PISA-Studie

Leistungen deutscher Schüler stabil

Deutsche Schülerinnen und Schüler liegen in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz weiterhin über dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2000 hat sich viel getan. Dennoch sind die Ergebnisse der neuen PISA-Studie für die Bundesbildungsministerin Karliczek auch Anlass zur Sorge.

Schülerinnen und Schüler mit einem Laptop im Schulunterricht.

Erstmals untersuchte die PISA-Studie auch, wie gut es 15-jährigen gelingt, Informationen im Netz zu gewinnen und die Glaubwürdigkeit von Texten zu beurteilen.

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat heute die jüngsten Ergebnisse der größten internationalen Schulstudie PISA für Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen vorgestellt. In allen drei Bereichen bleiben die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Deutschland - wie 2015 - klar über dem OECD-Durchschnitt.

Lesen war diesmal der zentral getestete Kompetenzbereich. Die Leistungen bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie 2009 und deutlich über den ersten Ergebnissen aus dem Jahr 2000. Auch in den anderen beiden Bereichen liegen die Kompetenzen der deutschen Jugendlichen über dem Schnitt der untersuchten Länder. In den Naturwissenschaften bestätigten die 15-jährigen die guten Ergebnisse von 2015. In Mathematik liegen sie zwar über dem Schnitt, haben sich im Vergleich zur PISA-Studie von 2012, als Mathematik zuletzt im Mittelpunkt stand, aber merklich verschlechtert. 

Seit dem Jahr 2000 lässt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die PISA-Studie erstellen. Sie untersucht alle drei Jahre, wie gut Jugendliche im Alter von 15 Jahren grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in alltäglichen Situationen anwenden können. Für die aktuelle 7. Pisa-Studie wurden im Frühjahr 2018 5.500 Schülerinnen und Schülern an rund 220 deutschen Schulen aller Schularten getestet. Befragt wurden außerdem Lehrkräfte und Eltern. Weltweit nahmen rund 600.000 15-jährige in 79 Ländern teil.

Karliczek fordert nationale Kraftanstrengung

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek betonte bei der Vorstellung der Ergebnisse, dass Deutschland ein gutes Schulsystem habe und die Lehrer hervorragende Arbeit leisteten. Die PISA-Studien seien ein wichtiger Gradmesser im internationalen Bereich. Die jüngste Studie zeige eine abflachende und in einzelnen Punkten auch leicht rückläufige Entwicklung. Das mache ihr Sorgen.

Dass Deutschland leicht über dem OECD-Schnitt liege, reiche nicht: "Damit können wir nicht zufrieden sein. Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein." Es brauche eine "nationale Kraftanstrengung" für bessere Bildung. Aus Daten müssten nun Taten werden, so Karliczek. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, das Bildungssystem weiter zu verbessern, jeder in seinem Verantwortungsbereich. Der Bund sei bereit dazu.

Zu den Ergebnissen: Schwerpunkt Lesekompetenz

Abwechselnd bildet jeweils einer der drei Bereiche den Schwerpunkt. In der aktuellen 7. Studie lag der Schwerpunkt auf der Lesekompetenz. Es geht also darum, wie gut die Schüler Texte verstehen, sie nutzen, bewerten und über sie reflektieren können. Erstmals wurde auch getestet, wie gut es den 15-jährigen gelingt, Informationen im Netz zu gewinnen und die Glaubwürdigkeit von Texten zu beurteilen.

Die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler waren überdurchschnittlich gut. Deutschland steht dabei in einer größeren Gruppe von Staaten mit ähnlichem Leistungsstand, zu der beispielsweise auch Frankreich, die USA oder Japan gehören. Die Jugendlichen erreichen damit ähnliche Ergebnisse wie 2009, als zuletzt Lesen im Mittelpunkt der PISA-Studie stand. Allerdings zeigen die Jugendlichen in sieben Staaten spürbar bessere Leistungen (darunter Estland, Finnland, Kanada und Polen).

"Die gute Nachricht ist, dass der Großteil der Jugendlichen in Deutschland hohe Lesekompetenzen hat", so die Leiterin des deutschen Teils der Studie, Professorin Kristina Reiss. Und es sei keineswegs selbstverständlich, ein solch gutes Niveau halten zu können. Allerdings zeige die Studie auch, dass ein Fünftel der 15-jährigen kaum in der Lage ist, den Sinn von Texten zu erfassen und zu reflektieren.

Lesefreude wenig ausgeprägt

Deutsche Jugendliche lesen zudem weniger und haben weniger Freude daran als die Jugendlichen im OECD-Durchschnitt. Mehr als die Hälfte gibt an, vor allem zu lesen, um benötigte Informationen zu bekommen. Nur ein Viertel liest wirklich gerne. Ein Drittel hält Lesen gar für Zeitverschwendung.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte, es sei bedenklich, "dass jeder fünfte Fünfzehnjährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen kann". Das sei "alarmierend" und passe auch nicht "zu unserem Ziel, niemanden zurückzulassen". Der Bund habe gerade zur frühkindlichen Förderung verschiedene Programme ins Leben gerufen. Die werde man "jetzt noch konsequenter weiterverfolgen".

Herkunft spielt immer noch große Rolle

Wie in allen Staaten gibt es in Deutschland weiterhin einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status des Elternhauses und den PISA-Ergebnissen der Kinder. Der Zusammenhang ist in Deutschland allerdings größer als im OECD-Schnitt und er ist in den vergangenen Jahren auch noch angestiegen.

Zum Teil ist das durch den höheren Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erklären, der in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Hier hat die Politik auch schon reagiert: Im Vergleich zu 2009 gibt es mehr Förderunterricht für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Und auch im internationalen Bereich fördert Deutschland hier überdurchschnittlich.

Karliczek: Wir wollen an die Spitze

Insgesamt habe man schon viel in die Wege geleitet, sagte Karliczek, aber die Studie zeige, dass die Dringlichkeit hoch sei, weiterzumachen. "Wir wollen ein exzellentes Bildungsniveau haben und wir wollen in die Spitze der PISA-Studie aufsteigen. Wir scheuen den Vergleich nicht mit den ganz Leistungsstarken: Da wollen wir hin!" Und das gelinge nur in gemeinsamer Zusammenarbeit von Bund und Ländern.