Berufliche Bildung

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Auszubildende in der Hauswirtschaft im OTA-Ausbildungszentrum Berlin

Auch Hauswirtschaft will gelernt sein

Foto: Burkhard Peter

In Deutschland erhalten rund 60 Prozent aller jungen Menschen ihre  Berufsausbildung im so genannten dualen System mit den Partnern Betrieb und Berufsschule. Das duale Berufsbildungssystem ist weltweit anerkannt.

Das Berufsbildungsgesetz wurde zuletzt 2005 grundlegend modernisiert. Die Bundesregierung will die berufliche Ausbildung durch eine Strukturreform noch attraktiver und international wettbewerbsfähiger machen. Gemeinsam mit den Sozialpartnern modernisierte sie in den letzten Jahren die überwiegende Zahl der derzeit circa 350 Ausbildungsberufe oder schuf neue.

Die Bundesregierung unterstützt den Übergang von der Schule zur beruflichen Ausbildung oder zum Studium. Vor allem will sie gemeinsam mit den Ländern die Zahl junger Menschen ohne Schulabschluss halbieren.

Berufsorientierung

Besonders gefährdet sind Hauptschülerinnen und Hauptschüler. Ihnen  will die Bundesregierung mit 3.000 Berufseinstiegsbegleitern oder Bildungslotsen den Weg in einen Beruf ebnen. „Wir wollen für diese Jugendlichen betreuende Bildungsketten schaffen – von der siebten Klasse an bis hinein in die Berufsbildung", sagte Bildungsministerin Schavan. In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit werden 3.000 haupt- und ehrenamtliche Bildungslotsen eingesetzt, die vor allem bei der Berufsorientierung helfen. 

Um die Zahl der Schulabbrecher nachhaltig zu verringern, will die Bundesregierung für das auf acht Jahre angelegte Programm bis 2018 insgesamt 755 Millionen Euro investieren.

Ganz wichtig ist auch eine Berufsorientierung für Mädchen in bisher eher typische Männerberufe. Um sie für die so genannten MINT-Berufe zu begeistern - also für Berufe in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - gibt es einen Pakt von Politik und Wirtschaft und das Technikum.

Einstiegsqualifizierung als Ausbildungsvorbereitung

Schon in der Vergangenheit blieben viele Jugendliche nach der Schule schwer vermittelbar, andere sind nicht ausbildungsfähig. Bund und Länder haben deshalb die Initiative „Abschluss und Anschluss“ beschlossen. Ausbildungsvorbereitung und der Übergang in die Berufsbildung sollen gemeinsam mit der Wirtschaft verbessert werden.

Die Einstiegsqualifizierungen (EQ) sind ein besonders erfolgreiches Instrument. Bis zu 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gelingt danach der Einstieg in eine reguläre Berufsausbildung.

Jugendliche, die an einer EQ teilnehmen, absolvieren ein Praktikum in einem Betrieb, das sechs bis zwölf Monate dauert. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erstattet den Betrieben die Sozialversicherungsbeiträge und ein Taschengeld von monatlich bis zu 212 Euro.

Erfolgreiche Absolventen erhalten ein Kammerzertifikat und können die EQ  unter bestimmten Bedingungen auf die Berufsausbildung anrechnen lassen. 2009 absolvierten 23.700 Jugendliche ein derartiges Praktikum.

Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Norddeutsche Affinerie Chef Bernd Drouven unterhalten sich mit Auszubildenden bei der Industriemechanik- mit Auszubildenden beim Rohrleitungsbau.

Flaggschiff duale Ausbildung

Foto: REGIERUNGonline/Widmann

Mit der Wirtschaft hat die Bundesregierung den Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs geschlossen, der bis 2014 verlängert wird. Die Partner haben sich verpflichtet,  jedem jungen Menschen, der dies möchte, ein Qualifizierungsangebot zu machen.

Die gemeinsamen Anstrengungen von Verbänden, Handwerk, freien Berufen und Bundesregierung sind so erfolgreich, dass das Angebot an offenen Stellen inzwischen höher ist als die Nachfrage. Der demografische Wandel und der hohe Bedarf an Fachkräften lässt bald einen Mangel an geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern erwarten.

