Smartphone erreichbar sein müssen und "immer im Dienst"? Die Forschung ist gefragt, wie sich psychischen Belastungen vorbeugen lässt, und wie Gesundheit am Arbeitsplatz gefördert werden kann.

Männer sind anders

Selten finden wir auf dem Beipackzettel eines Medikaments Hinweise darauf, dass es bei Frauen anders als bei Männern wirkt. Dabei weiß man heute, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gleichermaßen bei Therapie wie Diagnose gibt.

So tritt zum Beispiel die Knochenerkrankung Osteoporose häufiger bei Frauen als bei Männern auf und wird daher bei Männern oft nicht erkannt. Umgekehrt ist ein Herzinfarkt bei Männern sehr viel eindeutiger an Schmerzen im Brustraum festzustellen. Die eher unspezifischen Symptome bei Frauen führen dazu, dass diese Krankheit bei Frauen oft nicht oder sehr viel später erkannt wird.

Wir werden älter

Ein heute geborenes Mädchen habe eine Lebenserwartung von hundert Jahren, führt Wanka aus. Bereits heute sind viereinhalb Millionen Menschen in Deutschland älter als 80 Jahre. So erfreulich das ist, so problematisch ist es aus gesundheitlicher Sicht, denn viele alte Menschen leiden zunehmend an mehreren Krankheiten. Sie nehmen häufig eine Reihe von Medikamenten, deren Wechselwirkung nicht immer klar ist.

Versorgung und Pflege müssen auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet sein, um auch bei Krankheit eine bestmögliche Lebensqualität zu erzielen. Um hierfür neue Wege aufzuzeigen, wird die medizinische Forschung mit anderen Disziplinen wie den Sozialwissenschaften zusammenarbeiten und die Gesundheitsfachberufe beteiligen.

100 Millionen Euro

In die neue Förderinitiative fließen bis 2021 rund 100 Millionen Euro. Forscher, Einrichtungen, aber auch Ärzte und Fachleute nichtmedizinischer Wissenschaften können Projektvorschläge einreichen. "Ich hoffe, dass wir für alle Lebenslagen Verbesserungen erreichen können", sagte die Bundesforschungsministerin abschließend.