Mit Lotse und Rollator: Mobil trotz Handicap

Ein Lotse hilft Hilde Schneider mit ihrem Rollator beim Einsteigen in einen Bus.

Der mobisaar-Service vermittelt Lotsen, die beim Ein-, Aus- und Umsteigen im öffentlichen Nahverkehr helfen.

Foto: Bundesregierung/Picture Alliance/Thomas Wieck

Im Kern handelt es sich bei dem Projekt mobisaar um einen Service, der im Regionalverband Saarland eine barrierefreie Wegeplanung ermöglicht: Fahrpläne, Informationen zu Haltestellen, Bussen oder Gehwegen – alles erhält man gebündelt über eine App, übers Internet oder auch per Telefon. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt.

Wer sich noch eigenständig bewegen kann, nutzt mobisaar, um eine günstige Route herauszusuchen. Wer sich ungern ohne Begleitung in Bus und Bahn bewegt oder unterschiedliche Verkehrsmittel nutzen muss, bekommt einen Lotsen vermittelt. Er hilft beim Ein-, Aus- und Umsteigen.

Mit mobisaar weiter mobil

Ein Lotse hilft Hilde Schneider mit ihrem Rollator aus ihrem Haus.

Hilde Schneider nutzt den Service von mobisaar inzwischen regelmäßig.

Foto: Bundesregierung/Picture Alliance/Thomas Wieck

Hilde Schneider hatte zuletzt viel Pech: Ein neues Kniegelenk und ein Beckenriss plagen die 78-Jährige. Sie fürchtete, nicht mehr unter Leute zu kommen. Sorgen, die umso drängender waren, weil Schneider alleinstehend ist und über kein eigenes Auto verfügt. Und das Taxi? "Ich bin ehrlich", sagt sie, "ich könnte es mir kaum leisten."

Die 78-Jährige wurde auf mobisaar aufmerksam. Die erste Fahrt fand sie wunderbar: "Ich habe mich auf einmal richtig frei und beruhigt gefühlt." Ein Anruf genügt, "und am nächsten Tag kommen in der Regel zwei Herren, holen mich an der Haustür ab und bringen mich ans Ziel", erklärt sie. Inzwischen nutzt Hilde Schneider mobisaar regelmäßig: Mittwochnachmittags geht es zur Französischkonversation, donnerstags fährt sie mit dem Nahverkehr zur Kaffeerunde.

In der Forschung hat die Bundesregierung Vorhaben im Bereich der Mensch-Technik-Interaktion vorangebracht.

Das Projekt mobisaar hat es sich zum Ziel gesetzt, die Mobilitätsmöglichkeiten für ältere Menschen und Behinderte auch in ländlichen Gegenden zu verbessern. Dienstleistungen und Techniken sollen dazu beitragen, Barrieren bei Bussen und Bahnen zu überwinden und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrsangebotes zu verbessern. mobisaar ist eines von fünf Sieger-Projekten des Wettbewerbs "Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel (InnovaKomm)" des Bundesforschungsministeriums.

Ausbau über das Saarland hinaus

Ein Lotse wartet mit Hilde Schneider an einer Bushaltestelle.

Mobil trotz Handicap: Hilde Schneider ist begeistert vom mobisaar-Service.

Foto: Bundesregierung/Picture Alliance/Thomas Wieck

Im Augenblick lässt sich mobisaar nur im Regionalverband Saarland nutzen. Geplant ist, das Angebot über das Saarland hinaus auszubauen: "Es muss irgendwann möglich sein, bundesweit von A nach B zu kommen und dabei genau die Unterstützung zu bekommen, die man braucht", so Daniel Bieber. Der Geschäftsführer des Saarbrücker iso-Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft ist so etwas wie der geistige Vater von mobisaar.

Hilde Schneider jedenfalls ist so begeistert, dass sie den Service bei jeder Gelegenheit weiterempfiehlt: "Wenn ich in der Saarbahn jemanden mit Rollator sehe" sagt sie, "versuche ich, den Service publik zu machen."

Deutschland verändert sich: Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich, aber es gibt immer weniger junge Menschen und der Anteil der Menschen im erwerbstätigen Alter sinkt. Mit ihrer Demografiestrategie gibt die Bundesregierung Antworten auf die Bevölkerungsentwicklung. Sie will Wohlstand und Lebensqualität für alle Generationen sichern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Es gilt, Kindern und Jugendlichen eine gute Bildung und Ausbildung zu ermöglichen, Familien die Vereinbarung von privaten mit beruflichen Pflichten zu erleichtern, soziale Sicherungssysteme demografiefest zu gestalten, die Lebensqualität in Stadt und Land zu erhalten und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ältere Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können.