Im Wortlaut
Bei Eröffnung der Ausstellung "Die Dänen" hat Kulturstaatsministerin Grütters dem Kunstsammler Christoph Müller herzlich gedankt. Mit dessen Schenkung von 380 Werken der dänischen Romantik "erzählt das Pommersche Landesmuseum ein maßgebliches Stück Kunstgeschichte wie deutsch-dänischer Geschichte. Die geplante "Galerie der Romantik" werde die historisch-kulturelle Bedeutung des Nordens in all ihren Facetten zum leuchten bringen", so Grütters.
Vor genau fünf Tagen, am 20. März 2018, wurde doch tatsächlich zum ersten Mal der "Welttag der Romantik" gefeiert. Diesen Tag erfand und schenkte der Fernsehsender Romance TV sich und der Welt zu seinem zehnjährigen Bestehen. Er reiht sich ein in den Reigen schräger Feier- und Gedenktage: Allein am 20. März wird neben dem neu-erfundenen "Welttag der Romantik" beispielsweise auch noch der "Tag der Ravioli" oder der "Welttag des Sperlings" begangen…
Ob die Welt nun wirklich einen Tag braucht, der eine sentimentale, nun ja: nennen wir es "Rosamunde-Pilcher-Romantik" verherrlicht, sei dahingestellt… Der Romantik als einer bedeutenden Epoche Tribut zu zollen, könnte hingegen kaum wichtiger sein. Schließlich handelt es sich um eine Schlüsselepoche der deutschen Geistesgeschichte: Das Romantische verkörpert gerade im Ausland die deutsche Kultur schlechthin, und die künstlerischen Werke und Zeugnisse aus dieser Epoche gelten zu Recht als Schlüssel zum Verständnis der "deutschen Seele". Deshalb freut es mich sehr, dass wir heute, hier im romantisch-angehauchten Greifswald, die Eröffnung der Sonderausstellung "Die Dänen! Sammlung Christoph Müller" feiern. Mit dieser Ausstellung bedeutender Werke der Dänischen Romantik des 19. und 20. Jahrhunderts erzählt das Pommersche Landesmuseum ein maßgebliches Stück Kunstgeschichte und damit auch gemeinsamer deutsch-dänischer Geschichte. Unsere beiden Länder verbinden seit langem enge und intensive Beziehungen – gerade auch im Bereich der Kultur. Im vergangenen Juni, lieber Herr Botschafter Petersen, Sie werden sich sicher erinnern, hat mich die dänische Kulturministerin Mette Bock im Bundeskanzleramt besucht, wir haben uns intensiv ausgetauscht, zum Beispiel über unser gemeinsames europäisches Projekt, das Kulturerbejahr "Echy" 2018, aber auch über das Reformationsjubiläum im vergangenen Jahr. Wir sprachen auch über den 100. Jahrestag der Volksabstimmung zum Grenzverlauf in Dänemark, der im Jahr 2020 ansteht. Dass dieser Tag gemeinsam in einem europäischen Geist begangen wird, ist für mich ein schöner Beleg für die Qualität unserer Beziehungen.
Wie fruchtbar auch der Austausch in der Kunst der Romantik zwischen Dänemark und Deutschland ist, dafür steht diese Ausstellung: Die Kopenhagener Malerschule galt einst als modernste Kunstschule Europas, auch Caspar David Friedrich lernte hier sein Handwerk. Der Kunsthistoriker Philipp Demandt meint sogar: "Was heute als die ‚deutsche Romantik‘ weltweit ein Begriff ist, das kam in Dänemark zur Welt." Den großen Einfluss und die große Bedeutung der dänischen Romantiker können wir ab heute hier in Greifwald bestaunen und dass dies möglich ist, ist einzig und allein der großherzigen Schenkung eines Berliner Kunstsammlers zu verdanken - der Großzügigkeit Christoph Müllers. Sage und schreibe 380 Werke umfasst seine Sammlung bedeutender Werke der Romantik – eine der größten zusammenhängenden Sammlungen dänischer Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Was für ein Geschenk, lieber Herr Müller! Wir alle sind zutiefst dankbar, dass diese bedeutende Sammlung künftig hier im Pommerschen Landesmuseum zu sehen ist! Wunderbare Räume sind zu sehen, einer heißt "Herz und Heimat": Ich finde es großartig, dass unser "museales Netz geistiger Tankstellen" von Ihnen gestärkt wird – nicht nur die Metropolen.
