Deutscher Freiwilligensurvey 2024
Fast 27 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich freiwillig. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2024 zeigt: Freiwilliges Engagement ist weiterhin weit verbreitet und hat sich auch in herausfordernden Jahren als stabil und tragfähig erwiesen. Zugleich zeigt der Survey, wo sich Engagement verändert, welche Hürden bestehen und welches Potenzial für zusätzliches Engagement vorhanden ist.
36,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren engagieren sich freiwillig, das entspricht rund 27 Millionen Menschen. Damit engagiert sich weiterhin mehr als jeder dritte Mensch in Deutschland.
Gegenüber 2019 ist die Engagementquote von 39,7 auf 36,7 Prozent leicht zurückgegangen. Dieser Rückgang ändert jedoch nichts am insgesamt hohen Engagementniveau. Trotz der Einschränkungen des öffentlichen Lebens während der Corona-Pandemie und wirtschaftlicher Unsicherheiten in den Folgejahren ist freiwilliges Engagement nach Einschätzung des FWS insgesamt stabil und tragfähig geblieben.
Ein Teil des Rückgangs lässt sich auf die etwas konsequentere Prüfung der Angaben zum freiwilligen Engagement im FWS 2024 zurückführen. Die Erhebungen seit 2014 sind methodisch gut vergleichbar.
Zudem zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen und Lebensphasen. Insbesondere die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit, Familie und freiwilligem Engagement ist für bestimmte Gruppen herausfordernder geworden. Gleichzeitig gibt es stabile und positive Entwicklungen: Bei Menschen mit Migrationshintergrund blieb die Engagementquote entgegen dem allgemeinen Trend stabil; bei Menschen mit eigener Zuwanderungserfahrung ist sie sogar gestiegen.
Junge Menschen wollen Verantwortung übernehmen
Besonders ermutigend ist die hohe Engagementbereitschaft junger Menschen. 66 Prozent der derzeit nicht engagierten 14- bis 29-Jährigen können sich vorstellen, in den kommenden zwölf Monaten ein freiwilliges Engagement aufzunehmen. Auch das bestehende Engagement junger Menschen bleibt hoch: 40 Prozent der 14- bis 29-Jährigen engagieren sich freiwillig. Sie gehören damit weiterhin zu den Altersgruppen mit der höchsten Engagementbeteiligung.
Der leichte Rückgang in dieser Altersgruppe ist dabei nicht mit einem nachlassenden Interesse an gesellschaftlicher Mitgestaltung gleichzusetzen. Junge Menschen beteiligen sich weiterhin in hohem Maße. Der FWS stellt deshalb ausdrücklich fest, dass sich aus den Ergebnissen kein nachlassendes Interesse junger Menschen an gesellschaftlicher Mitgestaltung ableiten lässt.
Engagement ist vielfältig
Menschen engagieren sich in nahezu allen Bereichen unserer Gesellschaft. Der größte Engagementbereich bleibt Sport und Bewegung: 13 Prozent aller Menschen ab 14 Jahren engagieren sich hier freiwillig. Es folgen der soziale Bereich mit 8 Prozent sowie Kultur und Musik, Schule und Kindergarten und der kirchliche oder religiöse Bereich mit jeweils 6 Prozent.
Auch innerhalb der Engagementbereiche gibt es unterschiedliche Entwicklungen. So hat das Engagement im Unfall- und Rettungsdienst, bei der Freiwilligen Feuerwehr sowie im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz etwas zugenommen.
Was Menschen zum Engagement bewegt
Freiwilliges Engagement lebt von Gemeinschaft, Freude und dem Wunsch, anderen zu helfen. Viele Engagierte möchten etwas Sinnvolles tun, Gemeinschaft erleben und erfahren, dass sie selbst etwas bewirken können. Auch der Wunsch, Gesellschaft mitzugestalten, spielt eine wichtige Rolle.
Die Motive unterscheiden sich dabei nach Lebensphasen. Jüngere Menschen verbinden Engagement häufiger mit persönlicher Entwicklung und neuen Erfahrungen, während bei älteren Engagierten Gemeinschaft und Sinnstiftung besonders wichtig sind.
