Digitalisieren, Nachwuchs gewinnen und Innovationen fördern

Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt Digitalisieren, Nachwuchs gewinnen und Innovationen fördern

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt hat vor wenigen Monaten ihre Arbeit aufgenommen. Damit gibt es erstmals eine bundesweit tätige Anlaufstelle zur Förderung ehrenamtlichen Engagements. Die Vorstände, Katarina Peranić und Jan Holze, berichten über die Aufgaben der Stiftung und wie das erste Förderprogramm Engagierten auch in Corona-Zeiten helfen kann.

Foto zeigt Katarina Peranić und Jan Holze.

Katarina Peranić und Jan Holze, Vorstände der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt.

Foto: Nils Hasenau/eventfotografen.berlin

Anfang Juli hat die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ihre Arbeit aufgenommen. Welche konkreten Ziele verfolgen Sie und wie wollen Sie Ehrenamtliche unterstützen?

Peranić: Die Stiftung wird dort helfen, wo uns Engagierte tatsächlich brauchen. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die ländlichen und strukturschwachen Räume, weil wir festgestellt haben, dass es hier durchaus noch einmal besonderen Unterstützungsbedarf gibt. Zugleich wollen wir einen Beitrag leisten, dass die Zivilgesellschaft in Deutschland zu einem digitalen Vorreiter wird.

Was haben Sie bisher schon erreichen können?

Peranić: In den ersten Wochen waren Jan Holze und ich erst einmal alleine. Anfangs bestand die Aufgabe darin, unsere Liegenschaft in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) zu beziehen. Die zweite große Aufgabe bestand darin, gute und engagierte Leute zu finden. Deshalb haben wir zeitgleich ein erstes Bewerbungsverfahren gestartet. Die positive Resonanz hat uns sehr gefreut und ehrlich gesagt auch ein wenig überrascht – es sind über 800 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet eingegangen. Mittlerweile ist das Team auf 17 Mitarbeitende angewachsen.

Im September – also zwei Monate nach dem offiziellen Start – haben wir unser erstes Förderprogramm "Gemeinsam wirken in Zeiten von Corona" aufgelegt. Auch hier haben uns mehr Anträge erreicht als wir erwartet hatten. Die große Resonanz zeigt eindrucksvoll, wie wichtig die Förderung des Ehrenamts ist.

Engagierte konnten bis November ihre Anträge auf Förderung einreichen, was fördern Sie konkret und wie sieht die Zwischenbilanz aus?

Peranić: Viele gemeinnützige Organisationen, Vereine oder auch Stiftungen haben großen Nachholbedarf im Bereich der Digitalisierung und das nicht erst seit der Corona-Krise. Durch die fehlende Basis-Infrastruktur sind viele von ihnen praktisch digital abgehängt. Ein Schwerpunkt unseres Förderprogramms liegt daher in der Digitalisierung und Innovationsförderung. Aber auch die Nachwuchskräftegewinnung, die Stärkung von Strukturen sowie die Förderung von Innovation sind zentrale Bestandteile.

Die Stiftung hat inzwischen über 12.500 Anträge aus der gesamten Bundesrepublik erhalten. Besonders erfreulich ist, dass zwei Drittel dieser Anträge aus den ländlichen Räumen zu uns gefunden haben und 30 Prozent aus Ostdeutschland kamen. Dabei übersteigt die beantragte Fördersumme unsere verfügbaren Haushaltsmittel um etwa das Zehnfache.

Wie wurden Engagierte auf Sie aufmerksam und wie wurde das neue Angebot angenommen?

Holze: Zum einen haben Katarina Peranić und ich schon in unseren vorherigen Funktionen viel mit Ehrenamtsnetzwerken zu tun gehabt – diese Expertise bringen wir natürlich in die Stiftung mit ein. Zum anderen ist uns daran gelegen, diese Stiftung bedarfsorientiert aufzubauen. Die Bedarfe bekommen wir natürlich nur mit, wenn wir mit den Menschen in Kontakt treten. Deswegen sind wir recht schnell auf die unterschiedlichsten Strukturen des Ehrenamtes zugegangen.

Inwieweit hat Corona Auswirkung auf Ihre Arbeit?

Holze: In den letzten Monaten waren wir in verschiedenen Bundesländern unterwegs, um mit den Menschen vor Ort direkt ins Gespräch zu kommen, auf uns aufmerksam zu machen und neue Netzwerke zu knüpfen – bis die Corona-Bedingungen es nicht mehr zuließen. Derzeit beschränken wir uns deshalb vor allem auf digitale Formate. Gemeinsam mit dem Haus des Stiftens haben wir beispielsweise das Digital-Camp 2020 mit circa 9.000 Teilnehmenden organisiert, eine Online-Web-Seminar-Reihe, wo wir passend und flankierend zum Förderprogramm Ehrenamtliche im Bereich der Digitalisierung fit machen.

Anlässlich des Tages des Ehrenamtes: Welchen Stellenwert und welche Bedeutung hat die Stiftung für Engagierte?

Holze: Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um erst einmal Danke zu sagen: Danke an die über 30 Millionen Engagierten in Deutschland. Die Stiftung steht einerseits genau für diese Anerkennung des Engagements. Unser Ziel ist es, die Stiftung so aufzubauen, dass sie im Sinne des Ehrenamts handelt. Andererseits soll sie natürlich auch auf Augenhöhe und Partnerschaft aufgebaut sein. Die Ehrenamtlichen sollen von unseren Angeboten profitieren, Engagement und Ehrenamt angemessen und passgenau zu fördern. Insofern freuen wir uns auf die Zusammenarbeit und sind immer offen und neugierig für neue Impulse und Entwicklungen.

Was haben Sie sich für das nächste Jahr vorgenommen?

Holze: Die Stiftung befindet sich noch im Aufbau. 2021 bauen wir unter anderem ein Zentrum für die Strukturstärkung in ländlichen und strukturschwachen Räumen auf, aber auch ein Servicezentrum als zentrale Anlaufstelle für Engagement und Ehrenamt sowie ein Kompetenzzentrum. Zukünftig werden wir deutlich mehr Personal einstellen – geplant sind bis zu 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir benötigen vor allem Expertinnen und Experten, die fürs Ehrenamt brennen. 

Als Beratungs- und Servicestelle werden wir uns außerdem so aufstellen, dass wir jede Problemlage, ob rechtliche Fragestellungen, die Beantragung und Prüfung von Fördermitteln, Fortbildungen oder die Vernetzung Engagierter untereinander, lösen können. Ob kleiner Verein auf dem Land oder große Stiftung in der Stadt – wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und auf allen Ebenen wirken.

Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt ist ein gemeinsames Vorhaben des Bundesfamilienministeriums, des Bundesinnenministeriums und des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Sie ist ein zentrales Ergebnis der Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" und soll insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen Engagement sinnvoll und nachhaltig unterstützen. Der Stiftung stehen in diesem Jahr 23 Millionen Euro Haushaltsmittel zur Verfügung. Derzeit werden schnellstmöglich alle Anträge geprüft, denn die Mittel müssen noch in diesem Jahr ausgegeben werden – nicht nur von der Stiftung selbst, sondern auch von den Antragsstellerinnen und Antragstellern. Insgesamt konnten schon über 18 Millionen Euro bewilligt werden.