Im Alter aktiv

Eurobarometer
Im Alter aktiv

Ab wann ist man "alt"? Das wird in der EU unterschiedlich gesehen. In Deutschland ist der Mensch bereits mit 60 Jahren "alt". In den Niederlanden ist man "alt" erst ab 70 Jahren, in Schweden mit 67 Jahren und in Frankreich ab 66 Jahren.

Älterer Mann backt in einer Backstube mit Kindern einen Kuchen

Betreuung der Enkel - für viele Ältere die wichtigste Aufgabe

Foto: REGIERUNGonline / Rebekka Brather

Die Meinungen darüber, wann das "Alt werden" anfängt und was Ältere tatsächlich leisten können, sind geteilt. Dies zeigen die Ergebnisse der Anfang 2012 veröffentlichten Umfrage für das Eurobarometer.

Damit Potenziale Älterer besser zur Geltung kommen, rief die EU 2012 als "Europäisches Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen" aus.

Mehrheitlich fit und zufrieden

Im Durchschnitt beziffern alle Befragten in der EU die Grenze, ab wann jemand als "alt" gilt, auf rund 64 Jahre. Die Deutschen vertreten die Auffassung, ab 60,1 Jahren würde man in Deutschland als "alt" angesehen. Nur die Tschechen, Ungarn und Slowenen finden schon 58-Jährige alt.

Die große Mehrheit aller Befragten in der EU fühlt sich fit und leistungsstark. Jeweils sieben von zehn schätzen ihre Arbeit, ihre Gesundheit und ihre Lebensumstände sehr positiv ein. 80 Prozent sind mit ihrer Partnerschaft sehr zufrieden. Zwischen Deutschen und allen EU-Bürgern gibt es nur geringe Unterschiede. Jüngere und Ältere bewerten ihre Befindlichkeiten ähnlich positiv.

Nur bei der Gesundheit werden Einschränkungen deutlich: Während die unter 55-Jährigen überdurchschnittlich mit ihrer Gesundheit zufrieden sind, ist es bei den über 55-Jährigen nur jeder Zweite.

Ältere werden überwiegend positiv wahrgenommen

In allen EU-Ländern vertreten sechs von zehn Befragen die Ansicht, dass das Bild von Älteren im Allgemeinen positiv ist. Ein knappes Drittel meint aber, das Bild von Älteren sei generell schlecht.

In Deutschland glauben etwa sieben von zehn, dass ein positives Bild von den über 55-Jährigen in der Gesellschaft besteht. Diese positive Einschätzung teilt die Bevölkerung in den westeuropäischen Staaten mehrheitlich. Dagegen herrscht in den osteuropäischen Mitgliedstaaten überwiegend ein negatives Altersbild.

Die Bedeutung der Älteren für die Gesellschaft wird vor allem darin gesehen, dass sie ihre Familienangehörigen unterstützen. Für 82 Prozent der Deutschen steht die Betreuung von Enkeln an erster, für 80 Prozent die finanzielle Hilfe an zweiter Stelle. Drei Viertel der Befragten sehen außerdem die Pflege kranker und behinderter Angehöriger als wichtig an. Etwa Acht von Zehn sehen den Beitrag Älterer im ehrenamtlichen Engagement.

Ältere spielen eine wichtige Rolle in der Politik, in der Wirtschaft und beim aktiven Engagement in der lokalen Gemeinschaft. Das glauben 80 Prozent der Deutschen. Etwa ebenso viele sind der Ansicht, dass dies so bleiben oder sogar zukünftig verstärkt werden sollte.

Benachteiligungen in der Arbeitswelt?

Eher negativ werden die Ergebnisse der Befragung, wenn es um die Rolle der Älteren in der Arbeitswelt geht. Vorurteile führen dazu, dass sich die Menschen entschließen, schon früh aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. So sind in Deutschland 63 Prozent davon überzeugt, dass Arbeitgeber ihre älteren Arbeitnehmer nicht positiv wahrnehmen. Von allen Befragten in der EU teilen sogar 70 Prozent diese Meinung.

In Deutschland glauben 63 Prozent, dass ältere Beschäftigte von Fortbildungen ausgeschlossen werden. Dem stimmen 71 Prozent der Befragten aus allen Mitgliedsstaaten zu. 56 Prozent der Deutschen und 62 Prozent in der EU vertreten die Auffassung: Über 55-Jährige verfügen nicht über die Fähigkeiten, die für moderne Arbeitsplätze verlangt werden.

Die Arbeitsplätze sind nicht ausreichend an die Bedürfnisse Älterer angepasst. Das wird von 64 Prozent der Deutschen ebenfalls als Grund angeführt, warum man früh aus dem Erwerbsleben ausscheidet.

Erfahrung zeichnet Ältere aus

Man schreibt zwar den Älteren weniger Technikverständnis und weniger Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen zu. Aber alle Befragten sind sich darin einig, dass die Älteren den Jüngeren in mehreren wichtigen Bereichen des Arbeitslebens auch überlegen sind:
An erster Stelle nennen 90 Prozent der Deutschen die Erfahrung, die Ältere auszeichnet, 75 Prozent die Verlässlichkeit. An dritter Stelle wird von 63 Prozent die Entscheidungsfähigkeit als besondere Fähigkeit der über 55-Jährigen hervorgehoben, gefolgt von der Fähigkeit, Probleme zu lösen (59 Prozent). Etwa jeder Zweite Befragte lobt zudem die gute kollegiale Zusammenarbeit mit älteren Kollegen. Alle Befragten in der Europäischen Union stimmen in diesen Bewertungen weitgehend überein.

Weiter arbeiten, auch wenn das Rentenalter erreicht ist

Menschen sind heute gesünder und leistungsfähiger als die Elterngenerationen. Und es gibt weniger Jüngere, die die Renten für die Älteren mit erwirtschaften. Deshalb haben die Regierungen europaweit die Altersgrenzen für den Renteneintritt angehoben.

Das wird in der EU von einem Drittel (33 Prozent) und in Deutschland von gut einem Viertel (27 Prozent) der Bevölkerung begrüßt. In Deutschland 37 wollen Prozent der Befragten (EU: 33 Prozent) über das offizielle Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten. Das gilt gleichermaßen für Arbeiter, Angestellte und Manager. Von den Selbständigen würden in Deutschland sogar 56 Prozent gerne weiterarbeiten (EU: 46 Prozent).

Knapp zwei Drittel der Befragten in Deutschland möchten die Arbeitsplätze besser an die Bedürfnisse der älteren Beschäftigten angepasst wissen. Sieben von Zehn Befragten in Deutschland und in der EU meinen zudem, dass es leichter wäre länger zu arbeiten, wenn die Arbeitszeit bis zur Rente schrittweise verringert würde.

Eurobarometer: Die Europäische Kommission befragt zwei Mal im Jahr Bürger in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU. Insgesamt werden rund 27.000 Personen ab einem Alter von 15 Jahren zufällig ausgewählt, davon 1.500 in Deutschland. Es wird erhoben, wie die Bevölkerung zur EU und zu speziellen Themen eingestellt ist. Entwicklungen über längere Zeiträume können beobachtet werden.

Die Ergebnisse fließen in die politischen Beratungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments ein.