Damit sind Sie, nebenbei bemerkt, sowohl Wiederholungs- als auch Überzeugungstäter: "Wiederholungstäter" deshalb, weil von Ihren großzügigen Schenkungen in der Vergangenheit schon das Kupferstichkabinett Berlin profitierte. Und auch das Land Mecklenburg-Vorpommern erhielt von Ihnen früher schon einmal einen wunderbaren Schatz: Niederländische Werke aus dem 16.-18. Jahrhundert. "Überzeugungstäter" sind Sie, weil Sie – so haben Sie es einmal in einem Interview gesagt – der Meinung sind, dass es für reiche Leute nur „eine einzige anständige Art Geld auszugeben" gebe: nämlich "für Museen zu sammeln." Das ist eine noble Haltung – zumal Sie in unserem heutigen "Fall" nicht nur Kunstwerke für Museen sammeln, sondern auch persönlich mit den Werken und mit dem Pommerschen Landesmuseum verbunden sind. Die Ausstellung "Die Dänen!" ist auch dank Ihrer ehrenamtlichen Vermittlungsarbeit, Führungen und Vorträge etwas ganz Besonderes, etwas sehr Lebendiges.
Dank Ihrer Großzügigkeit, Ihres Engagements und Ihrer visionären Kraft gibt es darüber hinaus einen langfristigen Plan: Die dem Land Mecklenburg-Vorpommern geschenkten Werke werden dem Pommerschen Landesmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und bilden so, gemeinsam mit Werken aus dem Bestand der Gemäldegalerie des Museums, das Fundament der neuen "Galerie der Romantik". Mit der Umwandlung einer bisher "namenlosen" Bildersammlung zur "Galerie der Romantik" schafft das Pommersche Landesmuseum einen weiteren attraktiven Anreiz zur Auseinandersetzung mit der pommerschen Kultur und ihren nordeuropäischen Bezügen. Caspar David Friedrich, der große Sohn der Stadt Greifswald, prägte wie kein anderer die Vorstellung von der norddeutschen Romantik. In der Verantwortung für das große Erbe dieses international beachteten Romantikers wird das Museum künftig also noch deutlicher die historisch-kulturelle Bedeutung des Nordens in all ihren Facetten zum Leuchten bringen. Ich freue mich, dass der Bund – neben dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Stadt Greifswald – das Pommersche Landesmuseum seit über zwei Jahrzehnten institutionell fördert und dass ich nun auch die geplante "Galerie der Romantik" mit fünf Millionen Euro aus meinem Kulturetat unterstützen kann! Greifswald befindet sich dabei übrigens in bester Gesellschaft: In Frankfurt am Main entsteht gegenwärtig das Deutsche Romantik-Museum; der Bund engagiert sich auch hier finanziell in hohem Maße. Nach meinem Rundgang eben bin ich überzeugt: Die neue "Galerie der Romantik" wird ganz bestimmt ein Publikumsmagnet, der Menschen aus der Region, aber auch aus der Ferne, aus den Nachbarländern Dänemark und Polen sowie aus anderen Ländern anzieht. Auch für die museale Fachwelt entwickelt Greifswald mit diesem künstlerischen Schwerpunkt noch mehr als bislang internationale Ausstrahlung – das Pommersche Landesmuseum ist mit seiner umfassenden Sammlung romantischer Kunst schon jetzt ein attraktiver Partner für Ausstellungsvorhaben in ganz Europa! Nicht zuletzt zeigt die Sammlung mit ihren wunderbaren zuweilen beinahe mystisch anmutenden Kunstwerken auf beeindruckende Weise, dass es gerade die Romantik ist, die wie kaum eine andere Zeit für Empfindsamkeit und für die Hinwendung zum Gefühlvollen steht.
Dass der Begriff "Romantik" heute auch manchmal für Kitsch herhalten muss, nimmt der Epoche der Romantik nichts an Strahlkraft. Doch wenn der eingangs erwähnte Fernsehsender Romance TV sein Programm mit dem Slogan "Das Beste, was Romantik zu bieten hat!" bewirbt, möchte man dann doch widersprechen: Denn das wirklich Beste, was Romantik zu bieten hat – oder zumindest vieles vom Besten aus dieser Epoche – findet sich hier in Greifswald! In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung und dem ganzen Haus viele begeisterte Besucherinnen und Besucher aus Deutschland, aus Dänemark und aus ganz Europa!