Was bietet die EU jungen Menschen?

Schriftzug: Fragen und Antworten zur Jugend in Europa

Fragen und Antworten zur Jugend in Europa

Foto: Bundesregierung

Rund 60 Millionen Europäerinnen und Europäer sind zwischen 15 und 24 Jahren alt. Noch nie hatten junge Menschen bessere Chancen als heute: Sie können in der gesamten EU ohne Schranken reisen, sie können in den Nachbarländern studieren, eine Ausbildung absolvieren, Sprachen lernen oder arbeiten.

Anders als für die Generationen vor ihnen sind Frieden, offene Grenzen, Meinungs- und Pressefreiheit für die Jugendlichen von heute eine europäische Selbstverständlichkeit – sie sind damit aufgewachsen und sie kennen es nicht anders. Dass diese Errungenschaften keine Selbstverständlichkeit sind, wird insbesondere in diesen Zeiten klar, wo Großbritannien als erster Mitgliedstaat die EU verlassen möchte.

Es obliegt den jungen Menschen von heute, das Europa von morgen zu gestalten. Deshalb sind sie ein wesentlicher Bestandteil der EU von heute und der EU der Zukunft.

Was kann die EU für uns junge Menschen tun?

Die Jugendpolitik basiert in der Hauptsache auf der nationalen Gesetzgebung, also der Gesetzgebung in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Die EU kann dabei jedoch Richtlinien verabschieden, so zum Beispiel beim Jugendaustausch. Europäische Jugendpolitik konzentriert sich zum überwiegenden Teil auf die freiwillige Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten untereinander. So vereinbarten die EU-Mitgliedstaaten 2009 die EU-Jugendstrategie 2010-2018.

Das Thema Jugend wird seitdem als eine Querschnittsaufgabe aller Politikfelder verstanden. Zudem ermöglicht die EU zahlreiche Programme in den Bereichen Bildung und Ausbildung oder auch Freiwilligenengagement – Themen, die für Jugendliche besonders wichtig sind. Dazu gehören beispielsweise Erasmus+ oder das Europäische Solidaritätskorps. Damit will sie die Jugendlichen ermuntern, die Chancen wahrzunehmen, die Europa ihnen bietet.

Wie fördert die EU unsere Ausbildung?

Menschen mit guter Ausbildung sind im weltweiten Wettbewerb unverzichtbar. Die Bildungs- und Austauschprogramme der EU helfen, internationale Erfahrungen zu sammeln und sich auf den Arbeitsmarkt der Zukunft vorzubereiten. Mit dem breitgefächerten Bildungsangebot Erasmus+ erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende und junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Möglichkeit, grenzüberschreitend zu lernen, zu studieren und sich zu qualifizieren.

So unterstützt Erasmus+ Aufenthalte von Schülerinnen und Schülern an europäischen Partnerschulen. Sie werden auf diese Weise beim Erlernen von Fremdsprachen gefördert und lernen andere Kulturen kennen. Mit Erasmus+ fördert die EU auch das Studieren in Europa. Befreit werden Gaststudierende in der Regel von den örtlichen Studiengebühren. Die im Ausland erworbenen Studienleistungen werden anerkannt. Auch Auszubildende werden durch Erasmus+ gefördert. Soll die Ausbildung durch ein Praktikum in einem ausländischen Betrieb ergänzt werden, dann gibt es auch dafür Fördermittel.

Was unternimmt die EU gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit?

Die Jugend Europas hat zahlreiche Chancen. Doch sind noch immer mehr als vier Millionen junge Menschen Europas arbeitslos. Die Jugendarbeitslosenquote in der EU ist immer noch doppelt so hoch wie die Gesamtarbeitslosenquote. In einigen EU-Staaten liegt sie bei mehr als 40 Prozent. Noch immer verlassen elf Prozent der jungen Menschen die Schule vorzeitig oder ohne entsprechende Qualifikationen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte bei seiner Rede zur Lage der Union im September 2016: "Ich kann und werde nicht akzeptieren, dass Europa der Kontinent der Jugendarbeitslosigkeit ist und bleibt. Ich kann und werde nicht akzeptieren, dass die Millennium-Generation, die Generation Y, möglicherweise die erste Generation seit 70 Jahren ist, der es schlechter geht als ihren Eltern. Dies ist natürlich in erster Linie Aufgabe der nationalen Regierungen. Aber die Europäische Union kann sie unterstützen."

Vor diesem Hintergrund hat die EU-Kommission Maßnahmen für Investitionen in junge Menschen vorgeschlagen. Gestützt vom Bratislava-Fahrplan sollen der Jugend Chancen geboten werden. Es geht um bessere Bildung und Ausbildung sowie Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Überwindung der Jugendarbeitslosigkeit gehört zu den drängendsten Aufgaben der EU.

Bereits im April 2013 hatte der Europäische Rat die Jugendgarantie verabschiedet. Damit sollen jedem jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Schulende oder Beginn der Arbeitslosigkeit ein Arbeits-, Praktikums- oder Ausbildungsplatz angeboten werden. Die Programme von Erasmus + tragen dazu bei, dass immer mehr Jugendliche in anderen europäischen Ländern arbeiten oder studieren können und sich so weiterbilden. Neun Millionen Jugendliche haben seit 2013 ein Angebot der Europäischen Jugendgarantie angenommen.

