Wie hilft der Bund der Kultur?

Auswirkungen der Corona-Pandemie Wie hilft der Bund der Kultur?

Die Corona-Pandemie hat verheerende Auswirkungen auf die Kultur- und Kreativwirtschaft. Für viele Künstlerinnen und Künstler geht es um die Existenz. Der Bund hilft hier passgenau und effizient – mit NEUSTART KULTUR, dem Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen, allgemeinen Wirtschaftshilfen und der Unterstützung im sozialen Bereich. Maßnahmen, die in diesem Jahr fortgesetzt werden.

Aufführung während der Schlossfestspiele Wernigerode

Die Corona-Hilfen des Bundes haben das Ziel, künstlerische Arbeit in der Pandemie zu ermöglichen und die kulturelle Infrastruktur zu erhalten. 

Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Matthias Bein

Auch während der aktuellen Omikron-Welle können die meisten Museen, Theater oder Kinos nur eingeschränkt und unter Beachtung der Hygieneregeln besucht werden. Viele Clubs sind geschlossen, Festivals und Tourneen mussten abgesagt werden. Eine Situation, die nicht nur Künstler und Künstlerinnen, sondern auch Veranstalter und Kreative vor große Herausforderungen stellt und oft massive Einnahmeeinbußen zur Folge hat. Diese werden noch lange spürbar bleiben – auch wenn die aktuellen Beschlüsse des Bundeskanzlers und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder die etappenweise Rückkehr zu einem normalisierten Kulturleben ermöglichen. 

Ob Kinos, Theater oder Musikclubs – alle Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft mussten in den vergangenen Jahren erhebliche Umsatzverluste hinnehmen, die durch die lange Dauer der Corona-Einschränkungen noch potenziert werden. Für 2020 verzeichnet das Kompetenzzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft in seiner Bilanz für die gesamte Branche einen durchschnittlichen Umsatzverlust von 8,7 Prozent, gefolgt von 6,3 Prozent im Jahr 2021. Einzelne Teilmärkte sind noch stärker betroffen. Das reicht vom Kunstmarkt mit einem Rückgang von 39 Prozent, über die Filmwirtschaft mit 41 Prozent bis zu den Darstellenden Künsten, für die ein Minus von 81 Prozent verzeichnet wird. Weitere Informationen finden Sie im  Themendossier des Kompetenzzentrums.


Deshalb setzt die neue Bundesregierung die Corona-Hilfsprogramme sowie zahlreiche weitere Maßnahmen fort. Die Lage der Kulturschaffenden gehe ihr sehr zu Herzen, betont Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Sie werde sich mit allen Kräften dafür einsetzen, dass die Kulturbranche und alle Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, möglichst gut durch diese schwierige Zeit kommen. Dabei gelte es auch dafür zu sorgen, dass die kulturelle Infrastruktur in Deutschland keinen bleibenden Schaden nehme.

Eine Zwischenbilanz der Corona-Hilfen, die bis zum Ende des Jahres 2021 im Kulturbereich vom Bund geleistet wurden, finden Sie in unserem Themenbeitrag.

Rettungs- und Zukunftsprogramm NEUSTART KULTUR

Das bereits im Sommer 2020 gestartete Rettungs- und Zukunftsprogramm NEUSTART KULTUR läuft auch 2022 weiter. Die einzelnen Programmlinien werden immer wieder den neuen Bedarfslagen angepasst. Viele öffnen in diesem Jahr neue Ausschreibungen – so unter anderem Programme für Musikveranstalterinnen und Musikveranstalter, für den Bereich Kinder- und Jugendtheater oder Programme im Literaturbereich. Außerdem wird zum Beispiel der Ausfallfonds für die Filmwirtschaft verlängert, und das spartenübergreifende Stipendienprogramm INITIAL der Akademie der Künste erhält eine Neuauflage.

Für NEUSTART KULTUR stand 2020 zunächst eine Milliarde Euro zur Verfügung, 2021 hat die damalige Bundesregierung eine zweite Kulturmilliarde bereitgestellt. Ein Schwerpunkt der Weiterentwicklung von NEUSTART KULTUR liegt dabei auf der individuellen Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern in Notlagen, häufig durch Stipendienprogramme.

