EU warnt vor gefährlichen Produkten

Schnellwarnsystem "Safety Gate" EU warnt vor gefährlichen Produkten

Ob der neue Bagger für die Sandkiste oder das Auto für die ganze Familie: Wer etwas kauft, möchte ein sicheres Produkt in den Händen halten. Doch dies ist nicht immer der Fall - manche Waren sind schlecht verarbeitet oder enthalten giftige Stoffe. Das EU-Programm "Safety Gate" möchte Verbraucher vor diesen Produkten schützen - und setzt auf Schnelligkeit.

Eine schwangere Mutter geht mit ihrer Tochter durch ein Spielwarengeschäft.

Fast jedes dritte bei "Safety Gate" gemeldete Produkt war ein Kinderspielzeug.

Foto: E+/Getty Images

Im vergangenen Jahr haben die EU-Länder mehr als 2240 Mal vor gefährlichen Produkten gewarnt. Das geht aus dem aktuellen Bericht der EU-Kommission über das Schnellwarnsystem "Safety Gate" hervor, mit dem sie den Verkauf gefährlicher Produkte auf dem Markt verhindern oder einschränken will. Dies führte zu 4477 so genannter Folgemaßnahmen, davon 98 aus Deutschland - ein Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 63 Prozent seit 2015.

Was ist das Schnellwarnsystem "Safety Gate"?

Im Schnellwarnsystem "Safety Gate" tauschen die EU-Mitgliedsländer, das Vereinigte Königreich, Norwegen, Island, Liechtenstein und die EU-Kommission Informationen über gefährliche Produkte aus (Ausnahme: Lebensmittel). Warnungen nationaler Behörden werden in kurzer Zeit europaweit bekannt gemacht. Das Schnellwarnsystem informiert über das betroffene Produkt, seine konkreten Gefahren und die eingeleiteten Maßnahmen. Die anderen Länder können so schnell überprüfen, ob diese Produkte auch auf dem heimischen Markt kursieren. "Safety Gate" steht rund um die Uhr zur Verfügung. 2010 wurde sein Anwendungsbereich auf Warnmeldungen zu Produkten ausgeweitet, die auch andere Risiken als für Gesundheit und Sicherheit bergen - etwa Umweltrisiken. 

Welche Produkte werden besonders häufig als "gefährlich" gemeldet?

Fast jeder dritte Fall (29 Prozent) betraf Kinderspielzeug, gefolgt von Kraftfahrzeugen (23 Prozent) und Elektrogeräten und -zubehör (acht Prozent). Kosmetika, Bekleidung, Textilien und Modeartikel sowie Babyartikel und Bedarf für Kinder wiesen ebenfalls eine hohe Zahl von Warnmeldungen auf.

Welches waren die häufigsten Gefahren?

Die am häufigsten gemeldeten Risiken standen im Zusammenhang mit Produkten, von denen eine Verletzungsgefahr - beispielsweise Brüche oder Gehirnerschütterungen - ausgeht (27 Prozent), gefolgt von verbotenen chemischen Bestandteilen in Produkten (23 Prozent) sowie Erstickungsgefahr für Kinder (13 Prozent). Eine Verletzungsgefahr wurde vor allem in Warnmeldungen zu Kraftfahrzeugen, Kinderkleidung und Spielzeug angeführt. Chemische Risiken gab es hauptsächlich bei bestimmtem Spielzeug, bestimmtem Schmuck oder bestimmten Kleidungsstücken.

Was passiert mit einem Produkt, das als gefährlich gemeldet wurde?

Diese so genannten Folgemaßnahmen reichen von der Rücknahme oder Vernichtung von Produkten durch Händler und Einzelhändler über das Verbot des Verkaufs des gefährlichen Produkts, seiner Zerstörung oder Änderung bis hin zum Rückruf. Über 80 Prozent der Folgemaßnahmen in 2019 betrafen Rückrufe von Kraftfahrzeugen oder Kraftfahrzeugteilen.

Woher stammen die fehlerhaften oder gefährlichen Produkte?

Die gefährlichen Produkte, die 2019 Gegenstand der Warnmeldungen waren, stammen aus der ganzen Welt. Mehr als die Hälfte von ihnen kam aus China, knapp 30 Prozent der Produkte aus Europa. Die chinesischen Behörden ergreifen Folgemaßnahmen zu den gemeldeten Produkten und informieren die Europäische Kommission regelmäßig über ihre Maßnahmen.

Die Mitgliedstaaten haben ihre Kontrollen auf online verkaufte Produkte ausgeweitet. 2019 wurde in 16 Prozent der Warnmeldungen angegeben, dass die betreffenden Produkte im Internet gefunden wurden.

Welches Land in der EU warnt am häufigsten vor gefährlichen Produkten?

Im EU-Vergleich warnten deutsche Behörden im vergangenen Jahr am häufigsten vor gefährlichen Produkten. 454 Meldungen kamen aus Deutschland. Hier führten Kraftfahrzeuge (74 Prozent), Spielzeuge und Bekleidungsartikel (jeweils fünf Prozent) die Liste der gemeldeten gefährlichen Produkte an. 2018 waren es etwas mehr als 360 Warnungen aus Deutschland.

Gesunken ist dagegen die Anzahl der Folgemaßnahmen, die deutsche Behörden infolge der Warnungen ergriffen haben - etwa Produktrückrufe. 2018 leiteten sie davon knapp 170 ein. Im vergangenen Jahr waren es 98. 

Hat sich das Schnellwarnsystem auch während der Corona-Pandemie bewährt?

Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig das Warnsystem ist. In kurzer Zeit schwappte eine Welle von Produkten zur Bekämpfung des Virus auf die EU-Märkte - darunter Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Manche davon gaben vor, Covid-19 zu heilen und Wunder zu wirken. Bis zum 1. Juli 2020 gab es 63 Warnmeldungen zu Gesichtsmasken, 3 Warnmeldungen zu Schutzanzügen, 3 Warnmeldungen zu Handdesinfektionsmitteln und 3 Warnmeldungen zu UV-Lampen ("tragbare UV-Sterilisatoren").

Wo können sich Verbraucher über gefährliche Produkte informieren oder selbst einen Mangel melden?

Die EU-Kommission veröffentlicht sämtliche Informationen auf der Website "Safety Gate". Dort können die neuesten Warnmeldungen eingesehen oder wöchentliche Berichte über die veröffentlichten Warnmeldungen abgerufen werden.

Unternehmen können auch über das Business Gateway schnell und effizient ein Produkt melden, das sie selbst auf den Markt gebracht haben und das möglicherweise nicht sicher ist.

Verbraucher können Produkte, die sie für gefährlich oder unsicher halten über das ICSMS-System melden. Es sammelt entsprechende Meldungen und leitet sie den zuständigen Behörden weiter.

ICSMS steht für "internet-supported information and communication system for the pan-European market surveillance of technical products" ("Internetgestütztes Informations-und Kommunikationssystem für die pan-europäische Marktüberwachung").

Auch deutsche Behörden bieten Informationen zum Thema Produktsicherheit an:

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) informiert über "Sichere Verbraucherprodukte von Apfelsinenkiste bis Zahnpasta".

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bietet eine Datenbank über "Gefährliche Produkte in Deutschland".

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet Produktrisiken und gibt Empfehlungen zur Produktsicherheit.

Auf dem Portal www.reach-info.de können Interessierte Auskunft über besonders besorgniserregende Chemikalien in den Produkten erhalten.

Die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes erreichen Sie unter www.kba-online.de

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