"Es liegt an uns, ob wir es schaffen"

Gesundheitsminister Spahn zur aktuellen Corona-Lage "Es liegt an uns, ob wir es schaffen"

Angesichts des deutlichen Anstiegs der Infektionszahlen mahnt Bundesgesundheitsminister Spahn die Bürgerinnen und Bürger, in der Corona-Pandemie achtsam zu bleiben und sich nicht für unverletzlich zu halten.

Die Grafik zeigt die AHA+A+L-Regel. Details in der Bildbeschreibung (Weitere Beschreibung unterhalb des Bildes ausklappbar als "ausführliche Beschreibung")

Was jeder gegen die Verbreitung des Virus tun kann: AHA+A+L

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Foto: Bundesregierung

Der Anstieg der Infektionszahlen sei besorgniserregend, sagte Spahn in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Präsident Lothar Wieler und weiteren Fachleuten. Gleichzeitig, so Spahn, seien die Zahlen der Todesfälle und der Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, vergleichsweise gering. Das Gesundheitssystem könne gegenwärtig sehr gut damit umgehen.

Auch Jüngere sind verletzlich

Zurzeit seien es vor allem Jüngere, die sich anstecken, "zum Teil, weil sie Party feiern, weil sie reisen wollen, weil sie sich für unverletzlich halten. Das sind sie aber nicht. Eine Corona-Infektion ist und bleibt eine ernsthafte Erkrankung, insbesondere auch für die Älteren", betonte Spahn. Es gehe nicht darum, nur sich selbst zu schützen, sondern auch darum, andere zu schützen.

Auch RKI-Präsident Wieler zeigte sich angesichts der aktuellen Entwicklung besorgt: "Die aktuelle Situation beunruhigt mich sehr", erklärte Wieler. Wie sich die Lage in Deutschland in den nächsten Wochen entwickeln werde, wisse man nicht. Auch eine unkontrollierte Verbreitung des Virus sei möglich. Er hoffe, dass die Infektionen auf einem Level gehalten werden, mit dem man umgehen könne, so Wieler.

Erreichtes nicht verspielen

Jens Spahn betonte, Deutschland sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen. "Unser Gesundheitssystem war zu keiner Zeit überfordert, und es gibt insgesamt eine sehr, sehr hohe Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern für die Maßnahmen." Doch man dürfe das Erreichte nicht verspielen. Man müsse verhindern, dass die Zahlen wieder exponentiell steigen.

Deshalb gehe es jetzt um die richtige Balance aus Zuversicht, die man aus dem Erreichten schöpfen dürfe, und gleichzeitig Wachsamkeit und Achtsamkeit.

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Video Balance aus Zuversicht und Wachsamkeit

Regeln weiterentwickeln

"Deswegen wollen wir die Regeln weiterentwickeln und im Winter ergänzen", so Spahn. Die AHA-Regel – Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten, Alltagsmaske tragen – werde ergänzt durch ein "A" wie "Corona-Warn-App nutzen" und ein "L" für "Lüften". Gerade im Herbst und Winter, wenn man sich in geschlossenen Räumen aufhalte, sei das Lüften zwar ein banales, aber wirksames Mittel, um die Infektionsgefahr zu mindern.

Der Gesundheitsminister kündigte an, dass man ab Mitte Oktober ergänzend zur bisherigen Teststrategie Antigen-Schnelltests einsetzen werde. Damit solle insbesondere das Risiko reduziert werden, dass das Virus in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser getragen werde. Beschäftigten, Bewohnerinnen und Bewohnern, Patientinnen und Patienten und auch Besucherinnen und Besuchern solle damit mehr Sicherheit gegeben werden.

Akzeptanz bewahren

Auch die Einreise- und Quarantäneregeln werden überarbeitet, kündigte Spahn an. Er verstehe sehr gut, dass Bundesländer mit geringeren Infektionszahlen ein hohes Interesse daran hätten, sich zu schützen. "Gleichzeitig haben wir alle gemeinsam ein Interesse daran, dass die Regeln möglichst nachvollziehbar und eingängig sind, denn nur dann behalten sie Akzeptanz". Das Ziel sei daher, bei den Regeln "jetzt ganz konkret idealerweise gemeinsam mit allen 16 Bundesländern die nötige Balance finden.“

Für die Einreise nach Deutschland werde man die Quarantäneverordnung verschärfen. Es werde eine zehntägige Quarantäne gelten, die erst nach fünf Tagen durch einen negativen Test verkürzt werden könne.

Achtsamkeit und Wachsamkeit

Spahn rief zu Achtsamkeit und Wachsamkeit auf: "Es liegt an uns selbst, an uns allen, ob wir es schaffen, das Erreichte zu sichern. Wir brauchen uns dabei gegenseitig als Bürgerinnen und Bürger, um dieses Virus zu besiegen. Wir machen gemeinsam den entscheidenden Unterschied."