Rentner gesucht

Senioren arbeiten freiwillig auch im Ruhestand

Rentner haben viel Zeit, reisen gerne und gehen immer genau dann einkaufen, wenn es die arbeitende Bevölkerung auch tut. Dieses Klischee stimmt schon lange nicht mehr – wie zwei sehr aktive Ruheständler aus Ingelheim zeigen.

Senior auf dem Recyclinghof in Bodenheim.

Ein paar Stunden täglich arbeitet Edwin Weinheimer auf dem Wertstoffhof. Für ihn eine willkommene Abwechslung.

Foto: Martin Leissl

Wer Hans-Dieter Friedrich, 72, und Edwin Weinheimer, 67, kennt, weiß: In den Supermarkt können beide erst nach Feierabend. Denn tagsüber arbeiten sie für ein paar Stunden – freiwillig.

Hans-Dieter Friedrich kommt gerade mit dem Dienstwagen von seiner Tour. Er fährt Essen für das Deutsche Rote Kreuz aus.

Auch Edwin Weinheimer hat sich entschlossen, mit einem Bein im Arbeitsleben zu bleiben. Er tut Dienst auf dem Wertstoffhof. Seine Motive sind ähnliche wie die von Friedrich: "Es ist ein Riesenproblem, wenn man immer den ganzen Tag arbeiten war und dann zu Hause bleibt. Man muss sich neue Freiräume suchen."

Lebensphasen unterstützen

Gefunden haben die beiden ihre Jobs mit Hilfe der Vermittlungsstelle für Seniorenjobs. Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen in Ingelheim hat sie eingerichtet. Hier probiert man, wie der demografische Wandel zur Chance werden kann.

Im September 2016 startete die Vermittlungsstelle ihre Arbeit. Mit aus der Taufe gehoben hat sie Ursula Hartmann-Graham, Zweite Kreisbeigeordnete: "Wir brauchen lebensphasenorientierte Unterstützungsangebote. Das fängt mit der Kita an und hört mit der Rente auf."

Auch die Arbeitgeber sind begeistert. Sie finden in Ingelheim ganz unkompliziert zuverlässige Mitarbeiter mit Fachwissen und Lebenserfahrung.

Zahlen sprechen für sich

Ute Poßmann ist die Chefin der Vermittlungsstelle. Als Angestellte der Kreisverwaltung begleitet sie den gesamten Vermittlungsprozess. Sie freut sich jedes Mal, wenn es wieder geklappt hat: "Seit der Eröffnung zählen wir schon 22 Vermittlungskontakte. Derzeit stehen 55 Stellen und 55 Stellenanfragen im Angebot."

Seit dem 1. Januar 2017 gilt: Wer eine Regelaltersrente bezieht und trotzdem weiterarbeitet, erhöht seinen Rentenanspruch, wenn er weiter Beiträge zahlt. So kann man seine Rente um bis zu neun Prozent jährlich steigern. Die Beiträge des Arbeitgebers zur Arbeitslosenversicherung entfallen zunächst für die Dauer von fünf Jahren.

Ab dem 1. Juli 2017 lassen sich Teilrente und Hinzuverdienst individuell kombinieren. Außerdem können Versicherte dann früher und flexibler zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse einzahlen, um Rentenabschläge auszugleichen. Über alle Möglichkeiten informiert die Rentenauskunft. Jeder ab 55 Jahren erhält sie automatisch.

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