Ein Blick auf den Weltgipfel in Rio

Rio 2012
Ein Blick auf den Weltgipfel in Rio

In Rio de Janeiro findet derzeit die Weltkonferenz "Rio+20" statt. Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft sehen in der Konferenz eine historische Chance, die Welt auf einen Kurs zu mehr Nachhaltigkeit zu bringen.

Rio de Janeiro - hier findet die Weltkonferenz "Rio+20" im Juni statt.

Große Erwartungen: Gipfel in Rio

Foto: picture-alliance / dpa

20 Jahre nach dem ersten so genannten Erdgipfel über Umwelt und Entwicklung führt die Konferenz "Rio+20" den Gedanken des damaligen "Earth Summit" fort. Zurzeit diskutieren die Teilnehmer das Abschlussdokument der Konferenz. Ziel ist, die Weltwirtschaft in eine "Grüne Wirtschaft" umzubauen. Bundesumweltminister Peter Altmaier würdigte bereits die Fortschritte des Abschlussdokuments: Es gehe um den schonenden Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen. 

Die Konferenz wichtige Wegmarken festgelegt, betonte auch Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel erklärte. Diese müssten nun in weiteren internationalen Verhandlungen verfeinert und konkretisiert werden. Die Entwicklungsziele zur Halbierung der Armut bis 2015 sollten dabei um Nachhaltigkeitsziele ergänzt werden. Altmaier und Niebel leiten gemeinsam die deutsche Delegation in Rio.

Erwartungen an Rio 2012

Teilnehmer knapp 200 Staaten erörtern in Rio die Herausforderungen für die Zukunft: So werden im Jahr 2050 voraussichtlich neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Sie alle haben ein Recht auf Versorgung mit Nahrung, Wasser, Energie und Rohstoffen.

Die Schwerpunktthemen der Konferenz sind deshalb "Green Economy" (Grüne Wirtschaft) im Kontext nachhaltiger Entwicklung und Armutsminderung sowie der institutionelle Rahmen für nachhaltige Entwicklung. "Rio+20" ist auch eine Gelegenheit, die Struktur und das Zusammenwirken der UN-Institutionen im Bereich der Nachhaltigen Entwicklung effizienter und durchsetzungsstärker zu gestalten. 

Rio 1992
Der Erdgipfel 1992 war ein wichtiger Meilenstein der internationalen Umweltpolitik und setzte ein Zeichen des Umdenkens. Zum ersten Mal verankerten die Staaten der Welt die Idee der Nachhaltigkeit als globales Leitbild. Wir sind in der Verantwortung, unseren Planeten für nachfolgende Generationen zu wahren.

Die damaligen Beschlüsse und verabschiedeten Dokumente haben das Bewusstsein für die Probleme der Globalisierung geschärft.

Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise

Wovon kann eine rapide wachsende Weltbevölkerung leben und wie kann sie gleichzeitig die Lebensgrundlagen dauerhaft bewahren? Rio strebt nach einer Vereinbarung zur Entwicklung globaler Nachhaltigkeitsziele, so genannter Sustainable Development Goals, die nach 2015 in einem gemeinsamen Rahmenwerk zusammenfließen. Bereits seit der ersten Rio-Konferenz 1992 ist Nachhaltigkeit immer auch ein Thema der Entwicklungspolitik.

Green Economy

Das Konzept einer "Green Economy" sieht ökologisch verträgliches, sozial verantwortliches, politisch und wirtschaftlich tragfähiges Wirtschaften vor. Die von der Bundesregierung und der EU geforderte "UN Green Economy Roadmap" kann die Durchsetzung dieses Konzepts weltweit beschleunigen.

Die Konferenz soll ein gemeinsames Verständnis über Konzepte und Instrumente einer "Green Economy" erzielen. Rio soll gute Beispiele für den Weg zu einer "Green Economy" aufzeigen und sinnvolle Handlungsempfehlungen für Industrie-, Entwicklungs- und Schwellenländer geben.

Deutschland ist auf einem guten Weg

Deutschland befindet sich bereits auf einem guten Weg. Das unterstreicht der Bericht der Weltbank über grünes Wachstum. Deutschland ist ein Beispiel dafür, dass eine "grüne" Wirtschaft auch wirtschaftliche und soziale Vorteile bringen kann:

Umwelttechnologien sind inzwischen ein wichtiger Zweig der deutschen Wirtschaft; in dem auch immer mehr Menschen arbeiten. Schon heute werden mit Umwelttechnologien über zehn Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Bis zum Jahr 2014 wird mit einer Erhöhung auf 14 Prozent gerechnet. Im Bereich erneuerbare Energien, der besonders gefördert wird, sind seit 2004 rund 370.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Mit ihrer Entwicklungspolitik unterstützt die Bundesregierung auch Entwicklungsländer in Sachen Nachhaltigkeit: Beispielsweise bei ökologischen Steuerreformen, die zu ökologisch verträglicherem Handeln führen. Das Bundesumweltministerium hat im Vorfeld des UN-Nachhaltigkeitsgipfels "Rio+20" eine Initiative ins Leben gerufen, bei der namhafte Unternehmen interessierte Länder auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen.

Weltweite Energieversorgung sichern

Die Bundesregierung hat allein im Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern ihr Engagement zwischen 2005 und 2010 nahezu verdreifacht. Im Jahr 2005 lagen die Investitionen in diesem Bereich bei 470 Millionen Euro, 2010 bei rund 1,424 Milliarden Euro. Ab 2013 wird die Bundesregierung für den Schutz von Ökosystemen und der Biodiversität jährlich eine halbe Milliarde Euro zusagen. Das neue Sondervermögen "Energie- und Klimafonds" fördert zudem seit 2011 den Schutz von Klima und Biodiversität und trägt zum Erhalt der Wälder bei..

Der Zugang zu nachhaltiger Energie ist besonders wichtig, um die Ziele der Staatengemeinschaft zu erreichen. Die Bundesregierung unterstützt deshalb die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene "Initiative Nachhaltige Energie für alle".Sie unterstützt die Partnerländer dabei, dass bis 2030 zusätzliche 100 Millionen Menschen der Zugang zu Energie erhalten. Dafür soll der Anteil der deutschen Leistungen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bis 2030 stufenweise auf 3,6 Milliarden Euro verdoppelt werden.

Effizientere Strukturen schaffen

"Rio+20" ist auch eine Gelegenheit, die Vereinten Nationen in Sachen Nachhaltigkeit effizienter und durchsetzungsstärker zu gestalten. Deutschland befürwortet auch die Einrichtung eines Nachhaltigkeitsrats der Vereinten Nationen ausgesprochen. Veränderungen werden auch für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) angestrebt. Gemeinsam mit den EU-Partnern wird sich Deutschland für eine Aufwertung von UNEP zu einer Umweltsonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Nairobi einsetzen.