Sich in Europa einmischen – Wo kann ich mitmachen?

Sich für Europa engagieren kann man letztlich überall – im Sportverein, in Kulturorganisationen, in Parteien und ihren Jugendorganisationen. Um Schülerinnen und Schüler die Europäische Union und ihre Arbeitsweise besser verständlich machen zu können, wurden viele Initiativen und Programme ins Leben gerufen.

Bei der Simulation Europäisches Parlament (SIMEP) nehmen Schülerinnen und Schüler der 10. bis 13. Klasse die Rolle von Europaabgeordneten ein. SIMEP gibt es seit 1999 jedes Jahr. Gegründet von der Jungen Europäischen Bewegung.

Ähnlich ist es beim Modell Europa Parlament. Bei diesem Planspiel schlüpfen Schülerinnen und Schüler aller Bundesländer im Alter von 15 bis 16 Jahren ebenfalls in die Rolle von EU-Parlamentsabgeordneten, zudem werden Gastdelegationen aus dem europäischen Ausland eingeladen.

Einer der ältesten und bekanntesten Schülerwettbewerbe in Deutschland ist der Europäische Wettbewerb. Jugendliche aller Klassenstufen sind dabei aufgerufen, zu aktuellen europäischen Themen kreative Beiträge einzureichen.

Wer zudem mit Politikerinnen und Politikern über Europa diskutieren möchte, sollte sich den EU-Schulprojekttag merken. Jährlich im Mai sind Politikerinnen und Politiker aufgerufen, sich zu beteiligen und an Schulen über Europa zu diskutieren. Auch Schulen können sich bei den Ansprechpartnern der Bundesländer für eine Teilnahme am Projekttag bewerben. Es gibt den Projekttag seit 2007. übrigens während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen.

Diese Projekte erleichtern ganz sicher den Einstieg in das Engagement für Europa. Wer sich nicht nur hierzulande, sondern auch in anderen Ländern Europas engagieren möchte, für den ist vielleicht das Europäische Solidaritätskorps das Richtige.

Europäisches Solidaritätskorps - Wie kann ich mitmachen?

Das Europäische Solidaritätskorps bietet jungen Menschen, die helfen, lernen und etwas bewegen möchten, eine echte Herausforderung.

Seit dem Beginn der Initiative am 7. Dezember 2016 haben sich schon mehr als 23.000 junge Europäerinnen und Europäer zwischen 17 und 30 Jahren für das Europäische Solidaritätskorps registriert. Sie sind bereit, zwei bis zwölf Monate lang freiwillig bei einer anerkannten Hilfsorganisation, einer lokalen oder nationalen Behörde oder einem Unternehmen für die Allgemeinheit zu arbeiten, dort ein Praktikum oder eine Ausbildung zu machen oder eine befristete, bezahlte Stelle anzutreten.

Wie denken Europas Jugendliche?

Wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung im März 2017 feststellte, stehen die meisten Jugendlichen in Deutschland, Österreich und osteuropäischen Ländern fest zur Europäischen Union. Den größten Zuspruch erhielt die EU dabei mit 87 Prozent von den deutschen Jugendlichen. Die Mehrheit der jungen Menschen sprach sich bei dieser Umfrage für einen Verbleib ihres Landes in der EU aus. Je nach Land forderten aber auch 60 bis 77 Prozent der Teilnehmer, dass sich die EU weiterentwickelt sowie politische und wirtschaftliche Reformen einleitet.

Der wichtigste Vorteil der EU war die Bewahrung des Friedens in Europa. Danach folgte die Möglichkeit, im Ausland zu studieren und zu arbeiten. Wichtig sind für die Jugendlichen auch das Reisen im Schengen-Raum ohne Grenzkontrollen und gemeinsame Anstrengungen gegen den Klimawandel und für gemeinsame Umweltstandards.

Größtes Problem bleibt der islamistische Terror. Es folgen Zuwanderung und die Flüchtlingsfrage. Gedanken machen sich die jungen Menschen auch über die Arbeitslosigkeit, unsichere Jobs und die Kluft zwischen Arm und Reich.

Lässt es die EU auch mal krachen?

Natürlich. So zum Beispiel beim Europäischen Jugendevent - EYE 2016. Vom 20. bis 24. Mai 2016 trafen sich in Straßburg Jugendliche aus ganz Europa mit den europäischen Entscheidungsträgern. Motto: "Gemeinsam können wir etwas bewegen".

Im Mittelpunkt standen fünf Themenbereiche: Krieg und Frieden (Perspektiven für einen friedlichen Planeten), Apathie oder Beteiligung (Agenda für eine lebendige Demokratie), Ausschluss oder Zugang (Entschiedenes Vorgehen gegen Jugendarbeitslosigkeit), Stagnation oder Innovation (Die Arbeitswelt der Zukunft) und Scheitern oder Erfolg (Neue Wege für ein nachhaltiges Europa).

Stand: April 2017