Das Förderprogramm für mehr Ausbildungsplätze: Jobstarter

Das Programm Jobstarter leistet einen wichtigen flankierenden Beitrag zu den Aktivitäten des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs. Bis 2013 stellt die Bundesregierung dafür 125 Millionen Euro zur Verfügung, darunter auch Mittel aus dem Europäischem Sozialfonds. Vier Regionalbüros in Hamburg, Nürnberg, Berlin und Düsseldorf informieren zusätzlich vor Ort über die Förderungsbedingungen und aktivieren die Zusammenarbeit regionaler Projekte.

Mit dem Programm fördert die Bundesregierung über 280 innovative Projekte. Sie alle schaffen in den Regionen zusätzliche Ausbildungsplätze und unterstützen mit zahlreichen Maßnahmen ausbildungsunerfahrene Betriebe. Bisher konnten die Jobstarter-Projekte rund 42.000 Ausbildungsplätze akquirieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Akquise von Ausbildungsplätzen in neuen Berufen und in Zukunftsbranchen wie den Erneuerbaren Energien.

Jobstarter Connect leistet einen Beitrag dazu, den Übergang von Jugendlichen in Warteschleifen, Altbewerbern und an- und ungelernten jungen Erwachsenen neue Wege in die duale Ausbildung zu eröffnen und die Integration in den Arbeitsmarkt nachhaltig zu erhöhen.

Ausbildung durch Unternehmer mit Migrationshintergrund

Khalife Rima. Auszubildene (Kauffrau fuer Buerokommunikation, links) und Moussa Sefeddin (Siebdrucker, rechts) und Dipl.-Ing. Omar Halabi (Firmeninhaber, Mitte) bei der Firma H.F. Werbung in Berlin

Omar Halabi bildet aus

Foto: Sebastian Bolesch

Einige Projekte widmen sich besonders Unternehmerinnen und Unternehmern mit Migrationshintergrund. Die Koordinierungsstelle „Ausbildung in Ausländischen Unternehmen“ Kausa hat mit vielen regionalen Partnern und Projekten Maßnahmen und Aktivitäten koordiniert und eine verstärkte Ausbildungsbeteiligung  dieser Unternehmergruppe erreicht. Ziel dieses Jobstarter-Programms ist es, das Ausbildungsplatzpotenzial ausländischer Unternehmen für alle jugendlichen Bewerberinnen und Bewerber zu erschließen, unabhängig von Abstammung und Nationalität.

Teilzeitberufsausbildung

Im Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist die Möglichkeit verankert worden, eine Berufsausbildung auch in Teilzeit gestalten zu können. Dies eröffnet jungen Menschen mit Familie eine realistische Perspektive auf eine qualifizierte Berufsausbildung. Gleichzeitig sichert sie den Betrieben Fachkräftenachwuchs durch motivierte Auszubildende, die aufgrund ihrer familiären Verantwortung gute soziale und organisatorische Kompetenzen mitbringen.

Fast ein Fünftel der betroffenen Jugendlichen, überwiegend Frauen, hat ein Kind zu betreuen. Ein „berechtigtes Interesse“ an einer Teilzeitausbildung liegt laut Paragraph 8 BBiG auch dann vor, wenn der Auszubildende einen Angehörigen pflegen muss.

Austauschprogramme für Auszubildende

Schon jetzt können Auszubildende aus Deutschland durch Austauschprogramme wie Leonardo da Vinci  praktische Erfahrungen in anderen Ländern der Europäischen Union sammeln. Die Freizügigkeit der Berufsausbildung erlaubt es Fachkräften sogar dauerhaft in einem anderen EU-Land zu arbeiten. Doch oftmals gibt es dabei Schwierigkeiten bei der Anerkennung von beruflichen Kompetenzen. Durch den "Europäischen Qualifikationsrahmen" (EQR) sollen Kenntnisse, Kompetenzen und Qualifikationen der beruflichen Bildung auf europäischer Ebene vergleichbar werden. Grundlage dafür ist ein Nationaler Qualifikationsrahmen, der bis 2010 entwickelt wird.