Die Bundesregierung zu Gast in Bremen

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Tag der Deutschen Einheit 2026
Die Bundesregierung zu Gast in Bremen

Vom 2. bis 4. Oktober 2026 war die Bundesregierung zu Gast beim Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen. In Sichtweite zum Weserstadion konnten Besucherinnen und Besucher mit einigen Bundesministerinnen und -ministern sprechen und vieles mehr – ein Überblick.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Moderator am Rednerpult im Dialogforum der Bundesregierung

Im Dialog mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ging es unter anderem um den Wehrdienst und die Sicherheit Deutschlands.

Foto: Bundesregierung/Laurin Schmid

Mit der Bundesregierung sprechen, statt über sie: Rund um den Tag der Deutschen Einheit war das in Bremen möglich. Dort präsentierten sich vom 2. bis 4. Oktober die Bundesministerien in vier großen Zelten in der Nähe des Weserstadions. Außerdem standen viele Bundesministerinnen und -minister – wie Bundesverteidigungsminister Pistorius, Bundesfinanzminister Klingbeil, Bundesjustizministerin Hubig, Bundesumweltminister Schneider und Kanzleramtschefin Warken – sowie weitere spannende Gäste im Dialogforum der Bundesregierung Rede und Antwort. 

Ost-West-Debatte auch nach 36 Jahren aktuell

Am Sonntagvormittag, dem dritten Tag des Bürgerfests, erklärte die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, beim Dialogforum, dass man die „Ost-West-Debatte“ aus ihrer Sicht so lange weiterführen werde, „bis wir anerkennen, dass die Ostdeutschen eine enorme Wucht an Transformation durchgemacht haben“. Es gebe außerdem in ostdeutschen Regionen immer noch Nachholbedarf. So seien viele Regionen wirtschaftlich schwächer als westdeutsche. Zudem seien Ostdeutsche in Führungspositionen meist noch unterrepräsentiert.

Man müsse vor allem wegkommen von verallgemeinernden Zuschreibungen „des blauen Ostens“, sagte die Journalistin Marieke Reimann. So fasse man in den Medien häufig die Landtagswahlen in „die Ostwahlen“ zusammen. In ihrem Buch spricht sie deshalb von einer „zweiten Wende“, die in der Wahrnehmung West- und Ostdeutscher stattfinden müsse. 

Die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, erklärte, dass viele Opfer der SED-Diktatur auch unter Altersarmut leiden. Viele wünschten sich lieber den Begriff „Ehrenrente“ anstatt „Opferrente“, um ihren Mut anzuerkennen. Teil der Opfer-Rehabilitierung sei es, die eigenen Stasi-Akten einzusehen, die im Bundesarchiv lagern, so Zupke. Die insgesamt 111 km SED-Akten machten ein Sechstel des Bestands des gesamten Bundesarchivs aus, erklärte der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann.

Wie Start-ups und KI Deutschland voranbringen

Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung, betonte im Dialog am Sonntag, wie wichtig es sei, Gründerinnen und Gründern Mut zu machen. Jedes Abenteuer könne Scheitern, aber man müsse weiter nach vorne schauen. Das Bundesministerium plane außerdem, Gründungen mit einem Gründungsbeschleunigungsgesetz einfacher zu machen. Ziel sei es, Gründungen in 24 Stunden möglich zu machen – für den Tischler wie für den Forscher.

Zudem sprachen Generalleutnant Christian Freuding und der Leiter des Bereichs Cyber Innovation der Bundeswehr, Sven Weizenegger, über Innovationen beim Thema Sicherheit und Verteidigung sowie über die Rolle der Ökonomie des Krieges. Für weitere thematische Abwechslung sorgten außerdem ein Gespräch mit dem ehemaligen Werder Bremen-Profi Tim Borowski und der Auftritt des Zolls, der präsentierte, wie seine Hunde bestimmte Gegenstände „erschnüffeln“. Dieser wird mit einer Zollaktion am Abend das Bühnenprogramm schließen. 

Hier finden Sie das gesamte Bühnenprogramm der Bundesregierung für den Tag der Deutschen Einheit 2026 in Bremen.

Der Kanzler im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern

Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte am Vormittag des 3. Oktobers die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Empfangen wurde er – genau wie die Repräsentantinnen und Repräsentanten der anderen Verfassungsorgane – vom Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Auf dem Weg zum Gottesdienst im St. Petri Dom kam der Bundeskanzler mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch.