NEUSTART KULTUR hilft vor allem in drei Bereichen: Zum einen trägt es über zahlreiche Projektförderungen und Stipendien dazu bei, dass die Produktion in allen Bereichen von Kunst und Kultur auch unter Pandemiebedingungen aufrechterhalten werden kann. Gefördert werden zum anderen Investitionen in Kultureinrichtungen, die durch pandemiebedingte Hygieneauflagen notwendig werden. Dies können ebenso Maßnahmen zum pandemiesicheren Betrieb sein wie Investitionen in digitale Infrastruktur. Außerdem können bundesgeförderte Kultureinrichtungen Mehrbedarfe zum Beispiel durch Lockdown-bedingte Einnahmeausfälle geltend machen, die mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR abgefedert werden.

Übersicht der Förderprogramme nach Sparten

Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen

Um Veranstalterinnen und Veranstalter im Kulturbereich zu unterstützen, hat der Bund im Sommer 2021 mit dem Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen Mittel in Höhe von 2,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Der Sonderfonds besteht aus einer Wirtschaftlichkeitshilfe für kleinere Veranstaltungen, die aus Gründen des Infektionsschutzes nur mit reduziertem Publikum stattfinden können. Daneben hilft eine Ausfallabsicherung, falls es aufgrund der Corona-Pandemie zur Absage von größeren Veranstaltungen kommt.

Seit Herbst 2021 gelten auch freiwillige Einschränkungen im Rahmen der Wirtschaftlichkeitshilfe als „pandemiebedingt“. Zudem werden noch bis zum 28. Februar 2022 im Rahmen der Ausfallabsicherung freiwillige Absagen von Kulturveranstaltungen aller Größen als „pandemiebedingt“ anerkannt - unabhängig von der aktuell geltenden Regulierungslage im jeweiligen Bundesland.

Weitere Informationen und ein FAQ finden Sie auf der  Webseite des Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen.

Wirtschaftshilfen / Soziale Absicherung

Um pandemiebedingte Härten im Kulturbereich abzufedern, unterstützt die Bundesregierung außerdem die soziale Absicherung von Künstlerinnen, Künstlern und Kulturakteuren und gewährt Überbrückungshilfen.

Die aktuell geltende Überbrückungshilfe IV läuft bis Ende Juni 2022. Sie richtet sich an Unternehmen und ist fixkostenbasiert. Für Unternehmen der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft sind allerdings – als Sonderregelung – auch Ausfall- und Vorbereitungskosten für Veranstaltungen förderfähig. Federführend zuständig ist das BMWK.

Die Neustarthilfe richtet sich dagegen explizit an Soloselbständige, die keine betrieblichen Fixkosten nachweisen können. Sie kann auch von kurz befristet Beschäftigten in den Darstellenden Künsten sowie von unständig Beschäftigten in Anspruch genommen werden. Damit wird die Neustarthilfe explizit auch den besonderen Arbeitsbedingungen im Kulturbereich gerecht. Auch diese Maßnahme läuft bis Ende Juni 2022 und wird durch das BMWK verwaltet.

Der Bundestag hat am 18. Februar 2022 die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis zum 30. Juni 2022 beschlossen. Unternehmen im Kulturbereich können damit – wie Unternehmen aller anderen Wirtschaftsbereiche auch – vom Kurzarbeitergeld profitieren. Auch der vereinfachte Zugang zur Grundsicherung (SGB II) steht Kulturschaffenden weiter offen. Die Regelung zielt insbesondere auf Selbständige ohne anderweitige Absicherung (kein Kurzarbeiter-/Arbeitslosengeld). Die Regelungen wurden bis zum 31. Dezember 2022 verlängert.

Außerdem wurden Änderungen im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) vorgenommen, die den pandemiebedingten Bedarfen Kulturschaffender entgegenkommen. Neben einer Aussetzung der Mindesteinkommensgrenze in den Jahren 2020 und 2021 wurde wurde die Zuverdienstgrenze für die Jahre 2021 und 2022 übergangsweise angehoben. Die Änderungen gelten für das gesamte Jahr 2022. Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien vereinbart, die erhöhte Zuverdienstgrenze aus selbständiger nicht künstlerischer Tätigkeit zu erhalten.

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