Gute Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement
Der Freiwilligensurvey macht deutlich: Die Bereitschaft, sich einzubringen, ist groß. Ob daraus tatsächlich dauerhaftes Engagement wird, hängt jedoch auch von den Rahmenbedingungen ab. Neben der individuellen Bereitschaft braucht es zeitliche Ressourcen sowie gute Zugangs- und Beteiligungsmöglichkeiten. Diese Voraussetzungen unterscheiden sich unter anderem nach Lebensphase, Erwerbssituation, familiären Verpflichtungen und gesundheitlicher Situation.
Besonders die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit, Familie und freiwilligem Engagement ist für bestimmte Gruppen zunehmend eine Herausforderung. Der FWS nennt deshalb den Abbau struktureller Barrieren und die bessere Vereinbarkeit von Engagement mit Erwerbs- und Familienanforderungen ausdrücklich als zentrale Ansatzpunkte engagementpolitischer Maßnahmen.
Hier setzt die Bundesregierung mit dem Zukunftspakt Ehrenamt an. Ziel ist es, Engagierte und Vereine zu unterstützen, Regeln zu vereinfachen, Bürokratie abzubauen und die Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement zu verbessern.
Erste Maßnahmen wurden bereits auf den Weg gebracht. Dazu gehören insbesondere höhere Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen, steuerliche und bürokratische Erleichterungen für gemeinnützige Organisationen sowie eine Ausweitung des Haftungsprivilegs für Engagierte in Vereinen. Weitere Schritte des Zukunftspakts sollen folgen.
Damit greift die Bundesregierung zentrale Herausforderungen auf, die auch der Freiwilligensurvey sichtbar macht: Engagement erleichtern, Hürden abbauen und gute Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen ihre Bereitschaft in dauerhaftes Engagement umsetzen können.
Wissen, was Engagement braucht
Der Deutsche Freiwilligensurvey bildet seit mehr als 25 Jahren die zentrale empirische Grundlage, um Stand und Entwicklung des freiwilligen Engagements in Deutschland zu untersuchen. Auf Grundlage einer großen repräsentativen Bevölkerungsbefragung liefert er regelmäßig ein aktuelles Bild der Zivilgesellschaft.
Die Ergebnisse des FWS 2024 zeigen dabei zweierlei: Freiwilliges Engagement bleibt auch nach herausfordernden Jahren auf einem hohen Niveau. Zugleich besteht erhebliches Potenzial, weitere Menschen für Engagement zu gewinnen.
Besonders die hohe Engagementbereitschaft junger Menschen macht Mut. Aufgabe der Engagementpolitik ist es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, Hürden abzubauen und Orientierung zu geben, damit aus Engagementbereitschaft dauerhaftes Engagement werden kann.
So stärkt die Bundesregierung freiwilliges Engagement als wichtige Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine lebendige Demokratie. Der FWS selbst hebt hervor, dass freiwilliges Engagement einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zu einer lebendigen Demokratie leistet.
Über den Deutschen Freiwilligensurvey
Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS) ist eine repräsentative Befragung zum freiwilligen Engagement in Deutschland. Seit 1999 werden im Abstand von fünf Jahren Daten zu Stand und Entwicklung des freiwilligen Engagements erhoben.
Für den FWS 2024 wurden 27.542 Menschen ab 14 Jahren befragt. Die sechste Erhebung ermöglicht damit einen umfassenden Blick auf freiwilliges Engagement in Deutschland und seine Entwicklung.
Der Freiwilligensurvey 2024 ist eine Studie im Auftrag des Staatsministers für Sport und Ehrenamt.
Die Ergebnisse des Deutschen Freiwilligensurveys 2024 stehen in zwei Fassungen zur Verfügung: Der Kurzbericht gibt einen kompakten Überblick über die zentralen Ergebnisse. Der Hauptbericht bietet vertiefende Analysen zum freiwilligen Engagement in Deutschland.
Kurzbericht – Zentrale Ergebnisse des FWS 2024
PDF, 1 MB,
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Hauptbericht – Freiwilliges Engagement in Deutschland
PDF, 5 MB,
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Key Fundings
PDF, 2 MB,
nicht barrierefrei