Fragen rund um Sicherheit und Verteidigung

Das Dialogforum startete am Tag der Deutschen Einheit mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Das große Besucherinteresse spiegelte sich in der Vielzahl der Fragen wider. So fragte ein 16-jähriger Besucher, warum die Politik mit dem Wehrdienst über die Jugend entscheiden würde. Der Verteidigungsminister betonte, dass der Wehrdienst freiwillig sei. Dennoch seien es Menschen, die allein die Verantwortung für das Land übernehmen könnten, denn „ohne Sicherheit ist alles andere nichts“. 

Auf die Frage, ob es mit den derzeitigen Konflikten nicht Zeit für eine europäische Armee sei, antwortete Pistorius: „Es braucht nicht die eine große europäische Armee, weil wir die NATO haben.“ Diese sei das erfolgreichste Verteidigungsbündnis weltweit und es gelte deshalb, sie weiter zu stärken. 

Im Gespräch zu Finanzen und Gesetzen

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erläuterte am Samstag unter anderem, warum das Sondervermögen Infrastruktur Deutschland „gut tut“: „Wir schaffen damit neue Orte, die dann allen gehören. Und das wird unser Land positiv verändern, da bin ich ganz sicher.“ Der Vizekanzler formulierte außerdem seine Zukunftsvision für Deutschland: „Dass Deutschland weiterhin so ein starkes Land bleibt wie es ist“. Er bitte alle, dabei mitzuhelfen. Es gehe in den nächsten Jahren um viel. 

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig betonte im Dialogforum, dass der Schutz von Frauen vor Gewalt „keine Frauenangelegenheit, sondern eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit“ sei. Zum Thema Wohnen und Mieten erwiderte die Justizministerin, dass sich die Bundesregierung beispielsweise gegen Mietwucher einsetze. Sie wünsche sich außerdem für alle Kinder in Deutschland, dass sie das gleiche Privileg wie ihre Generation haben und in einem friedlich-freiheitlichen Rechtsstaat groß werden könnten.

„Besondere Aufgaben“ und Klimafragen

Den Auftakt im Dialogforum der Bundesregierung machte am 2. Oktober die Chefin des Bundeskanzleramtes, Nina Warken. Diese erklärte zunächst, was es eigentlich mit den „besonderen Aufgaben“ einer Kanzleramtschefin auf sich hat. Dabei handele es sich vor allem um Themen, die ressortübergreifend zusammenfließen: beispielsweise KI, Sicherheit, Innovation. Als besonderes Anliegen der Bundesregierung nannte Warken außerdem, Chancengerechtigkeit, Wohlstandsversprechen und Sicherheitsgarantien für die junge Generation einzuhalten. 

Auf Nina Warken folgte am Freitagabend Bundesumweltminister Carsten Schneider. Auf die Frage, was man gegen Extremwetter tun könne, entgegnete Schneider: „Die Natur passt sich nicht uns an, wir müssen uns ihr anpassen.“ Deshalb stehe bei ihm der Klimaschutz ganz oben. Den Vorteil in erneuerbaren Energien sehe der Umweltminister darin, dass man mit ihnen „sauber und unabhängig“ sei. Deshalb setze er auch ein klares Signal für Elektromobilität.

Die Deutsche Einheit in Bildern

Wer weniger diskutieren wollte, sondern mehr nach Unterhaltung suchte, war bei dem Auftritt der Bundesregierung auf dem Bürgerfest in Bremen ebenfalls willkommen. 

  • Es gab einen Selfie-Spot mit dem Rednerpult des Bundeskanzlers.
  • Eine Foto-Ausstellung zeigte historische „Momentaufnahmen – Auf dem Weg zur Deutschen Einheit".
  • Auf einem großen Video-Cube liefen kurze Filme zur Deutschen Einheit sowie die Übertragung der Dialoge. 
  • Es gab auch eine kleine „Rallye“, bei der Besucherinnen und Besucher Stempel sammeln konnten. An dem Info-Point der Bundesregierung erwarteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend eine Belohnung. 
  • Theater, Musik und zahlreiche weitere Aktionen boten sich außerdem den Besucherinnen und Besucher des Bürgerfests.